Für viele Schweizer ist Eritrea nicht viel mehr als eine grosse Zahl in der Asylstatistik. Mit 2563 Gesuchen führte das afrikanische Land diese 2013 wieder an. Mittlerweile leben rund 18 000 Eritreer in der Schweiz. In der Kriminalitätsstatistik tauchen sie wenig auf. Und wenn, dann wegen Streitereien unter Landsleuten.

Nebst den Städten Zürich, Bern und Genf gibt es eine grosse Gemeinde im Aargau. Diese hält sich eher im Hintergrund. Ausser an jenen Sonntagen, wenn die eritreische Orthodoxe Trinitatisgemeinde Aargau in der Stadtkirche Aarau ihren Gottesdienst feiert. Dann sieht man viele fröhliche Gesichter auf dem Kirchplatz. Und lachende Kinder.

Diese Bilder vor der Kirche haben Wenzel. A. Haller nicht losgelassen. Der Kurator vom Forum Schlossplatz initiierte deshalb eine Ausstellung über Eritrea. «Von dort kommt die grösste Gruppe Asylsuchender und viele hier kennen Land und Hauptstadt nicht», sagt Haller. Deshalb wurde die Ausstellung nach der Stadt benannt: «Asmara». Ein klingendes Wort, das geheimnisvolles umgibt.

Asmara ist Ausgangspunkt der Ausstellung. Zu sehen sind Stadtaufnahmen des Fotografen Edward Denison. Diese überraschen: Der Brite zeigt keine Stadt im afrikanischen Busch, sondern eine moderne, von der italienischen Kolonialgeschichte geprägte Hauptstadt. Denisons Fotos werden in der Ausstellung von Eritreer aus der Schweiz kommentiert: als Erinnerungsorte von Menschen, die ihre Heimat verlassen haben.

Überhaupt kommen im Forum Schlossplatz viele Eritreer selber zu Wort, etwa Pheben Ashgedom: 1979 kam sie als 13-Jährige mit ihrer Mutter in die Schweiz. Heute ist sie wegen der Flüchtlingswelle als Übersetzerin und Kulturvermittlerin sehr gefragt. In Interviews sprechen weitere Eritreer über Fluchtgründe und die alltäglichen kulturellen Herausforderungen in der Schweiz.

Eritreische Spione in der Schweiz

Das Team vom Forum Schlossplatz hatte jedoch grosse Mühe Eritreer zu finden, die über ihr Leben sprechen «Die Flüchtlingsgemeinde ist beherrscht von Angst und Misstrauen», weiss Wenzel A. Haller. Ein falsches Wort könne Einfluss auf den Asylentscheid haben.

Zudem reiche der lange Arm der heimischen Regierung bis in die Schweiz: Diese habe auch hier Sympathisanten. Das sorgt für Angst. «Wenn vier Eritreer zusammenstehen, ist sicher einer ein Spitzel der Regierung», sagt man.

Einen weiteren Eindruck vom Leben der Eritreer geben die Bilder der indischen Fotografin Uzma Mohsin. Ihr Interesse gilt Menschen, die in einem fremden Land eine neue Heimat finden. In diesem Fall in der Schweiz.

«Asmara»: Die Ausstellung läuft vom 22. März bis 5. Juni. Vernissage heute Freitag um 18.30 Uhr.