Aarau

Artenvielfalt auf kleinstem Raum: Neue Tierarten sollen Aarau bewohnen

Die Gärtner hinterlegen Asthaufen und pflanzen neue Sträucher. So entstehen neue Lebensräume. bie

Die Gärtner hinterlegen Asthaufen und pflanzen neue Sträucher. So entstehen neue Lebensräume. bie

Die Grünflächenpflege der Stadt Aarau schafft neue Lebensräume für Tiere. Diese brauchen nicht viel, um sich wohlzufühlen. Ein simpler Asthaufen bietet schon verschiedensten Tierarten wertvollen Unterschlupf.

Der Zilpzalp pfeift zwar gerne von hoch oben hinab, sein Nest baut der Singvogel aber in Bodennähe. Bei der Böschung Telliring in Aarau mangelte es bisher an möglichen Nistplätzen für Singvögel wie den Zilpzalp. Hohes «Holzgestänge» dominierte in Bodennähe und Brombeersträucher verbreiteten sich rasant. Dies ist ein Grund, weshalb Fachleute der Grünflächenpflege der Stadt Aarau neue Wildsträucher pflanzen: beim Telliring, an der Mühlemattstrasse und an der Hauptstrasse in Rohr. Die Stadt setzt sich vermehrt für die Aufwertung naturnaher Lebensräume ein.

Die Sträucher bieten den Vögeln im Sommer und Herbst wertvolle Nahrung. Besonders die Zugvögel wie die Mönchgrasmücke sind vor ihrer Abreise auf Waldbeeren angewiesen. «Solche Wildsträucher sind eine Energietankstelle für Zugvögel, die im Herbst Richtung Süden fliegen», sagt Max Jaggi, Leiter Grünflächenpflege in der Stadt Aarau.

Die Gärtner fördern durch die Neupflanzungen auch die Biodiversität. Pfaffenhütchen, Gemeiner Schneeball, Liguster und Holunder ersetzen überwuchernde Brombeersträucher. «Eine grosse Vielfalt an Pflanzen bedeutet eine noch grössere Vielfalt an Tieren», erklärt Jaggi. Er rechnet vor: «Eine neue Pflanze lockt theoretisch etwa zehn neue Arten an. Wenn wir also zehn verschiedene Sträucher pflanzen, könnten sich hundert neue Tierarten ansiedeln.»

Es sind nicht nur die Vögel, die von der Neugestaltung profitieren. Die Gärtner schichteten nebst den Pflanzungen auch Gehölz zu Asthaufen auf. «In solchen Kleinstlebensräumen finden viele Insektenarten, Weinbergschnecken sowie Amphibien wie Erdkröten und Grasfrösche neue Lebensräume», so Jaggi. Sogar Igel und Ringelnattern könnten sich in den Asthaufen einnisten.

Ein Konkurrenzkampf unter den vielen Tierarten entsteht laut Jaggi nicht. Wenn ein Zaunkönig in einem der Asthaufen sein Nest baut, sei eine Erdkröte nicht daran gehindert, am gleichen Ort Unterschlupf zu finden.

Wer sind die Verlierer der Neugestaltung? Jaggi überlegt lange und antwortet: «Es gibt keine Verlierer, von der Aufwertung der Lebensräume profitieren alle Arten.» Weder die neuen Pflanzen noch die sich ansiedelnden Tiere würden sich so stark vermehren, dass andere Arten eliminiert werden. Nur ein Stadtmensch wird die neuen Asthaufen vielleicht zuerst als etwas Unaufgeräumtes wahrnehmen.

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