Aarau
Auf den Britischen Inseln mit der Stadtmusik

Nötig wäre es nicht gewesen, dass das Wetter die Zuhörer schon vor dem Konzert auf den Slogan der Stadtmusik Aarau – «Very British»– einstimmte. Doch dann brachten die Musiker Wärme und Glanz in den Saal.

Jürg Nyffenegger
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Dirigent Herbert Wendel verabschiedet sich mit diesem Konzert.

Dirigent Herbert Wendel verabschiedet sich mit diesem Konzert.

Bruno Kuhn

Für einmal ging der Landeswechsel im Kultur- und Kongresshaus Aarau ganz ohne politisches Gepolter über die Bühne. Es handelte sich an diesem Abend ja auch um eine (allerdings zeitlich begrenzte) Auswanderung. Das Programm enthielt ausschliesslich Musik, die auf den britischen Inseln entstanden ist, und diese ist keineswegs kühl oder distanziert.

Auf dem Weg nach England gab es einen Zwischenhalt in Belgien. Zum Auftakt dirigierte Herbert Wendel ein Stück des Belgiers Jan Van der Roost; dieser hatte «Arsenal» zum 50. Geburtstag des Eisenbahn-Museums im belgischen Mechelen komponiert. Dann aber kam das 70-köpfige Blasorchester in England an und eroberte mit der dreiteiligen «English Folk Song-Suite» von Ralph Vaughan Williams aus dem Jahr 1923 endgültig die Herzen des Publikums. Die Stadtmusik spielte hoch konzentriert, überraschte mit sicheren Soli im «Intermezzo» und gab den beiden Ecksätzen viel Farbe.

In einem «englischen» Programm darf auch Philip Sparke nicht fehlen. Er ist bekannt für höchst anspruchsvolle Blasmusikkompositionen, und zu denen gehört die «Hymn of the Highlands», eine dreisätzige, 2003 uraufgeführte Tonmalerei, die mit einem Solo der Pauken, der Klarinette und des Fagotts beginnt. An der nahezu perfekten Interpretation hätte der 63-jährige Komponist seine helle Freude gehabt!

Unermüdlicher Bruno Bolliger

Mit britischen Seemannsliedern, vom holländischen Dirigenten und Klarinettisten Gert Buitenhuis für Harmoniemusik bearbeitet, ging der erste Konzertteil brillant zu Ende – nicht ganz.Was wären die Tambouren der Stadtmusik Aarau ohne Bruno Bolliger? Unermüdlich, seit vielen Jahren (wofür er explizit geehrt wurde) und technisch perfekt führt er die kleine Gruppe.

Bevor das Publikum in die Pause entlassen wurde, setzten die drei Tambouren, zum Teil ergänzt durch die Schlagzeuggruppe des Orchesters, markante Rhythmen in den Saal, etwas laut zwar, aber gekonnt und technisch sicher.

Glänzendes Posaunisten-Solo

Nach der Pause mit Tombola, Festwirtschaft und freundschaftlichem Small Talk folgten Melodien aus dem Fundus der legendären Beatles. Kein Geringerer als der Holländer Johan de Meij hat sie arrangiert – so gut, dass diese Musik auch jene begeistert, die sonst mit den Beatles nicht viel anfangen können. Dasselbe gilt für die beiden Bearbeitungen von Stücken der berühmten Band «Queen», die zwanzig Jahre lang in ein- und derselben Besetzung aufgetreten ist.

Die Stadtmusik blieb diesen schwierigen Stücken nichts schuldig, weder in der Gestaltung, noch in der Intonation und dem Rhythmus. Zwischen «Queen» schob der Dirigent Derek Broadbents «Variations in Blue» ein, welchem drei Posaunisten mit einem Solo in professioneller Qualität höchsten Glanz verliehen.

Mit einer Parodie auf den glücklosen Agenten Johnny Englisch, einer musikalischen Nachzeichnung britischer Witze und zwei Zugaben (ein Tanz von Gustav Holst und ein traditioneller Marsch) endete ein Konzert, das noch lange nachklingen wird.

Bleibt zu erwähnen, dass Thomas Meienberg einmal mehr mit Charme und Witz durchs Programm führte und auch nicht vergass, die Leistungen des FC Aarau im «Brügglifeld» zu kommunizieren.

Ein Abschied

Mit diesem Konzert endete das erfolgreiche Gastspiel des Dirigenten Herbert Wendel. Dieser Abschied, betonte der Dirigent, erfolge keineswegs, weil er sich in Aarau nicht wohl gefühlt habe. Im Gegenteil, er habe nicht nur hohes musikalisches Können und Engagement vorgefunden, sondern Freundschaft und tiefe Menschlichkeit. Das fortschreitende Alter sage ihm indessen, dass er nicht eine weitere langfristige Verpflichtung annehmen wolle. Das Gala-Konzert war bester Beweis für die äusserst erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Dirigent und Stadtmusik. Der neue Dirigent soll laut Präsidentin Margrit Stüssi im Juni gewählt werden.

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