Klartext aus Rothrist

Dunkelhäutiger SVP-Mann spricht Klartext: «Wir Schweizer sind die Neger»

Der dunkelhäutige SVP-Politiker Naveen Hofstetter fühlt sich als echter Schweizer.

Der dunkelhäutige SVP-Politiker Naveen Hofstetter fühlt sich als echter Schweizer.

Naveen Hofstetter ist einer der wenigen dunkelhäutigen SVP-Politiker der Schweiz. Obwohl in Indien geboren, fühlt er sich von Kopf bis Fuss als Schweizer. Und wenn er gegen Eritreer, EU und Linke wettert, sind selbst die SVP-Delegierten verblüfft.

«Grüezi Herr Schwickardi, ich bin das schwarze Schaf von Rothrist», lacht Naveen Hofstetter (29) am Telefon, als wir den Interview-Termin vereinbaren. Der smarte SVP-Mann empfängt uns im eleganten schwarzen Nadelstreifen-Anzug, Schäfchen-Krawatte und SVP-Pin im Knopfloch.

Für Furore sorgte er vor 14 Tagen an der SVP-Delegiertenversammlung in Einsiedeln, wo er kundtat: «Ich ärgere mich schwarz über die vielen Einbürgerungen mit unaussprechlichen Namen in meiner Heimatgemeinde.» Und doppelte nach: «Leute, die sich nicht integrieren können, gehören nicht in unsere Gesellschaft.» Als der dunkelhäutige Rothrister am Rednerpult erklärte: «Ich habe es satt, dass wir Schweizer im eigenen Land dauernd die Neger sind», staunten selbst die hemdsärmligen SVP-Delegierten. Allerorts musste Naveen Hofstetter Hände schütteln und er heimste Lob ein für sein rhetorisch gepfeffertes Votum – scharf wie indischer Pfeffer.

«Ich bin gar kein schwarzes Schaf»

«Dass ich bei der SVP dabei bin, irritiert viele Leute – besonders Linke», erklärt Naveen Hofstetter. «Das passt nicht in deren Weltbild. Manche Linke glauben sogar, ich sei von der SVP bezahlt als Alibi-Schwarzer.» Auf böse Mails gibt er persönlich Antwort. «Ich konnte einige Missverständnisse ausräumen.»

Mit seinen scharfen Sprüchen und der Schäfli-Krawatte («Die trage ich nur zu besonderen Anlässen») kokettiert und provoziert er bewusst: «Viele haben die Schäfli-Plakate der SVP nicht begriffen. Ich bin ja gar kein schwarzes Schaf. Schwarze Schafe sind die kriminellen Ausländer und Leute, die sich nicht integrieren und hier nur schmarotzen wollen.»

Indien ist Hofstetter fremd

Naveen Hofstetter wurde als indisches Baby von Schweizer Eltern adoptiert, ist in Niederwil aufgewachsen und spricht reinsten Aargauer Dialekt. «Ich weiss: Ich bin ein Extremfall. Ich fühle mich wie ein Schweizer, sehe aber anders aus.» Der sympathische Jung-Politiker fährt fort: «Ich bin zwar in Indien geboren. Aber dieses Land ist für mich fremd – genauso fremd wie etwa Asarbeidschan, Simbabwe oder die Fidschi-Inseln.» Auch kulinarisch ist Naveen ganz Eidgenosse: «Am liebsten esse ich Züri-Geschnetzeltes oder Bratwurst mit Rösti. Auf allzu scharfes Curry bin ich sogar allergisch.»

Einer «Sozi-Frau» mit sieben Piercings im Gesicht, die ihn und die SVP kritisiert habe, habe er gesagt: «Glaubst Du wirklich, ich bin so blöd, dass ich als Dunkelhäutiger in eine Rassisten-Partei eintreten würde, wenn die SVP denn eine wäre?» Naveen Hofstetter schüttelt verständnislos den Kopf. «Ich erlebe die SVP als eine sehr weltoffene Partei – liberaler und toleranter als die Linken, die alles verbieten wollen.»

«Schon in der fünften Klasse, als wir die Bundesräte durchnahmen, wusste ich: Bundesrat Stich führt die Schweiz mit seiner Finanzpolitik in den Abgrund!» Seit Naveen Hofstetter 16 ist, verpasst er kaum eine «Arena»-Sendung, mit 23 trat er via Internet in die SVP ein. «Drei Jahre lang war ich Kassier bei der SVP Wohlen-Anglikon.»

Brunner: «Du bist einer von uns»

Der Lichttechniker mit Einzelfirma lebt in Rothrist, SVP-Hochburg und Heimat von SVP-Nationalrat Ueli Giezendanner. «Mit Ueli bin ich Duzis, auch mit Luzi Stamm», verrät Naveen Hofstetter stolz. Auch mit SVP-Präsident Toni Brunner hat er schon kurz geplaudert: «Brunner sagte mir: ‹Du hast einfach eine andere Hautfarbe, aber Du denkst wie wir. Du bist einer von uns.›»

Der dunkelhäutige Jung-Politiker hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen, macht sich aber durchaus auch ernsthafte Gedanken über seine Herkunft, seine Wirkung auf seine Mitmenschen: «Die Schweizer sind keine Rassisten. Ich hatte eigentlich nie Probleme. Klar schauen sie zunächst, weil ich nun mal eine andere Hautfarbe habe. Das fällt halt auf. Aber wenn die Leute merken, dass ich ja wie sie bin, spreche und denke, bin ich voll akzeptiert.»

Im Gegenteil seien es die Leute aus dem Balkan, mit denen er schlechte Erfahrungen mache auf der Baustelle: «Bei denen bist Du als Schwarzer untendurch. Sie behandeln Dich als minderwertig.» Hofstetter ist überzeugt: «Wenn sich jemand hier integrieren will, kann er das. Dazu braucht es keine staatliche Förderung.»

Lieber Blondinen als Burka

Naveen Hofstetter ist ganz auf der strammen SVP-Linie: «Ich bin keine Windfahne. Eine klare Meinung zu haben, zu seinen Werten zu stehen, ist doch etwas Gutes.» Einfach die Kernkraftwerke abstellen sei ein Fehler – alles habe Vor- und Nachteile («Wenn bei einem Erdbeben ein Staudamm bricht, dann müssen viele ‹dSchwemmflögeli alegge›!»), die EU ist ein rotes Tuch für ihn («Schon Wilhelm Tell kämpfte gegen die fremden Vögte!»), linke Gewerkschafter («Ich staune, wie die Gewerkschafter dauernd ‹vörigi Zyt› haben, um auf dem Bundesplatz mit den Fahnen zu schwenken, wenn ihnen ‹öppis ned passt›) und Burkas und Schleier im Rothrister Dorfbild («Gewisse Kulturen passen einfach nicht zur Schweizer Kultur») würde er am liebsten verbieten.

Lieber als Frauen unter der Burka («Do chomm ich Vögel öber, wenni so öppis gseh!») hat der SVP-Single-Mann Blondinen: «Blondinen mit langen Haaren gefallen mir. Juuh, da wär ich im siebten Himmel», lacht Naveen. Viel wichtiger noch: «Meine Traumfrau muss bodenständig, lieb und natürlich sein. Mit Schweizerpass wäre ideal.»

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