Aarau
Ärger für Fussgänger: Wenn E-Bikes plötzlich aus ihren Löchern kommen

Die Uferwege in Aarau werden zunehmend auch von E-Bikern genutzt. Das führt zu Konflikten mit Fussgängern. Der Verein Pro Velo Aarau will reagieren.

Daniel Vizentini und Katja Schlegel
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Laut einigen Fussgängern kommen es auf den engen Uferwegen in und um Aarau oft zu brenzligen Situationen mit Elektro-Velofahrern. (Symbolbild)

Laut einigen Fussgängern kommen es auf den engen Uferwegen in und um Aarau oft zu brenzligen Situationen mit Elektro-Velofahrern. (Symbolbild)

Keystone

Das Aareufer in Aarau erfüllt viele Funktionen. Der Philosophenweg etwa – der Name ist Programm – ist ein Ort zum Spazieren, Nachdenken und Verweilen, für Schwäne ist er gar ein Nistplatz. Und er ist auch ein Verbindungsweg zwischen der Telli und der Altstadt. Wo so viele Interessen aufeinanderprallen, gibt es Konflikte, vor allem zwischen Velofahrern und Fussgängern. Zwar weist ein Schild bei der Alten Stadtgärtnerei die Velofahrer darauf hin, dass sie «auf Fussgänger Rücksicht nehmen» sollen. Doch wenn sie es pressant haben, dann tun dies nicht immer alle.

Dienstagabend gegen 18 Uhr: Es ist Stosszeit, auf der Hauptstrasse herrscht dichter Verkehr. Fast alle Velofahrer weichen deshalb auf den Philosophenweg aus, der zumindest teilweise als Radweg gekennzeichnet ist. Dort, wo demnächst die Schwan-Bar stehen wird, sitzen vereinzelte Personen auf dem Rasen, unterhalten sich, lesen ein Buch.

Das schöne Wetter zieht auch einige Spaziergänger an. Und wer auf dem Velo unterwegs ist, der braucht Geduld: Immer wieder müssen Radfahrer abbremsen oder grosse Fussgängergruppen bitten, kurz zur Seite zu gehen. Auch vereinzelte Elektrovelos fahren vorbei. Insgesamt gehen die Fahrradfahrer an diesem Abend aber sehr respektvoll mit den Fussgängern um.

E-Bikes erfreuen sich in der Schweiz grosser Beliebtheit. (Archivbild)

E-Bikes erfreuen sich in der Schweiz grosser Beliebtheit. (Archivbild)

KEYSTONE/WALTER BIERI

Fragt man die Fussgänger hingegen, zeigt sich nicht immer dasselbe freundliche Bild. Sie sagen, auf den engen Uferwegen in und um Aarau käme es oft zu brenzligen Situationen. Beim Aareweg zwischen Küttigen und Biberstein etwa berichten Passanten von Elektrovelos mit gelben Nummernschildern, die mit hoher Geschwindigkeit an ihnen vorbeirasen. Fussgänger werden dabei gehörig erschreckt, für kleine Kinder ist es eine zusätzliche Gefahr. Solche Fahrräder können bis zu 50 km/h erreichen und gelten als Motorfahrzeuge.

Pro Velo Aarau will reagieren

Dass die schnellen E-Bikes auf gewissen Velowegen nur mit abgestelltem Motor fahren dürfen, ist vielen Radfahrern nicht klar. Bei der IG Pro Velo Region Aarau sieht man deshalb Handlungsbedarf. «Wir sind uns dieser zunehmenden Problematik bewusst», sagt IG-Präsident Rolf Gutjahr. Als Massnahme will die IG Velofahrer besser informieren und etwa ihre Website mit Inhalten zu dem Thema erweitern. «Wir setzen uns generell für eine friedliche Koexistenz von Rad- und Fussverkehr ein und appellieren an die gegenseitige Rücksichtnahme.» Bei regelmässigen Verstössen auf gewissen Strecken empfiehlt die IG, die Polizei zu informieren. Gemäss der Stadtpolizei Aarau seien bisher aber keine entsprechenden Reklamationen eingegangen.

Stadt arbeitet an Basisplan

Bei dem Thema sieht sich Pro Velo Region Aarau auch in einem Zwiespalt: Man ist offen gegenüber E-Bikes und weiss, dass auch dank den E-Bikes immer mehr Personen ihr Auto zu Hause lassen. Gleichzeitig aber will man den Verkehr nicht unsicherer machen.
Ähnlich ergeht es der Aarauer Stadtverwaltung. Aktuell wird der Basisplan für den Rad- und Fussgängerverkehr aufgearbeitet.

Denkt man dort darüber nach, die Entwicklung mit der zunehmenden Anzahl E-Bikes konkret zu lenken? Kurt Schneider, Leiter Stadtentwicklung, relativiert die Problematik: «Meine Beobachtung ist eher, dass die schnellen Radfahrer bei der Streckenwahl darauf achten, dass sie schnell vorwärtskommen und daher die Konfliktstrecken umgehen.» Neben E-Biker gelte dies auch für Rennvelofahrer.

«Eine bewusste Lenkung erfolgt also eher mit einer Trennung von Radfahrern und Fussgänger, wenn es auf einem Verbindungsweg an ausreichender Breite fehlt oder ein grosses Fussgängeraufkommen vorhanden ist», sagt er. Beim neuen Basisplan werde deshalb geprüft, ob weitere Verbindungstrennungen erforderlich seien.

Schnelle Elektrovelos ganz von den Velowegen vertreiben kann die Stadt jedenfalls nicht: In Basel etwa wollte die Polizei vor drei Jahren Elektrovelos mit gelben Nummernschildern aus den Fussgängerzonen der Innenstadt verbannen, auch mit abgeschaltetem Motor. Gemäss Gesetz wäre eine solche Massnahme aber nicht zulässig.

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