Aarau
Armee soll 2030 ausziehen – warum wird die Kaserne jetzt saniert?

Rund um das Kasernenareal stellen sich viele Fragen – wir liefern immerhin zehn Antworten.

Sabine Kuster
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Das Kasernenareal im Herzen Aaraus soll für die Bevölkerung auch ein Ort der Begegnung werden. (Archiv)

Das Kasernenareal im Herzen Aaraus soll für die Bevölkerung auch ein Ort der Begegnung werden. (Archiv)

Jiri Vurma

1. Warum hat der Regierungsrat gerade jetzt den Kredit von 1,98 Millionen Franken für die Sanierung der Kaserne beschlossen?
Der Regierungsrat hat den Entscheid des eidgenössischen Parlaments zum neuen Stationierungskonzept der Armee abgewartet. National- und Ständerat waren sich lange nicht einig, Anfang März gelang die Schlussbereinigung. Damit ist es nun definitiv: Das Rekrutierungszentrum zügelt von Windisch nach Aarau.

2. Warum saniert man jetzt für fast 2 Millionen, wenn die Armee 2030 ausziehen soll?
Die Kaserne Aarau sollte schon länger saniert werden. Die Gebäudeversicherung und das Eidgenössische Starkstrominspektorat forderten dies in ihrer Funktion als Aufsichtsbehörde. Denn der Brandschutz und die elektrischen Einrichtungen genügen den Sicherheitsauflagen nicht mehr. Die Aufsichtsbehörde hatte dem Kanton eine Frist gewährt, damit der Entscheid über die Zukunft der Kaserne abgewartet werden konnte. Nun, da klar ist, dass das Rekrutierungszentrum einzieht, können die Sanierungen entsprechend darauf ausgerichtet werden.
3. Hätte der Kanton nicht noch weiter warten können, bis auch klar ist, was nach 2030 geschieht?
«Nein», sagt Kantonsbaumeister François Chapuis dazu, «mit diesen Sanierungen kann man nicht mehr warten.» Kaum ist das Stationierungskonzept beschlossene Sache, haben die Stadt Aarau und der Kanton gestern die Bevölkerung zur Mitwirkung aufgerufen: Neue Ideen für die Nutzung der Kaserne sind gefragt.
4. Hat man also bei der Arealentwicklung auf den Entscheid der Armee gewartet?
«Nein», sagt Aaraus Stadtpräsidentin Jolanda Urech, «das ist Zufall.»
5. Stadt und Kanton planen die Zukunft des Areals seit einem Jahr gemeinsam. Doch welche Interessen hat der Kanton am Kasernenareal?
«Wir sind sehr offen», sagt François Chappuis dazu. Konkrete Ideen gibt es noch nicht, doch der Kanton ist sich der Bedeutung des Areals bewusst: Die Kaserne ist deshalb auch im kantonalen Richtplan als wirtschaftlicher Entwicklungsschwerpunkt von kantonaler Bedeutung eingetragen. Weil das Areal mitten in Aarau und direkt neben dem Bahnhof liegt, ist die Stadt nicht minder daran interessiert, was dort geschieht. «Es ist wichtig, dass wir das nun gemeinsam anpacken», sagt Jolanda Urech. Doch sie bestätigt: «Die Stadt war der Motor in diesem Ganzen.»

6. Worum geht es beim ersten öffentlichen Forum am 24. Mai?
Stadt und Kanton wollen zuerst die Rahmenbedingungen auf dem Areal aufzeigen. An zwei öffentlichen Foren soll das Leitbild entworfen werden. Auf dessen Grundlage werden ein städtebauliches Gesamtkonzept und ein Masterplan entwickelt. Erst dann wird der Nutzungs- und Gestaltungsplan der Kaserne abgeändert.
7. Das tönt bürokratisch, was will man konkret?
Auf dem Kasernenareal soll ein urbanes Stadtquartier entstehen. Immerhin ist das Areal so gross wie die Altstadt. «Mit Rücksicht auf die historischen Bauten kann hier langfristig ein Viertel mit hoher städtebaulicher und architektonischer Qualität entstehen, das unterschiedlichste Nutzungen vereint», schrieben Stadt und Kanton gestern in einer Mitteilung.
8. Geschieht schon vor 2030 etwas?
Das ist das Ziel. Denn wenn das Rekrutierungszentrum in der Kaserne ist, wird wahrscheinlich bereits ein Nebengebäude frei. Vor allem können dann Zivilisten den Platz betreten. Weil die Stellungspflichtigen selber Zivilisten sind, müssten nur noch die Gebäude, nicht mehr das ganze Areal bewacht werden.
9. Ist es ganz sicher, dass die Armee 2030 aus der Kaserne auszieht?
Ziemlich sicher. Laut Kanton steht eine militärische Nutzung ab 2030 zumindest «nicht mehr im Vordergrund». Jolanda Urech sagt dazu: «Wir können davon ausgehen, dass der Vertrag mit der Armee nicht verlängert wird.»
10. Will die Stadt Aarau dem Kanton die Kaserne dann abkaufen?
«Diese Frage ist noch offen», sagt Jolanda Urech. Auch beim Kanton heisst es dazu: «Es ist zu früh, diese Frage zu beantworten», sagt François Chapuis.
Erstes Forum zur Arealentwicklung Kaserne: Dienstag, 24. Mai, 18.30 bis 22 Uhr, Kultur- und Kongresshaus, Aarau, Anmeldung bei lea.scheidegger@aarau.ch