Planung

Archtekturbüro geht neue Wege für günstigere Schulhäuser

Wegen der Schulreform 6/3 müssen viele Gemeinden neue Schulhäuser bauen oder bestehende Anlagen erweitern. Das geht ins Geld.

Wegen der Schulreform 6/3 müssen viele Gemeinden neue Schulhäuser bauen oder bestehende Anlagen erweitern. Das geht ins Geld.

Rothrist und Reinach haben bei der Planung ihrer Schulhäuser weder einen Projektwettbewerb durchgeführt noch mehrere Offerten eingeholt. Sie vergaben den Auftrag direkt an ein Architekturbüro. Diese unübliche Strategie ist legal und spart viel Geld.

11,5 Millionen in Schafisheim, 21 Millionen in Suhr, 23 Millionen in Muhen: Die Zahlen sind noch eine Schätzung, doch für viele Gemeinden im Kanton wird es teuer. Hüben und drüben müssen nach der Umstellung auf das Schulmodell 6/3 Schulhäuser gebaut oder erweitert werden. Die Investitionen bewegen sich oft im zweistelligen Millionenbereich.

Doch es geht günstiger ohne Abstriche bei der Qualität. Davon sind Daniel Lischer und Michel Schneider vom Büro Architektur-Support 2 in Schöftland überzeugt. «Schulhäuser lassen sich effizienter bauen», sagt Lischer und verweist auf das Schulhaus Rothmatt II in Rothrist: Für 5,1 Millionen hat sein Team einen einfachen Zweckbau mit modernster Ausstattung realisiert. Dieser umfasst 8 Schul- und 2 Halbklassenzimmer, 2 Gruppenräume, 2 Kindergärten mit Gruppenraum und weitere Räume für Lehrer und Schüler.

Ein einfacher Zweckbau: Schulhaus Rothmatt II in Rothrist.

Ein einfacher Zweckbau: Schulhaus Rothmatt II in Rothrist.

Auswahlverfahren übersprungen

Wie macht Rothrist das? Indem die Gemeinde einen einfachen Zweckbau wollte, den kürzesten Weg wählte und von Anfang an Geld sparte: Weder wurden ein Projektwettbewerb unter Architekten durchgeführt noch mehrere Offerten eingeholt. Gemeinderat und Bauverwaltung hatten bereits klare Vorstellungen vom Schulhaus und beauftragten direkt die Schöftler «Architektur-Support 2» mit der Umsetzung des Projektes. Das Auswahlverfahren, das ein Jahr dauern kann, wurde damit übersprungen. «Auswahlverfahren mit Projektwettbewerben kosten viel», sagt Daniel Lischer. «Oft bewerben sich über 50 Architekturbüros.»

Einsparungen sind nur ein Grund, warum Rothrist diesen Weg wählte: «Wir wollten zudem schneller ein Schulhaus, das unseren Ansprüchen entspricht», sagt Gemeindeammann Hans Jürg Koch. «Durch eine Ausschreibung der Architekturleistung oder einen Projektwettbewerb erhält eine Gemeinde meist nicht genau das, was sie braucht – und bezahlt dafür noch viel Geld.»

Die Arbeiten werden aufteilt

Doch darf ein Gemeinderat den Planungsauftrag eines solchen Grossprojektes direkt an einen Architekten vergeben, ohne diesen öffentlich auszuschreiben? Er darf, jedoch braucht es dazu etwas Kreativität. Denn für die direkte Vergabe gilt hier eine Limite von 150 000 Franken: Nur wenn ein Architekt der Gemeinde weniger als diesen Betrag für Planung und Bauleitung verrechnet, kann der Gemeinderat ihm den Auftrag direkt vergeben. In der Regel beläuft sich das Architekten-Honorar für einen Schulhausbau aber auf ein Vielfaches; über den Daumen gepeilt jeweils 10 Prozent der Gesamtkosten.

Die Alternative: Statt dem Architekturbüro vergibt die Gemeinde mittels öffentlicher Ausschreibung auch die Ausführungsplanung und Bauleitung einem Generalunternehmer. Dadurch fallen die Leistungen beim Architekten betragsmässig unter 150 000 Franken. Das ist in Rothrist geschehen, genau nach dem Konzept von «Architektur-Support 2». «Die Gemeinde spart so viel Geld», sagt Michel Schneider.

Generalunternehmer hat klare Vorgaben

Die Vergabe der Bauausführung an einen Generalunternehmer hat zudem den Vorteil, dass die Aufträge an Handwerker ebenfalls innerhalb dieser Ausschreibung vergeben werden können. Damit muss nicht jede Arbeitsgattung einzeln ausgeschrieben werden, was zusätzlich Zeit und Geld spart.

Weil Generalunternehmer den Ruf haben, gerne den günstigsten statt den geeignetsten Handwerker zu wählen, können Gemeinde und Architekt Spielregeln festlegen; zum Beispiel, dass nach Möglichkeit lokale Betriebe berücksichtigt werden sollen. Alle Details, technischen Werte und Qualitäts-Standards werden vorgängig in der öffentlichen Generalunternehmer-Ausschreibung definiert und müssen genau so umgesetzt werden, was überprüft wird.

Reinach springt auf den Zug auf

Das Vorgehen der «Architektur-Support 2» spricht sich herum. Der Gemeinderat von Reinach hat das Rothrister Schulhaus besichtigt und das Vorgehen direkt übernommen; dies ebenfalls ohne öffentliche Ausschreibung der Architekturleistungen. Die Gemeindeversammlung hat vorgestern klar Ja gesagt zum 5-Millionen-Projekt. Für Gemeindeammann Martin Heiz hat dieses System viele Vorteile. «Wir konnten uns den Weg über den Planungskredit und Architekturwettbewerb schenken.» Reinach spare dadurch - vorsichtig geschätzt - eine halbe Million Franken. «Zudem gibt es viel weniger Arbeitsstunden auf der Verwaltung.»

Die direkte Auftragsvergabe ist aber auch ein Kompromiss. Gemeinden verzichten damit auf ein breites Ideen-Spektrum von Projektvorschlägen. Wer eine Architekturperle möchte, wird eventuell enttäuscht. Oft ist viel Kunst jedoch gar nicht gewünscht: «Wir brauchen einen Zweckbau und kein Kunstwerk», sagt Heiz.

Doch legt Reinach damit das Submissionsdekret nicht etwas grosszügig aus? Martin Heiz sieht keine Probleme. «Es ist im Interesse des Steuerzahlers, dass Steuern effizient eingesetzt werden.»

Beim Kanton gibt es deswegen keinen Handlungsbedarf: «Das Vorgehen ist nicht gerade üblich, entspricht aber dem Submissionsdekret», sagt Fredy Rüegger, stellvertretender Generalsekretär im Baudepartement und Fachmann für Submissionen. «Bei grösseren Projekten dürfte es aber schwierig werden, die Architekturleistungen unter 150 000 Franken zu senken.»

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