«Love me tender, love me sweet», auf vielseitigen Wunsch singt Heinz den Schmusesong von Elvis Presley ein zweites Mal und erhält dafür anerkennende Bravorufe. Heinz ist ein geübter Karaokesänger, seine Stimme geht unter die Haut. Doch nicht der perfekte Vortrag ist an diesem Freitagabend die Hauptsache, sondern der Spass.

Familiär trotz Profi-Technik

Seit rund 3 Jahren veranstalten Sandro Amatucci und Susi Tanner Karaokeabende. Zuerst im Restaurant Löwen in Gränichen, inzwischen im Schulhaus Feld in Suhr. Seit gut einem Jahr ergänzt René Erdenberger das Team. Sie haben viel in Licht- und Tonanlagen investiert, die Anlässe blieben jedoch weiterhin familiär.

Einmal pro Monat treffen sich die Karaokefans zum Singen. Einige sind bereits von Anfang an dabei, neue Gesangsfreudige dürfen jederzeit mitmachen. Auch Therese ist am Freitagabend zum ersten Mal dabei. Sie will jedoch erstmal nur zuhören. «Man muss nicht singen können», betonen Sandro und René. «Wir sind eine kleine Gruppe und es soll von Herzen kommen.»

Trotzdem haben sie für Anfänger ein paar Tipps, damit es besser tönt. «Traditionelle Lieder, zum Beispiel Gospels, sind meist einfach zu singen», erklärt René. Sandro ergänzt: «Man muss sich von den Stimmen der Interpreten lösen und seine eigene finden.»

Eine eigene, sehr soulige Stimme hat Petra. Sie ist schon lange dabei, auch ihre Töchter Timea und Anika, 13 und 14 Jahre alt, singen mit. Die drei eröffnen den Abend gemeinsam mit «Heaven» von Gotthard. «Man darf auch einmal einen Fehler machen», erklärt Petra. Die Stimmung ist gelöst, alle Vorträge bekommen Applaus, auch wenn es nicht immer einwandfrei tönt.

Für alle den richtigen Song

Sich für ein Lied zu entscheiden, fällt nicht einfach, das Programm «Karafun» bietet über 20 000 Titel. Anika und Timea lieben moderne Songs, Justin Bieber oder Rihanna. Monika hingegen hat Edith Piafs «Je ne regrette rien» gewählt. Auf der Leinwand erscheint der Songtext, was gerade gesungen werden sollte, wechselt die Farbe. Wer den Faden verliert, findet problemlos den Anschluss wieder.

Die regelmässigen Teilnehmer wechseln sich ab, im beschaulichen Rahmen kommen alle mehrmals an die Reihe. Auch die Neulinge juckt es mit der Zeit, Iris wagt sich als Erste ans Mikrophon: «Lemon Tree» von Fool’s Garden. Es klappt bestens, der Applaus macht Mut und kurz darauf meint sie: «Nun sage ich bereits: Ich darf nochmals singen, nicht: Ich muss.» Sogar die Schreibende getraut sich zu singen und macht dabei folgende Erfahrungen: Der Text geht leichter über die Lippen als befürchtet, von der Melodie hat sie keine Ahnung, aber es macht trotzdem Spass.