Mit einem grossen Knall flog für die Fernsehserie «der Bestatter» das Rebhüsli der Weinbaufamilie Wehrli in Küttigen vorletzten Sommer in die Luft. Jetzt steht das neue Häuschen mitten in den schönen Rebbergen am Jura-Südhang. Sanfter verläuft im Hintergrund trotz der normalen Differenzen eine Ablösung durch die junge Generation, die weiterhin auf Spitzenqualität setzen will.

«Mit 500 Litern haben wir 1980 begonnen, jetzt sind daraus bis zu 150 000 Liter Wein geworden, die in 80 Stahltanks und 62 Barrique-Fässern lagern», umschreibt Peter Wehrli die Erfolgsgeschichte. In sechs Gemeinden besitzen die Wehrlis selber Reben, aus zehn Gemeinden stammen die Trauben für die Lohnkelterung.

«Wir sind ein Familienbetrieb», sagt Susi Steiger-Wehrli, um sofort klarzustellen, dass nicht sie allein künftig den Ton angeben kann und will. Durch ihre Ausbildung zur Winzerin, mit Wanderjahren in der Bündner Herrschaft, in Frankreich und Australien steht die innovative Frau oft im medialen Zentrum.

Mit der Heirat 2012 kam Franz Steiger in den Betrieb, der als Küchenchef den guten Ruf des Hotels Hirschen in Erlinsbach jahrelang mitprägte und sich danach zum Winzer ausbilden liess.

Das optimale Zusammenspiel von Essen und Wein sowie die Verbindung des Schwiegersohns zur Gastronomie sind für das Küttiger Unternehmen ebenfalls sehr wertvoll. In der Rolle als mechanischer und technischer Kaufmann wird Susis Zwillingsbruder Rolf diesen wichtigen Bereich managen.

Ein Winzer mit viel Herzblut

Mit viel Herzblut ist der 60-jährige Peter Wehrli Weinbauer und Winzer und wird auch weiterhin in den Rebbergen tätig sein. «Durch meine Ämter bin ich oft unterwegs und die Hälfte der Zeit nicht da», betont Wehrli. Er ist Präsident im Branchenverband Aargauer Wein, im Vorstand der Deutschschweizer Organisation und im EU-Oberrheinrat.

Zudem politisiert er für die SVP-Fraktion im Grossen Rat – und sorgt dafür, dass kein grosses Fest ohne Aargauer Wein über die Bühne geht. Die starke Frau hinter dem starken Mann ist Marlise Wehrli, ein ruhender Pool in einem Bienenhaus.

Für neuen Betrieb sorgen auch die Enkelkinder Lynn und Noah, zweieinhalb und ein halbes Jahr alt. «Kürzertreten», heisst der sehnlichste Wunsch von Marlise und Peter Wehrli nach der ständig gewachsenen Belastung. Wichtig ist ihnen aber ein fliessender Übergang in den nächsten Jahren.

Wenn drei Familien künftig vom Ertrag leben müssen, wäre ein moderates Wachstum ideal. Angestrebt wird es durch eine Melioration, die den Wehrlis bis zu zwei zusätzliche Hektaren Rebland an idealer Lage in Küttigen bringen soll. «Aber die Qualität hat Vorrang vor dem Wachstum», wirft der Seniorchef sofort ein.

Und die Jungen stimmen ihm hundertprozentig zu, denn dank zielstrebiger Arbeit und viel Können finden die Wehrli-Weine auch in Fachkreisen Lob und Anerkennung.

«Dass im Aargauer Hügelland ein solch kraftvoller Malbec reifen kann, ist echt überraschend», steht in der Vinum-Schrift. «Die 100 besten Weingüter der Schweiz». Nur drei Aargauer Betriebe sind darin aufgeführt, Wehrlis inbegriffen.

Aus fast einem Dutzend Traubensorten keltern die Wehrlis rund 30 verschiedene Weine, die zur Hälfte via Gastronomie zur Kundschaft kommen. Die Traubensorten dürften künftig eher abnehmen, aber der Merlot wird ausgebaut, lautet die Absicht der Weinmacher.

Junge innovative Winzer

Trotz immer mehr Konkurrenz durch Billigweine aus der halben Welt ist die neue Generation in Küttigen zuversichtlich. Denn immer mehr Konsumenten schätzten regionale Produkte und deren Bedeutung für Kultur und Landschaft. «Zudem trinken viele junge Leute wieder einheimischen Wein», freut sich Susi Steiger-Wehrli.

Das hat auch mit ihrer Überzeugungskraft zu tun: Denn sie ist Mitbegründerin und Vizepräsidentin des Vereins «Junge Schweiz – neue Winzer», die auf Innovation setzen. «Wir treffen uns einmal im Monat, bringen Jungweine mit, diskutieren, um die Qualität gemeinsam zu verbessern», sagt die kompetente Fachfrau.

Neben den Ostschweizer Kantonen gebe es jetzt auch Sektionen im Wallis, in der Waadt und im Tessin. Weil heute zwei Drittel der getrunkenen Weine importiert werden, gebe es für die einheimischen Tropfen durchaus Potenzial nach oben. Wenn die Qualität stimme.