Die Arbeit ist in vollem Gang. Der Kleine Saal des Kirchgemeindehauses, in dem sich die «Jungen Zürcher Harmoniker» auf ihre Konzerttournee vorbereiten, kommt akustisch an seine Grenzen: Franz Schuberts Streichquartett «Der Tod und das Mädchen», von Gustav Mahler für Streichorchester eingerichtet, wird von den jungen Musikerinnen und Musikern einfühlsam und klangintensiv musiziert.

Sie proben hoch konzentriert, Jonas Bürgin fordert viel. Nachdem sie den 1. Satz durchgespielt haben, bedankt er sich zuerst: «Nice, wonderful, thank you». Bürgin, in Möriken aufgewachsen, spricht fliessend Englisch, seine Studienkolleginnen und -kollegen im Orchester kommen aus unterschiedlichsten Ländern. Und dann gehts an die Feinarbeit: «Achtet auf die Klangbalance, ich höre zu viel Bass» – zweimal wird die Stelle wiederholt. «Und das Fortepiano bitte nur mit leichtem Akzent, und dann subito zurück ins Piano.»

Teamgeist

Bürgin hat eine klare Vorstellung, wie ein Werk klingen soll: «Diese Tonwiederholung spielt ihr zu relaxed, das muss mehr Spannung haben.» Und auch die Mittelstimmen sind ihm wichtig. Einmal lässt er nur die Gruppe der 2. Geigen spielen, eine ruhige, leise Passage im langsamen Satz: «Nicht zu sehr zurücknehmen, das muss mehr Wärme haben.»

Trotz der klaren Linie des Dirigenten sind auch Diskussionen wichtig. Die Cellistin fragt etwas, man bespricht die Stelle, auch eine «2. Geige» meldet sich, der Dirigent überlegt, findet es interessant, redet mit den Musikerinnen, dann entscheidet er. Dieser Teamgeist gefällt auch der Konzertmeisterin Nora Peterhans: «Wir machen zusammen Kammermusik, musizieren auf Augenhöhe, wir können unsere Ideen einbringen, wir besprechen sie kurz und Jonas entscheidet dann.»

Die Orchestermusiker/innen bekommen auch alle eine Partitur von den ausgewählten Stücken, somit kennen sie alle Stimmen. Und Jonas Bürgin ist bestens vorbereitet, er lernt vor den Proben alle Stimmen auswendig. Entsprechend gut hört er auch die Mittelstimmen, das Klangbild ist transparent und farblich interessant.

Doch wie kommt ein so junger Musikstudent zu so viel Probe-Erfahrung und Strukturbewusstsein? Wenn man genauer hinschaut, ist der Name «Junge Zürcher Harmoniker» nur bedingt richtig. Zwar spielen hier alles Musikstudenten der Zürcher Hochschule der Künste mit, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Das Kammerorchester wurzelt jedoch im Aargau.

In Boswil hats gezündet

Bürgin konnte schon als Kind im Künstlerhaus Boswil im Jugend-Sinfonieorchester Aargau von Moritz Baltzer und später von Hugo Bollschweiler mitspielen. «Dort hatte ich die Möglichkeit», erzählt Bürgin nach der Probe, «alle Orchester-Positionen für Geiger zu durchwandern. Begonnen habe ich in der 2. Geige, dann spielte ich 1. Geige und dann wurde ich Stimmführer. So habe ich viel über die Orchesterpraxis gelernt.»

In Boswil lernte Bürgin auch andere Gleichgesinnte kennen. Seine Konzertmeisterin Nora Peterhans ist auch Konzertmeisterin des Jugend-Sinfonieorchesters Aargau, und die Stimmführerin 2. Geige, Gioia Steiner, ist ebenfalls Konzertmeisterin dort. Sie alle bilden den harten Kern der «Jungen Zürcher Harmoniker».

Auch der Dirigent Bürgin konnte sich an diesem «Ort der Musik» im Aargau «ausprobieren». Obwohl noch sehr jung, wurde er in die «Meisterklasse Dirigieren» von Douglas Bostock aufgenommen. «Das war für mich wie eine Initialzündung», so Bürgin, «nach diesem Kurs wusste ich: Das

will ich machen!» Was ihn denn so begeistert habe? «Douglas Bostock gab mir den Freiraum, einfach mal ein Orchester zu führen. Im Vergleich zu den anderen Teilnehmern war ich noch sehr unerfahren. Aber er liess mich machen, hat mich kaum unterbrochen, nur sanft in die richtige Richtung geleitet.»

Der Chefdirigent des Argovia Philharmonic hat das Talent dieses Jugendlichen sofort erkannt. Bürgin durfte im Frühling 2016 das Argovia Philharmonic dirigieren, in der Musiktheaterproduktion «Auf der Suche nach dem Paradies» in Baden. Eine wertvollere Anerkennung gibt es für einen jungen Dirigenten im Aargau wohl kaum.

Aarau, Kultur & Kongresshaus Sa 2. März, 19.30 Uhr

Vorverkauf: www.zuercherharmoniker.ch