Sarah hätte leben wollen. Hätte gerne nach Amerika gehen und die Liebe erfahren wollen. Doch sie starb an Leukämie, noch bevor sie 18 Jahre alt war.

Es ist eine Geschichte, die sich in der Nähe von Luzern ereignete. Sarah ging am 1. März 2011 von dieser Welt. Kurz zuvor sagte sie: «Ich mag nicht mehr.» «Stirb wenn Du möchtest», sagte Mami zu ihr. Sie, Papi, die kleine Schwester Jasmine, Sarahs Freund und die beste Freundin stehen am Bett und halten sich an den Händen.

Eine Gruppe Theaterschaffende aus dem Aargau hat sich im Rahmen des Nachwuchsförderprojekts First Steps/AG der Tuchlaube mit Sarahs Leben und Sterben auseinandergesetzt. Die Vorlage dafür lieferte der Journalist Erwin Koch: Er schrieb die Geschichte Sarahs auf und veröffentlichte diese in der ersten Ausgabe des Magazins «Reportagen» im Oktober 2011. «Wir mussten alle weinen, als wir sie lasen», sagt Alexa Gruber, die im Theaterstück Regie führt. «Mit Fingerspitzengefühl schreibt Koch über die Tragödie, wie ein junges Mädchen stirbt und wie ihre Familie damit umgeht.» Aber er erzählt auch von den schönen, feinen Dingen in Alltag der Familie.

Szene aus dem Stück "Sarah" in der Tuchlaube

Szene aus dem Stück "Sarah"

Ein Stück mit zwei Spielerinnen

Die Proben für «Sarah» sind intensiv, gehen an die Nieren. In einer Pause greifen die Theaterleute gerne zu selbst gebackenen Nervenguetzli und Kaffee. «Der Autor verfasste die Geschichte nüchtern, chronologisch und sehr genau», sagt Alexa Gruber. Dadurch entstand eine emotionale Dichte, die auf der Bühne nicht verloren gehen sollte. «Uns war es wichtig, Sarahs Geschichte nicht auszuschmücken, sondern sie wahr zu spielen.»

So ist das Bühnenbild kahl, lediglich mit einer Wand weissem und einigem gelbem Papier ausgeschmückt. Ein Blatt für eine Begebenheit in Sahras Leben. Während der Aufführung sind bloss zwei Schauspielerinnen zu sehen: Anna Blumer und Sabina Reich. Rasant, im fliegenden Wechsel übernehmen sie ihre Rollen: Mal sind sie Erzählerinnen, mal die Hauptfigur Sarah, mal ihre leidende Schwester Jasmin, mal ihre hoffende Mutter, dann ihr leidender Vater. Dieses Rollenspiel habe etwas Befreiendes an sich und schaffe Distanz zu den Personen, finden die Schauspielerinnen «Die Geschichte von Sarah geht uns nahe. Doch müssen wir unsere Arbeit auf der Bühne gut erledigen.»

Die heutige Premiere zu Sarahs Geschichte ist ausgebucht. Im Publikum befinden sich auch Sarahs Eltern. Sie werden die letzten Jahre mit Sarah nochmals erleben. Werden weinen, aber auch lachen: Denn die schweren Augenblicke wurden erhellt durch lustige, humorvolle.

«Sarah» FR/SA 22. und 23. Januar, 20.15 Uhr. Nach der Vorstellung am Freitag findet ein Publikumsgespräch mit der Krebsliga Aarau statt, am Samstag steht der Autor Erwin Koch für ein Gespräch zur Verfügung.