Das Foto meiner Kinder auf dem Schreibtisch. Daneben die Büropflanze, die mir eine Freundin schenkte. Würde ich diese Dinge vermissen? Solche Fragen stellte ich mir, nachdem ich einen Bekannten zum Kaffee getroffen hatte. Er beschäftigt sich intensiv mit dem Wandel der Arbeitswelt. Das Büro soll nicht mehr nur Arbeitsort, sondern auch Ort der Begegnung sein. Keiner in der Firma hat einen fixen Arbeitsplatz, auch der Chef nicht. Abläufe und Akten werden digitalisiert, deshalb nehmen die klassischen Papierberge auf dem Bürotisch ab. Gleichzeitig gewinnen Teilzeit-, Team- und Projektarbeit an Bedeutung.

Das geht so: Wer ins Büro kommt, sucht sich einen freien Platz, loggt den PC ein und beginnt mit seinem Tagewerk. Austausch und Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen stehen im Zentrum. Das Büro ist weniger ein Ort für individuelles Arbeiten, mehr eine Förderstätte von Kommunikation und Kooperation.

Kürzlich wurde bekannt, dass ein Teil der Aarauer Verwaltung nicht ins stadteigene Gastro-Social-Haus ziehen werde, da die Umbaukosten für herkömmliche Büroeinheiten unverhältnismässig hoch seien. Wenn ich durch meine imaginäre «Brille der neuen Arbeitswelt» blicke, sehe ich, welch cooles Bürocenter dort entstehen könnte. Wie es daheim verschiedene Räume für unterschiedliche Zwecke und Bedürfnisse gibt, erwarten mich spezielle Bereiche für reine Büroarbeit, Begegnung, persönlichen Rückzug, Sitzungen, Technik, Regeneration und Konzentration.

Im Dachgeschoss tönt Musik aus der Tür, hinter der sich ein Fitnessraum verbirgt. Nebenan werden im Bistro gesunde Kleinigkeiten und gluschtige Mittagsmenüs angeboten. Hinzu kommt ein Hort für die Kinder der Mitarbeitenden. Im Parterre leuchtet das Schild des Wäscheservices, bei dem ich meine Blusen und Jupes gleichentags frisch gereinigt abholen kann, nebenan ist der hauseigene Coiffeursalon. Der Kiosk bietet ergänzend zum gängigen Sortiment Alltagsprodukte für daheim.

Eine Win-win-Situation ist entstanden. Die Mitarbeitenden bestimmen den Grad der Arbeitsflexibilität mit, Arbeit- und Privatleben verlaufen teilweise parallel. Die Stadt wird als Arbeitgeberin attraktiver, der Output effizienter, die Anzahl Arbeitsplätze tiefer.

Neue Arbeitsformen wirken sich ausgesprochen positiv auf den Erfolg aus, sagt eine Studie des Instituts für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen. Im Zeitalter des schnellen Wandels tut auch eine Stadt gut daran, derart sensitive Bereiche fundamental zu hinterfragen. Zürich und der Bund haben sich entschieden, in der Verwaltung neue Arbeitswelten einzuführen. Viele haben erkannt: Der Wandel ist nicht aufzuhalten – schlägt auch Aarau diesen Weg ein?