Der Coiffeursalon von Manuel Profico an der Bahnhofstrasse in Aarau fällt auf. Gehalten in Schwarz und Silber und mit vielen Schnörkeleien an den Möbeln. «Ich hab den ganzen Salon beim letzten Umbau im Barock Stil eingerichtet, für mich ist der Stil einzigartig und eine meiner Leidenschaften», erklärt der Coiffeur.

Am 1. Juni feiert Profico sein 25-Jahr-Jubiläum mit seinem «Intercoiffure Sansibar» in Aarau. Ursprünglich kommt der 53-Jährige jedoch nicht aus der Kantonshauptstadt, sondern aus dem Bündnerland. «Aufgewachsen bin ich in Arosa, dort habe ich auch meine Ausbildung als Coiffeur absolviert.»

Nach seiner Lehre zog es Manuel Profico nach Zürich, dort arbeitete er während einigen Jahren als Coiffeur. Vollends erfüllte ihn die Arbeit jedoch nicht, er wagte zusammen mit seiner damaligen Partnerin den Schritt in die Selbstständigkeit. «Ich wollte ein Konzept, das für mich stimmt, um meine Kreativität in vollen Zügen ausleben zu können.»

Eigener Salon in Aarau

Im Jahr 1993 konnte das Paar einen Coiffeursalon in Aarau übernehmen. Den alten Salon bauten sie um und entwarfen ein komplett neues Konzept, in welchem im Gegensatz zum vorherigen Salon die Beratung des Kunden im Mittelpunkt steht. «Wir investierten viel Geld in Flyer, auf denen wir den Kunden unsere Philosophie näher brachten.»

Die beiden setzten dabei auf ausführliche Beratungen und rechneten mehr Zeit pro Kunde ein, als andere Salons. «Qualität über Quantität», wie Profico sagt. Die Investition hatte sich gelohnt, durch die Werbeaktion fanden viele Neukunden den Weg in den frisch eröffneten Coiffeurladen. Einige der Kunden des vorherigen Geschäftes wanderten ab, was Profico gut verstehen kann. «Der vorherige Salon war anders als unserer, für viele hat es dann nicht mehr gestimmt. Man braucht Vertrauen in seinen Coiffeur.»

Nach zehnjährigem Bestehen des Salons trennten sich Manuel Profico und seine Partnerin. Seit diesem Zeitpunkt führt er das Geschäft im Alleingang. Seine Philosophie hat sich in all den Jahren nicht verändert. «Man muss immer wieder einen Schritt weitergehen und kann sich nicht nur auf seiner Erfahrung ausruhen.» Er bilde sich daher regelmässig weiter: «Letztes Jahr war ich zwei Tage in London an einer Akademie, dieses Jahr geht es nach Mailand. An diesen Akademien sieht man Mode, Fotografie und Make-up, für mich jedes Mal eine riesige Inspiration.»

Für ihn seien drei Punkte wichtig: «Der Glaube an mich selbst, der Glauben an meinen Job und die Leidenschaft.» Anstrengende Kunden gebe es eigentlich nicht. «Meiner Meinung nach muss man Menschen lieben, wenn man als Coiffeur arbeiten möchte», sagt Profico lachend. «Klar ist es schwierig, wenn eine Kundin mit grünen Haaren in den Salon kommt, weil sie zu Hause selbst blondiert hat. Dann ist es aber umso wichtiger, dass man aufklärt und nicht belehrt.»

«Ich mache keine Haare kaputt»

In einem Punkt ist der 53-Jährige jedoch strikt: «Ich mache keine Haare kaputt. Wenn jemand mit beschädigten Haaren in den Salon kommt und noch eine Blondierung möchte, lehne ich das ab. Das Haar muss dann zuerst wieder aufgebaut werden, bevor man eine weiter Blondierung macht.»

Mit dem berühmt-berüchtigten Kunden, der nicht weiss, was er möchte, habe er weniger Probleme. «Ich biete ja hier nicht nur den Schnitt und die Färbung an, sondern auch die gesamte Beratung.» Das Einzige, was seinen Puls manchmal ein wenig in die Höhe treibe, seien die Kunden, die sich während des Schnittes plötzlich umentscheiden. «Das bringt einem dann gelinde gesagt schon an die Grenzen seiner Kreativität», erklärt der 53-Jährige.

Obwohl Manuel Profico schon über 30 Jahre als Coiffeur arbeitet, hat er noch lange nicht genug. «Mein Beruf ist für mich pure Leidenschaft, ich hoffe, dass ich noch bis ins hohe Alter als Coiffeur arbeiten kann.»