Dienstag diese Woche, Restaurant «Storchen». Die Parteiversammlung der SVP Menziken fand nicht wie bis anhin üblich im «Sternen» statt, dem Gasthof von Parteimitglied Hans Marti.

Denn der «Sternen» ist seit letzter Woche geschlossen. Dort soll ein Asylzentrum entstehen. Genau dies war auch ein Traktandum an der Parteiversammlung. Es ging um sachliche Fakten wie Kostenaufteilungen, Verteilung der Asylsuchenden und Strategie des Kantons.

Aber nicht nur: Dass die SVP keine Freude daran hat, dass der ehemalige Wirt das Haus dem Kanton als Asylunterkunft vermietet, hat Parteipräsident Severin Siegrist gegenüber der az schon letzte Woche gesagt.

Das Boot ist voll! Die Menziker machen am Info-Anlass Ende Juni 2015 ihrem Ärger Luft.

Ein Dorf in Aufruhr: Die Einwohner von Menziken machen an einer Info-Veranstaltung ihrem Ärger Luft. (28. Mai 2015)

Nun berichtet er: «Ein solches Vorhaben bringt auch viele emotionale Aspekte mit sich, und es hat einen Einfluss auf das Zusammenleben im Dorf. Die Diskussion wurde daher zeitweise etwas hitzig geführt.»

Die Ortspartei der SVP wolle aber niemandem vorschreiben, wie er sein Geschäft zu führen hat, sagt Siegrist. «Wir verstehen auch, dass manchmal wirtschaftliche Faktoren für eine Entscheidung stärker gewertet werden als die Gesinnung.»

Widerstand gegen den Wirt

Viel Sympathie schlug Marti an der Versammlung tatsächlich nicht entgegen. Es wurde ihm zwar das Wort erteilt, aber es gab immer wieder Zwischenrufe. Jemand forderte, es sei an der Zeit, einen Entscheid zu fällen. Diesen nahm Marti seinen Parteigenossen ab: Er gab den Rücktritt bekannt und mit ihm die ganze Familie.

«Eine solche Entscheidung tut immer weh», so Hans Marti über seinen Rücktritt aus der SVP. Im «Fokus» legt er seine Sicht der Dinge dar.

«Eine solche Entscheidung tut immer weh», so Hans Marti über seinen Rücktritt aus der SVP. Im «Fokus» legt er seine Sicht der Dinge dar.

«Wir bedauern diese Entwicklung, da die Martis langjährige Mitglieder waren und viel geleistet haben», sagt Parteipräsident Siegrist. «Wir vom Vorstand hätten keinen Ausschluss-Antrag an die Familie gestellt, wir hätten es bei einer offiziellen Rüge belassen.»

Menziken: 90 Asylbewerber sollen in Hotel einziehen. Das Hotel und Restaurant Sternen im Dorfkern steht kurz vor der Schliessung. Der Kanton hat das Gebäude nun gemietet, um daraus eine Asylunterkunft zu machen. Die Gemeinde ist nicht erfreut.

Menziken: 90 Asylbewerber sollen in Hotel einziehen. (13. Mai 2015)

Allerdings wäre es möglich gewesen, dass aus der Versammlung diesbezüglich noch Anträge hätten kommen können. Der Austritt habe sich während der Versammlung so ergeben, sagt Hans Marti, der sich jedoch weiter nicht dazu äussern möchte.

SVP will Druck aufrechterhalten

Zum weiteren Vorgehen bezüglich der Asylunterkunft hat die SVP folgendes beschlossen: Die Ortspartei unterstützt die Petition Menziken, die bereits gestartet ist. Weiter sagt Siegrist: «Wir werden versuchen, uns mit anderen Stufen unserer Partei zusammenzuschliessen und auch mit anderen Gemeinden.»

Man werden den Druck für eine «gerechte» Verteilung der Asylsuchenden im Kanton aufrechthalten. Die entsprechenden Gesetzte würden bestehen und müssten nur umgesetzt werden.

«Wir werden die Entwicklung weiterverfolgen und darauf hinarbeiten, dass die vom Kanton in Menziken geplante Unterkunft, nicht zu einer zu grossen Belastung für unser Dorf wird.» Menziken habe seit langem sehr viele Asylsuchende und sich nie vor den Pflichten gedrückt, wiederholt Siegrist.