Aarau
Auf den Schlauch gekommen: Firma Heizmann feiert ihr 100-jähriges Bestehen

An diesem Wochenende feiert der Spezialist für Schlauchtechnik, Hydraulik und Antriebstechnik sein 100-jähriges Bestehen – unter anderem mit einem Tag der offenen Tür.

Urs Helbling
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Foto: Colin Frei / Aargauer Zeit

Kaum ein Unternehmen in Aarau hat sich derart oft, derart grundlegend gewandelt wie Heizmann in der Telli. Was als Firma für Autozubehör begann und im Zweiten Weltkrieg Veloteile verkaufte, feiert an diesem Wochenende als Spezialist für Schlauchtechnik, Hydraulik und Antriebstechnik sein 100-jähriges Bestehen – unter anderem mit einem Tag der offenen Tür am kommenden Samstag.

Letztes Jahr erwirtschaftete Heizmann mit 105 Angestellten (darunter sieben Lehrlinge in vier Berufen) einen Umsatz von 28,8 Millionen Franken. Das Unternehmen wird seit 2003 von Karin Streit-Heizmann geführt. Im März wurde ihr Cousin Robin Heizmann zum neuen Verwaltungsratspräsidenten gewählt.

«Wir investieren viel»

«Wir sind ein klassisches KMU», erklärt CEO Karin Streit-Heizmann. Man wolle nicht die Grössten sein, sondern «einfach gut». Getreu dem Firmenmotto «Heizmann – weil’s einfach klappt!». Karin Streit-Heizmann betont weiter: «Wir sind ein Familienbetrieb – und das soll so bleiben.»

Konkret: «Wir investieren viel in Personal, Prozesse, Infrastruktur, um für die Zukunft mit veränderten Anforderungen an unser Sortiment und unsere Dienstleistungen gerüstet zu sein und neue Perspektiven für künftige Generationen von Kunden zu schaffen.» Zuletzt hat man ein Warehouse-Management-System (WMS) eingeführt – ein Quantensprung in der Logistik.

Was das Wachstum anbetrifft, ist Heizmann im Moment in einer Konsolidierungsphase. «Wir haben in den letzten 15 Jahren den Umsatz fast verdoppelt», erklärt Karin Streit-Heizmann. Die Konsolidierungsphase hat auch damit zu tun, dass der Expansion aus räumlichen Gründen Grenzen gesetzt sind. Das Unternehmen ist Ende der Sechzigerjahre in die Telli gezügelt – auf ein Grundstück, das im Baurecht von den Ortsbürgern übernommen werden konnte.

«Immer im Ersatzteilgeschäft»

Was ist der rote Faden in der Geschichte der Firma Heizmann? «Wir waren immer im Ersatzteilgeschäft tätig», erklärt Karin Streit-Heizmann. «Wir hatten immer die Rolle des Händlers – nur die Produkte haben sich geändert.» Zum roten Faden gehört aber auch ein gutes Gespür dafür, wann aus Renditegründen ein Wechsel notwendig ist.

Zuletzt die Aufgabe des Geschäfts mit den Autoprodukten in den neunziger Jahren und die Aufgabe der Werkzeugsparte (2007). Das Autogeschäft war die Keimzelle des Unternehmens. Der Deutsche Richard Filsinger hat es 1919 in Luzern gegründet. 1921 erfolgte der Umzug nach Aarau. 1939 trat Georg Heizmann, der Grossvater von Karin Streit-Heizmann, in die Firma ein. Seit 1962 ist sie unter dem Namen Heizmann AG am Markt.

Hydraulikschläuche mit Armaturen

Heute ist das Unternehmen im technischen Grosshandel tätig. Die Produkte stammen mehrheitlich aus dem EU-Raum. Geliefert wird von Aarau aus an 125 Vertragshändler in der Schweiz. «Wir haben in der Schweiz das grösste Netz an sogenannten H-POWER Sofort-Schlauch-Servicestellen», erklärt Karin Streit-Heizmann. «Mit diesem Netz bieten wir einen 24-Stunden-Service – damit etwa der Mähdrescher nach einem Hydraulikschlauch-Defekt möglichst wenig lange auf dem Weizenfeld stehen bleibt.»

Bei Heimann arbeiten die meisten Leute im Verkauf und in der Logistik. Die Firma betreibt aber auch eine Werkstatt mit zehn Angestellten. Da werden Armaturen hergestellt, Rohre gebogen und vor allem Schläuche konfektioniert. Ein Teil des Know-hows von Heizmann besteht in dieser Konfektion. «Unser wichtigstes Produkt ist der konfektionierte Hydraulikschlauch mit Armaturen», erklärt Karin Streit-Heizmann, «gefolgt vom technischen Schlauch. Der Unterschied besteht im Druck: Wenn beim hydraulischen Schlauch etwas kaputt geht, wird es gefährlich, beim technischen Schlauch nur schmutzig.»

Schlauch wird sich selber melden

Eine Zukunftsparte von Heizmann könnte die Fluid-Technik sein. Durch eine Akquisition vor elf Jahren hat man das Portfolio um die Mobilhydraulik erweitert. Man liefert nicht mehr nur Schläuche mit Armaturen, sondern etwa auch Zylinder für Hebevorrichtungen. Nicht zuletzt ist die Digitalisierung ein Thema: «Die Zeit wird kommen, wo auch der Schlauch ‹smart› wird und sich meldet, wenn er ersetzt werden muss», ergänzt Karin Streit-Heizmann.

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