Dass eine Gruppe von Patienten auf der Barmelweid unter der Aufsicht der Therapeutin einen Spaziergang macht, ist normal. Dass die Patienten gelegentlich von vier flauschigen, neugierig ihre langen Hälse reckenden Alpakas begleitet werden, sorgt hingegen für erstaunte Blicke.

Tiergestützte Therapie, so lautet der Fachausdruck dafür. Verschiedenste Krankheitsbilder – von Demenz über Essstörungen bis hin zu Suchterkrankungen – werden dadurch angegangen. Berit Winkler, stellvertretende Leiterin der Ergotherapie der Klinik Barmelweid, erklärt: «Durch ihre ruhige und geduldige Art verkraften die Alpakas viel Stress und sind hervorragend geeignet zur Arbeit mit Leuten, die unter hoher Anspannung leiden. Sie sind neugierige Tiere und schenken den Menschen, völlig unvoreingenommen und ohne zu werten, ihre Aufmerksamkeit. Das ist extrem wichtig für die Therapie der Patienten.»

Die Therapie mit den Alpakas sei auch eine Ablenkung von Schmerzen und Emotionen. Die ursprünglich aus Südamerika stammenden Tiere sind auch heute noch in der Schweiz ein eher seltener Anblick. «Viele Patienten haben noch keine Erfahrungen mit Alpakas, egal ob positiv oder negativ. Das ist ein weiterer Vorteil dieser Tiere», so Winkler.

Der Spaziergang mit den Alpakas wird entsprechend der Anzahl und Art der Patienten angepasst. Durchschnittlich nehmen 2 bis 6 Leute an einem solchen Ausflug teil. Dabei können verschiedene Übungen gemacht werden. Zum Beispiel müssen die Patienten als Gruppe zusammen die vier Alpakas ohne Halfter von der Wiese in den Stall bringen. «Das trainiert Geduld, schafft zwischenmenschliches Gespür und stärkt den Selbstwert der Patienten», sagt Winkler.

Das Vorgehen zu Beginn der Alpaka-Therapie ist immer dasselbe: Die Therapeutin holt zuerst die Tiere von der Weide und bringt sie in den Stall. Dort wird den teilnehmenden Patienten erklärt, wie man mit den Tieren umgeht: Die Tiere sind keine domestizierten Streicheltiere. Wenn ein Alpaka dem Kontakt ausweicht, dann soll dies auch respektiert werden.

Zurzeit «arbeiten» auf der Barmelweid vier Alpakas. Obwohl die Alpaka-Therapie bei den Patienten äusserst beliebt ist, ist derzeit keine Vergrösserung der Herde vorgesehen. Frans Hollander, Leiter medizinische und therapeutische Dienste, sagt: «Nach der Erweiterung der psychosomatischen Abteilung vergrössern wir vielleicht auch die Alpaka-Herde.» Die wolligen Tiere sind nicht nur bei den Patienten beliebt, auch von den Therapeuten werden sie geschätzt: «Man kann sich immer auf die Alpakas als Partner verlassen», schwärmt Winkler.

Den Patienten wird die tiergestützte Therapie natürlich nicht aufgezwungen. «Bei der Aufnahme in die therapeutische Behandlung werden die Patienten nach ihren Vorlieben und Ängsten befragt. Entsprechend ihren Angaben werden sie dann auch in die verschiedenen Therapie-Sitzungen eingeteilt», erklärt Frans Hollander.

Wird über Alpakas (oder ihre Artverwandten, die Lamas) geredet, kommt unweigerlich das Thema Spuckattacke auf. Doch Berit Winkler winkt ab und erklärt: «Alpakas spucken sich eigentlich nur gegenseitig an. Dabei geht es prinzipiell um die Durchsetzung der Hierarchie in der Herde. Und sowieso ist eine Spuckattacke völlig harmlos.»