Aarau
Armee will ihre Kasernen besser beschützen

Die Sicherheitsvorkehrungen an den Kasernen-Standorten Brugg und Aarau wurden sichtlich ausgebaut. Was steckt dahinter?

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Für die Bewachung der Kaserne Brugg steht mehr Personal im Einsatz.

Für die Bewachung der Kaserne Brugg steht mehr Personal im Einsatz.

Michael Hunziker

Die Schweizer Armee hat ihr Sicherheitsdispositiv erweitert, wie SRF berichtet. Konkret hat man beispielsweise bei der Kaserne Brugg den Fahrzeugpark eingezäunt. Sowohl in Brugg als auch in Aarau fällt zudem auf, dass die Kasernen durch mehr Personal bewacht werden.

Des Weiteren bringt die Armee nun an allen WK-Standorten rote Warnplakate an. «Sie betreten militärisch bewachtes Gebiet», steht da, «Auf den Anruf ‹Halt!› sofort still stehen und den Weisungen der Truppe nachkommen. Der Truppe stehen Polizeibefugnisse zu. Sie macht im äussersten Fall von Schusswaffen Gebrauch.»

Wozu das Ganze? «Die Armee hat sich nach den Anschlägen auf die Redaktion von Charlie Hebdo im Januar 2015 gefragt, ob ihre Truppen und Standorte genügend geschützt sind», sagt Armeesprecher Walter Frik auf Anfrage der az. Immerhin seien dort bewaffnete Terroristen in ein durch Sicherheitsmassnahmen geschütztes Gebäude eingedrungen (sie hatten eine Mitarbeiterin unter Waffengewalt zur Eingabe des Eingangscodes gezwungen). «Danach haben sich nicht nur wir, sondern auch andere Sicherheitsorganisationen in der Schweiz Gedanken gemacht, welche Massnahmen zum Eigenschutz notwendig sind.»

Nun seien aber nicht etwa neue Massnahmen beschlossen worden, man wende lediglich das bestehende Reglement konsequent an, sagt Frik. Naturgemäss gibt er keine Details zum Sicherheitsdispositiv bekannt – «aber in Aarau und in Brugg ist es offensichtlich, was wir gemacht haben». Wie oft man Personen kontrollieren oder vom Kasernenareal wegweisen müsse, sei in keiner Statistik festgehalten, so Frik weiter. «Die Wachposten setzen gesunden Menschenverstand ein. Ein neugieriger Schulbub wird sicher nicht gleich behandelt wie einer, der mit schwerem Geschütz auf das Kasernengelände will.» Der Aarauer Kasernenplatz sollte eigentlich in den nächsten Jahren öffentlich zugänglich werden. Frik kann keine Angaben machen, ob dies nun noch umgesetzt wird.

Warum gerade die Kasernen?

Bei den Anschlägen auf Charlie Hebdo wurde ein ziviles Ziel gewählt, ebenso bei den Anschlägen in Paris im November (Konzertlokal Bataclan, Bars und Stade de France) und gestern bei den Attentaten in Brüssel (Flughafen und Metro). Kasernen und Militärstandorte stehen als Ziel für Terroranschläge zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung nicht im Vordergrund. Armeesprecher Walter Frik widerspricht jedoch und verweist auf die Ermordung einen Soldaten der British Army im Mai 2013 in London, den die britische Regierung als Terrorakt qualifiziert hatte, sowie auf einen versuchten Terroranschlag auf eine Kaserne in Belgien im vergangenen Oktober. «Und im letzten Herbst wurden in Hinwil fünfzehn Armeefahrzeuge angezündet», so Frik.(NRO)