Aarau
Ärztepaar geht neue Wege: Arzt und Therapeut unter einem Dach

Die beiden ehemaligen Ärzte der Gruppenpraxis Behmen erfüllen sich den Traum einer eigenen Praxis. Ihr Konzept ist ungewöhnlich.

Lee Müller
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Julia Scheumann und Marcel Buchser freuen sich auf die Herausforderung.Archiv

Julia Scheumann und Marcel Buchser freuen sich auf die Herausforderung.Archiv

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Die Schuhe kleben noch auf dem frisch geölten Boden, es riecht nach Farbe und Putzmittel – die letzten Vorbereitungen im ehemaligen Gebäude der Fachhochschule werden getroffen. Heute Montag ist es so weit: Dr. Julia Scheumann und Dr. Marcel Buchser eröffnen an der Küttigerstrasse ihre eigene Arztpraxis – «Gesundwerk» haben sie das Unternehmen getauft. Vor einem Jahr verliessen die beiden die Gruppenpraxis Behmen beim Bahnhof, die sie mit drei Ärzten im Pensionsalter geführt hatten. Die unterschiedlichen Vorstellungen, wie eine Praxis funktionieren soll, beendeten die Zusammenarbeit.

Jetzt will das Ärztepaar seinen eigenen Traum erfüllen. Auf rund 600 Quadratmetern arbeiten sie in Zukunft mit Fachpersonen wie Psychologen, Osteopathen und TCM-Spezialisten zusammen. «Schon bevor ich angefangen habe, Medizin zu studieren, träumte ich von einem Zentrum, in welchem Therapeuten aus unterschiedlichen Fachgebieten zusammenarbeiten», erklärt Marcel Buchser. Denn oft fehle dem Patienten mehr als nur eine Spritze. Gemeinsam mit den verschiedenen Fachpersonen könne man im Gespräch herausfinden, wie der Patient am besten behandelt werden könne.

Eine Köchin ist auch dabei

Ein achtsamer Umgang miteinander ist den beiden Hausärzten besonders wichtig. Aus diesem Grund haben sie einen Aufenthaltsraum errichtet, drei Mal pro Woche sollen sich alle Mitarbeiter zum gemeinsamen Mittagessen treffen. «Die Köchin war die Erste, die wir unter Vertrag nahmen», erklärt Buchser lachend.

Er ist überzeugt, dass sich die Harmonie im Team auch auf die Patienten übertragen werde. Doch nicht nur der Umgang mit den Patienten sei entscheidend, sondern auch die Gestaltung der Räume. Aus diesem Grund sind die Behandlungszimmer mit natürlichen Materialien wie Holz und Lehm ausgestattet, die grossen Fenster lassen viel Licht hinein. Im Wartebereich können sich die Patienten mit einer Tasse Tee aufhalten. «Als Hausarzt kann man überspitzt gesagt auch einen Kellerraum mieten und man wäre aufgrund des Mangels an Ärzten ausgebucht», sagt Buchser. Für ihn sei jedoch das Gesamtkonzept entscheidend. Es trage bereits viel zum Wohlbefinden des Patienten bei. «Wir wollen jedem Patienten signalisieren, dass wir uns um ihn kümmern», sagt Buchser.

Seit Anfang Juli sind die Bauarbeiten im Gang, auch Scheumann und Buchser packten mit an. «Wir haben Böden herausgerissen und Wände gestrichen», sagt Julia Scheumann, «trotzdem dachten viele, dass wir es nicht rechtzeitig schaffen.» Bis zur Eröffnung heute gab es jedenfalls noch viel zu tun. Doch jetzt wollen sich die Ärzte nach dem Baustress wieder ganz ihren Patienten widmen.