Der Pont Neuf kann kommen: Nach dem gelungenen Umbau des Hotels Kettenbrücke südlich der Aare hat sich nun auch der nördliche Brückenkopf herausgeputzt. Die Mehrfamilienhäuser an der Küttigerstrasse haben auf der Westseite eine auffällige Fassadengestaltung erhalten und verfügen jetzt stilgerecht über «französische» Balkone. Die «Atzli-Häuser» verdanken ihren Namen dem damals blutjungen Bauunternehmer Josef Atzli aus Olten, der zu Beginn des Zweiten Weltkriegs das Risiko wagte, an dieser Stelle drei Mietshäuser aufzustellen. Als Architekten konnte Atzli das renommierte Aarauer Büro Richner + Anliker für sich gewinnen.

Zwischen 1940 und 1942 entstand als Pioniertat am nördlichen Zugang zur Kettenbrücke günstiger Wohnraum, der über einen hochwertigen Ausbaustandard verfügte und deshalb sehr gefragt war. Anfangs gehörten zu den Häusern an der Küttiger- und an der Aarestrasse sogar schmucke Vorgärten, die allerdings 1949 mit dem Neubau der Aarebrücke und der nötigen Strassenverbreiterung bereits wieder geopfert wurden.

Statik der Balkone war Problem

Offenbar musste in den Kriegsjahren beim Bau vor allem am knapper werdenden Armierungseisen gespart werden. Mit Spätfolgen: Vor zwei Jahren wurde die Hausverwaltung mit der Tatsache konfrontiert, «dass der statische Nachweis sämtlicher Balkone nicht mehr erbracht werden konnte», erklärt der federführende Aarauer Architekt Andreas Marti den Grund für die eben abgeschlossene Sanierung, die rund 2 Millionen Franken gekostet hat.

Weil man massive Eingriffe in das Innere der 30 Wohnungen vermeiden und den finanziellen Aufwand in Grenzen halten wollte, verzichtete die Bauherrschaft schliesslich auf die Sanierung der baufälligen Balkone und liess diese entfernen. Stattdessen erlauben nun «französische» Balkone, von der Art her durchaus passend zum Pont Neuf, mit reduzierter Tiefe einen Blick gegen die Aare.

Anklänge an den «Landi-Stuhl»

Auf der Ostseite hingegen konnten die Aussenflächen mit Stütztürmen stabilisiert und sogar erweitert werden. «Die Brüstungen sämtlicher Balkone sind mit ockerfarbig anodisierten Aluminiumfronten versehen», erklärt Marti den augenscheinlichen Effekt, der von der Strasse her sofort ins Auge sticht. Bei der Lochung als Dekor habe man sich nach einem Motiv aus der Bauzeit umgesehen und sei beim legendären «Landi-Stuhl» fündig geworden.

Die ursprünglichen Holz-Jalousien wurden im Laufe der letzten acht Monate durch Faltschiebeläden ersetzt. Zudem erhielten alle Fassaden eine Wärmedämmung nach heutigem Standard. «Bei der Materialisierung der von uns geplanten Eingriffe haben wir uns an weiteren Bauten der Architekten Richner und Anliker aus den 40er-Jahren orientiert», betont Andreas Marti. Man habe sich vor der Sanierung auch mit der kantonalen Denkmalpflege abgesprochen und grünes Licht erhalten.

Für die Bewohnerinnen und Bewohner der 30 Wohnungen war die Umbauzeit mit Unannehmlichkeiten verbunden. Allerdings ist trotz entsprechender Möglichkeit niemand ausgezogen, was beweist, dass die «Atzli-Häuser» nach wie vor gefragt sind.