Hallwilersee
Auffällig viele Baugesuche: Für Bootshäuser gelten strenge Regeln

Rund 70 Bootshäuser stehen auf dem Hallwilersee. Deren Bewilligung muss alle 20 Jahre erneuert werden. Viele Besitzer mussten in letzter Zeit ein nachträgliches Baugesuch einreichen. Der Grund: Solarpanels.

Fritz Thut
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Die Benutzungsbewilligungen für die Bootshäuser am Hallwilersee wurden grundsätzlich um 20 Jahre verlängert.seetalkalender16/Yvonne Steinmann

Die Benutzungsbewilligungen für die Bootshäuser am Hallwilersee wurden grundsätzlich um 20 Jahre verlängert.seetalkalender16/Yvonne Steinmann

seetalkalender16/Y. Steinmann

«Die alten Bootshäuser sind auf den See hinaus gebaut und bilden in dieser Seeumgebung schweizweit einzigartige Objekte.» So werden die auf Stelzen im Hallwilersee stehenden Holzhütten im Bericht über das «Landschafts-Projekt Lenzburg Seetal» herausgehoben.

Viele dieser einzigartigen Objekte tauchten Anfang Jahr in den Baugesuchen der Seegemeinden auf: «Solarpanel auf dem Dach des Bootshauses (nachträgliches Baugesuch)» war so oder ähnlich mehrmals zu lesen. Diese Häufung war auffällig und hat ihren Grund bei der Erneuerung der Benützungsbewilligungen, die am letzten Jahreswechsel fällig war.

Immer 20 Jahre

Alle 20 Jahre muss die Bewilligung für die Bootshäuser im Aargau erneuert werden. Gemäss Arnold Meyer, Projektleiter Gewässernutzung bei der Abteilung Landschaft und Gewässer im Departement Bau, Verkehr und Umwelt, gibt es total 180 Bootshäuser über staatlichen Wasserflächen. Der Hallwilersee bildet neben dem Rhein bei Rheinfelden und Möhlin den zweiten Hotspot; rund 70 Objekte stehen im See.

Rechtzeitig und nach einer internen Vernehmlassung bei allen involvierten Stellen entscheidet der Kanton, ob die Bewilligungen grundsätzlich verlängert werden können. Konkreter wird es bei einem Augenschein in allen Häusern: Hier wird kontrolliert, ob alle Angaben noch stimmen oder ob es Veränderungen gibt.

Die Bootshausbesitzer sind bei dieser Inspektion dabei. Gemäss einer Aussage wurden diesmal alle Räume und auch der Zugangssteg mit einem Lasergerät ausgemessen. Die Fläche ist entscheidend für die jährlichen Gebühren (vgl. Box). Im Gegensatz zur Gesamterneuerung im Jahr 1996, als der Quadratmeterpreis spürbar angehoben wurde, gab es diesmal keine Beschwerden gegen die teilweise mit Auflagen erteilten Verlängerungen.

Nicht der Preisanstieg gab heuer zu reden. «Das grosse Thema waren diesmal die Solarpanels», so Arnold Meyer. Die Erklärung ist einfach. Die Kollektoren, die aus Sonnenlicht elektrischen Strom machen, wurden in den letzten Jahren immer effizienter – und einfacher zu montieren. Während an Land die Bürokratie für den Einsatz von Solarpanels vereinfacht wurde und mancherorts nur noch eine Meldepflicht besteht, gelten in den Uferzonen des Hallwilersee die alten, schärferen Regeln: «Sämtliche Veränderungen sind baubewilligungspflichtig», bringt es Meyer auf einen Punkt.

«So habe ich erstmals in meinem Leben ein Baugesuch eingereicht», hält ein Bootshausbesitzer fest. Er erhielt die neue Bewilligung nur mit der Auflage, seine Solarpanels nachträglich sanktionieren zu lassen. Weil diese Bestätigung noch nicht eingetroffen ist, will der Besitzer nicht namentlich erwähnt werden.

Panels statt Generatoren

Doch das Verfahren befindet auf gutem Weg. Das Gesuch landete zuerst bei der Gemeinde, wurde dort ausgeschrieben und gleichzeitig zur Beurteilung an den Kanton weitergereicht. Auch die Seeuferschutzkommission (SUK), die den Kanton in Sachen Handhabung des Hallwilerseeschutzdekrets berät, hatte sich mit den Gesuchen zu befassen. «Wenn es gut gemacht ist, sind wir nicht dagegen», sagt SUK-Präsident Gianni Asquini.

Bei vielen Stellen ist man froh um die neuen Stromlieferanten. Bei vielen Bootsbesitzern ersetzten die Kollektoren, die früher im Einsatz stehenden, benzinbetriebenen Generatoren: «Diese sind mit dem Dekret nicht verboten», sagt Meyer. Doch Abgase und Lärm sind natürlich in einem Naherholungsgebiet nicht gern gesehen. «Ich brauche den Generator nur noch einmal im Jahr, wenn ich vor der Saison mit dem Staubsauger alles sauber mache», sagt der anonyme Bootshausbesitzer.

Er darf sich freuen, in wenigen Wochen trifft die nachträgliche Bewilligung für die Solaranlage bei ihm ein. Die nötigen Papiere des Kantons sind auf der Gemeinde eingetroffen und der Gemeinderat wird an einer der nächsten Sitzungen sein Okay geben und über eine allfällige Busse wegen dem nachträglichen Gesuch entscheiden.

Nicht alle nachträglichen Baugesuche für Solaranlagen wurden vom Kanton durchgewinkt. In Beinwil am See wurde ein zu auffällig montiertes Panel moniert.

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