Spitalclown
Auf Krankenvisite mit Spitalclownin «Dr. Schmatz»

Ein Spitalclown kann vielen Kindern, die sich in einer ernsten Situation befinden, ein Lachen entlocken. Auf der Krankenvisite mit Regula Kaltenrieder alias Dr. Schmatz, Expertin im Fachbereich «Humorologie».

Dominic Kobelt
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Dr. Schmatz (links) spielt zusammen mit Dr. Trallalla ein Lied, um die Kinder der Kinderklinik des Kantonsspitals Aarau aufzuheitern.

Dr. Schmatz (links) spielt zusammen mit Dr. Trallalla ein Lied, um die Kinder der Kinderklinik des Kantonsspitals Aarau aufzuheitern.

Chirurgen, Gynäkologen, Physiotherapeuten – es gibt viele Spezialisten an der Kinderklinik des Kantonsspitals Aarau. Auf dem Ausweis von Regula Kaltenrieder steht «Humorologie» als Fachbereich. Ein Marienkäfer klammert sich an ihren Haargummi und aus ihren Taschen zaubert sie Plüschelefanten, Ballone oder einen Zauberstab. In knallrotem, schwarz gepunktetem Kleid und mit roter Nase bringt sie als Dr. Schmatz die Kinder zum Lachen und lenkt sie vom Spitalalltag ab. Sie ist eine von fast 200 Spitalclowns der Stiftung Theodora, die dieses Jahr ihr 20-Jahr-Jubiläum feiert.

Dr. Schmatz hatte ihren ersten Einsatz vor fast vier Jahren. «Ich hatte ziemlich Angst», sagt Kaltenrieder. Bei den ersten Besuchen sind erfahrene Clowns dabei und bewerten die Neuen. «Das erhöht natürlich den Druck noch mehr, lustig und kreativ zu sein.» Heute sei sie etwas entspannter: «Mit der Zeit lernt man zu akzeptieren, dass es manchmal auch nicht klappt – und man hat natürlich etwas mehr Erfahrung, um bestimmte Momente mit Tricks zu überbrücken.»

Die Patientinnen und Patienten reagieren unterschiedlich auf Spitalclowns. Manche sind still und zurückhaltend, andere lachen oder bringen ihren Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu. Ist es nicht manchmal schwierig, in ernsten Situationen lustig zu sein? «Wenn ich Clown bin, fällt es mir leichter, fröhlich zu sein», sagt Kaltenrieder. «Die Nase und das Kostüm sind eine Maske und helfen einem, nicht alles zu nah an sich heranzulassen.» Es gebe aber schon Momente, in denen es ihr schwerfalle, Spässe zu machen. «Manchmal ist das auch in Ordnung und gar nicht gewünscht. Dann versucht man auf eine andere Art, dem Kind oder der Familie etwas Gutes zu tun, zum Beispiel mit schöner Musik.»

Dem entsprechend bereiten sich die Spitalclowns auf ihre Besuche vor. Oft erfahren sie bereits vorher vom Pflegepersonal, wie die Stimmung in einem Zimmer ist, zum Beispiel, ob es eine schlechte Diagnose gegeben hat. So könne man sich ein bisschen darauf einstellen – «aber meistens ist dann doch alles ganz anders», sagt Kaltenrieder. «Manchmal möchten die Leute einfach lachen – und manchmal halt nicht.»

Es ist nicht das Ziel der Spitalclowns, die Leute um jeden Preis zum Lachen zu bringen. «Wir möchten den Kindern Momente bescheren, in denen sie vergessen können, dass sie im Spital sind.» Allerdings musste Dr. Schmatz auch schon etwas frustriert ein Zimmer verlassen, weil ein Kind nicht reagiert hat. «Man fragt sich dann, was falsch gelaufen ist – und hört später von einer Schwester, dass gerade jenes Kind nach unserem Besuch ununterbrochen vom Clown erzählt hat.» Es komme aber auch vor, dass ein Kind den Spitalclown gar nicht sehen wolle.

Wie wird man Spitalclown? Die Stiftung richtet sich an ausgebildete Artisten. Kaltenrieder hat eine Ausbildung in Naturheilkunde und Akupunktur gemacht, danach eine Clownausbildung. Nach dem Aufnahmegespräch bei Theodora folgten ein halbes Jahr lang Seminare. Bei den ersten zwölf Besuchen war ein erfahrener Clown dabei, danach startete sie ins Juniorjahr, in dem sie auch schon erste Soloeinsätze hatte. Nach dieser Ausbildung dürfen sich die Theodora-Clowns einen Namen und ein Kostüm aussuchen. Maximal sechs Einsätze pro Monat sind möglich, wegen der psychischen Belastung. «Ich habe damit zwar keine Probleme, akzeptiere aber natürlich die Vorgabe», sagt Kaltenrieder. Auf den Beruf kam sie durch einen schulmedizinischen Film: «Da habe ich einen Spitalclown gesehen und fand, dass dies genau mein Beruf wäre. Es ist extrem abwechslungsreich, macht Spass und ist einfach wunderschön.»

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