Aarau

Auf der Bahnhofstrasse rollte das «Bähnli» heran: Neujahrsblätter erzählen Bahn-Geschichten

Die Bahnen nach Menziken und Schöftland hielten einst auf der Bahnhofstrasse.

Die Bahnen nach Menziken und Schöftland hielten einst auf der Bahnhofstrasse.

Die Aarauer Neujahrsblätter 2020 widmen sich dem Schwerpunkt «Nächster Halt Aarau». Die Vergangenheit spielt in diesen druckfrischen Blättern eine grosse Rolle. Aber längst nicht nur.

Das müssen merkwürdige Minuten gewesen sein. Damals, im September 1898, am Bahnhof Aarau. Es war nichts Ungewöhnliches, dass die Züge hier ihre Lokomotiven wechselten. Ungewöhnlich aber war diesmal die Fracht. Es war der Zug, der die sterblichen Überreste der in Genf ermordeten Kaiserin Sisi zurück nach Wien brachte. Und die Aarauer nutzten diese Möglichkeit, der Habsburgischen Kaiserin die letzte Ehre zu erweisen. In Scharen kamen sie daher, standen lautlos an den Gleisen, während die Kirchenglocken läuteten.

Eine Geschichte, die wohl viele Aarauer nicht kennen - oder längst vergessen haben. So wie die über 40-jährige Entstehungsgeschichte der Wynentalbahn, die 1904 erstmals fuhr; drei Jahre nach der ersten Aarau-Schöftland-Bahn, kurz AS. Letztere fuhr damals noch via Bahnhofstrasse und Aargauerplatz in Richtung Entfelden. Oder wie die Geschichte vom «Buffet»-Wirt, der auf dem Bahnhofplatz sein Gemüse anpflanzte. Bestimmt viele können sich aber noch an die Ära Pauli im besagten Buffet erinnern. Oder an den Zeitungsverkäufer «Guggugg». Oder ganz einfach an den alten Bahnhof mitsamt der grossen Bahnhofsuhr?

In einem Jahr wird der Eppenbergtunnel eröffnet

Es sind abertausende Geschichten, die der Bahnhof Aarau erzählen kann. Gute wie schlechte, traurige wie fröhliche, nebensächliche wie spektakuläre. Einer Auswahl solcher Geschichten widmen sich die Aarauer Neujahrsblätter 2020. Natürlich nicht ohne Grund, wie Martin Tschannen, Präsident der Redaktionskommission, an der Vernissage am Freitagabend in Erinnerung rief: 2020 wird der Eppenbergtunnel eröffnet; der Flaschenhals zwischen Aarau und Olten verschwindet.

Die Vergangenheit spielt in diesen druckfrischen Blättern eine grosse Rolle. Aber längst nicht nur. Thema sind auch städtebaulichen Visionen rund um den Bahnhof, die Wagenwerkstatt Aarau des Vereins Furka-Dampfbahn (siehe Video unten) und der Eisenbahn-Modellbau-Club. Vorgestellt werden auch Anwohner oder der letzte Bahnhofvorstand, dazu gibt es eine Einführung in das Entwickeln eines Fahrplans und die Entstehungsgeschichte von Roman Signers Installation «Durchzug».

In Handarbeit und mit viel Liebe fürs Detail: So werden in der Wagenwerkstatt Aarau Waggons der Furkabahn restauriert

In Handarbeit und mit viel Liebe fürs Detail: So werden in der Wagenwerkstatt Aarau Waggons der Furkabahn restauriert

Jährlich leisten Freiwillige viele Stunden im Frondienst, um das historische Kulturgut der Furka-Bergstrecken-Dampfbahn für die Nachwelt zu erhalten.

Platz findet auch anderes: So werden beispielsweise Komponist Michael Schneider und Architekt Emil Aeschbach gewürdigt. Und natürlich auch die Firma Kern, die vor 200 Jahren gegründet wurde.

Die Aarauer Neujahrsblätter 2020 sind eine schöne Zusammenstellung von Alt und Neu, von fast Vergessenem und Brandaktuellem, ein Fundus für Schmankerl, eine Sammlung von Informationen. Was besonders ins Auge sticht: die Fotostrecke von Luis Hartl. Nicht die immergleichen, lieblichen Stadtansichten, sondern echte, lebendige Momentaufnahmen. Etwas, das bei der Vernissage nicht nur Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker lobend erwähnte.

Die nun gefeierte Vernissage stelle nur einen Zwischenhalt dar, so Tschannen. Die Arbeit für die Neujahrsblätter 2021 laufen bereits. Das Thema: Frau. Zu 50 Jahre Frauenstimmrecht.

So sah Aarau früher aus: 33 Bilder aus der Vergangenheit

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