Aarau
Auf den Spuren von Bestatter Conrad: Die Tunnelszenen sind in Flums gedreht

Auf der Bestatter-Führung in Aarau erfährt man die Geheimnisse der TV-Serie: Zumindest die Treppe, über welche die Schauspieler Mike Müller und Barbara Terpoorten in das Tunnelsystem gestiegen sind, war der original Meyersche Stollen.

Katja Schlegel
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In Aarau gibt es einen «Der Bestatter»-Rundgang, der die Drehorte der Serie mit Mike Müller besucht. Geführt von Stadtführerin Carolina Fierz Brack.
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Auf den Spuren von Bestatter Conrad
Ömer von Ömer's Imbiss, der auch einen kleinen Auftritt beim Bestatter hatte.

In Aarau gibt es einen «Der Bestatter»-Rundgang, der die Drehorte der Serie mit Mike Müller besucht. Geführt von Stadtführerin Carolina Fierz Brack.

Chris Iseli

Wimmernd wirft sich die Frau im Blumenkleid gegen eine Lifttür, fleht, schreit, hämmert gegen Tür und Knopf. Hinter ihr im Halbdunkeln, da ist jemand. Ein Mann im weissen Kittel, auf der linken Brust klebt das Blut, das er ausgespuckt hat, nachdem ihm die Frau ein Tablett an den Kopf geschmettert hat und geflohen ist. Und all das ist im Aarauer Untergrund passiert, irgendwo unter dem Kasernenareal, im Tunnelsystem hinter einer geheimen Tür im Keller des Hotels Adria. Direkt unter unseren Füssen. Schaudern tut der Gedanke an die gejagte Frau im Blumenkleid trotzdem keinen.

Über 50 Besucher an der Premiere

Aufgrund der grossen Nachfrage – über 50 Leute waren am Dienstagabend bei der Premiere mit dabei – hat aarau info bereits ein Datum für eine weitere Bestatter-Führung festgelegt: Am Dienstag, 2. September, besucht die nächste Gruppe die Aarauer Drehorte. (ksc)

Es ist Dienstagabend, Krimiabend, Bestatterabend, der Abend der allerersten Bestatter-Führung von aarau info. Nach der ersten Station im Stadthaus mit Blick auf die Kettenbrücke und in die Halde, dem Halt in der Vorderen Vorstadt, bei der Hirslandenklinik und auf dem Friedhof Rosengarten steht die Gruppe vor dem Sorell-Hotel Argovia an der Kasernenstrasse. Und damit an dem Ort, an dem die junge Frau in Staffel 2 als Lockvogel in den Keller steigt, um die Organhändler zu überführen – und in der geschilderten Szene um ihr Leben rennt, weil die Polizei geschlampt hat. Nur gut, dass Bestatter Luc Conrad (Mike Müller) als ehemaliger Polizist das Mausen nicht lassen kann und die Sache in die Hand nimmt.

Ungereimtheiten – na und?

Passiert ist das alles natürlich nicht echt, und schon gar nicht hier. Gefilmt wurden beim Hotel Argovia nur die Aussenaufnahmen; wie Lockvogel Eva Ciobanu ins Hotel schleicht, wie Hauptkommissarin Anna-Maria Giovanoli (Barbara Terpoorten) und Bundespolizist Pedro Lambert (Carlos Leal) sich darum streiten, ob denn nun zugegriffen werden soll oder nicht.

Das Hotelinnere im Film hat jedoch überhaupt nichts mit der Aarauer Hotel-Realität zu tun. Da steht keine rauchende Empfangsdame im Tigertop im düsteren Foyer. Lockvogel Eva ist auch nicht hier mit dem Lift in den Keller hinunter zum dubiosen Arzt gefahren – im Hotel gebe es noch nicht einmal einen Lift, sagt Stadtführerin Carolina Fierz, die gemeinsam mit Susi Böss die Bestatter-Führung ausgearbeitet hat. «Und auch die Tunnelszenen sind nicht etwa in den Meyerschen Stollen gedreht worden, sondern in einem Versuchsstollen in Flums», so Fierz weiter. So ist das – und doch nicht ganz: Zumindest die Treppe, über die Conrad und Giovanoli in das Tunnelsystem steigen, sei original Meyersche Stollen, wird Béatrice Eglin, die die Drehorte für das SRF ausgesucht hat und die Bestatter-Führung begleitet, später sagen.

Das mit den Stollen, das ist den Aarauern schon lange klar. Viel zu breit sind die Tunnels im Film. Und auch sonst gibt es ein paar kleine, feine Ungereimtheiten: Der Mann beispielsweise, der in der ersten Staffel von der Kettenbrücke springt und scheinbar beim flussaufwärts liegenden Vogelinseli angespült wird. Oder Luc Conrad, der im Spieleladen «Spielstatt» an der Vorderen Vorstadt einen Ball kauft, obwohl es da eigentlich nur Brett- und Kartenspiele und keine Bälle zu kaufen gibt. Die Stadtführerinnen Fierz und Böss haben ein halbes Jahr lang für diese Führung recherchiert und die Erklärungen parat: Das vermeintliche Vogelinseli ist eine Insel im Stroppelareal in Untersiggenthal und den Korb mit den Bällen hat die Filmcrew vor den Laden gestellt.

Das sei ganz normal, sagt Fierz: «Die Filmcrew bringt alles selber mit.» Selbst den Sarg für die Szene im Krematorium Rosengarten oder das Essen für die Szene im Restaurant Halde. «Die Filmcrew hat ihre eigene Küche immer mit dabei», plaudert Fierz aus dem Nähkästchen. «Der Wirt musste einzig das Geschirr zur Verfügung stellen.» Wurst und Hamburger beim Imbissbude von Akyüz Ömer am Graben hingegen, die hatten zuvor auf Ömers Grill gelegen. Die Schauspieler hätten dafür sogar selber bezahl, inklusive eines guten Trinkgelds, erzählt Ömer noch heute gerne.

Ob echt oder nicht, ob drinnen auch Aarau steckt oder nur die Fassade Aarau ist – den Aarauern ist das egal. Sie haben Freude daran, dass der «Bestatter» in ihrer Stadt gedreht wird, dass ihre Stadt im Fernsehen von Hunderttausenden gesehen wird. Vermutlich seien die Aarauer auch die einzigen, die sich freuen, wenn der Leichenwagen durch die Altstadt kurvt, flüstert einer in der Gruppe. Recht hat er.

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