Kampfansage

Arbeiter protestieren gegen Job-Abbau bei General Electric: «Wir geben diese Jobs nicht kampflos auf»

Oberentfelden: General-Electric-Mitarbeitenden protestieren gegen Stellenabbau

Im Video von Tele M1: Der Gewerkschafts-Zentralsekretär und der Präsident der Personalvertretung.

Hunderte Angestellte wehrten sich vor dem Sitz der General Electric in Oberentfelden gegen den geplanten Stellenabbau.

Die Stimmung unter den Arbeiterinnen und Arbeitern ist schlecht. «Sie sind frustriert. Sie kämpfen aber trotzdem», sagte Thomas Bauer, Präsident der Personalvertretung der General Electric (GE) in Oberentfelden. Es ist kalt an diesem Donnerstagmorgen. Trotzdem versammeln sich Hunderte von Angestellten auf dem Parkplatz des Produktionsstandorts. Schulter an Schulter stehen sie da, tun ihren Unmut über den geplanten Kahlschlag kund.

Der Produktionsstandort Oberentfelden soll aufgelöst werden. Der amerikanische Konzern GE hatte die Angestellten am 11. September darüber informiert, dass ihre Jobs ins Ausland verlagert werden – vor allem nach Frankreich. 436 Feststellen fallen weg. Dazu kommen 126 Stellen von Temporärangestellten. 562 Arbeitsplätze insgesamt. Was den Arbeitnehmern besonders sauer aufstösst: Erst im Juli hatte man ihnen noch versichert, ihre Arbeitsplätze würden nicht gestrichen, sondern nach Birr verlagert.

«Ihr seid ‹geile Sieche›, ich habe Hühnerhaut!»: Impressionen von der Protestaktion beim GE-Standort in Oberentfelden

«Ihr seid ‹geile Sieche›, ich habe Hühnerhaut!»: Protestaktion beim GE-Standort in Oberentfelden

  

Drei Massenentlassungen in vier Jahren

Mit der symbolischen Aktion schickten die GE-Angestellten eine klare Botschaft an die Teppich-Etage. «Wir geben diese Jobs nicht kampflos auf», sagte Thomas Bauer gleich zu Beginn der Kundgebung. «Heute ist es friedlich. Aber ich weiss nicht, ob es friedlich bleibt», rief er ins Megafon. «Wir werden vielleicht einmal Massnahmen ergreifen, die dann wirklich in Richtung Streik gehen.» Immer wieder wurde Bauers kämpferische Ansprache vom lauten Applaus der GE-Mitarbeiter unterbrochen. Auf einer Schutzmaske trugen sie ein rotes Kreuz. Den Mund verbieten lassen sie sich nicht.

Das Management sei nun gefordert, gemeinsam mit Personalvertretung, Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbänden nach wirklich ernsthaften Lösungen und Alternativen zum massiven Stellenabbau zu suchen. «Stoppt die Schliessung des Standortes in Oberentfelden!», rief Bauer in die Menge. Unterstützt wurde er von Vertretern der Gewerkschaften Syna und Unia sowie des Kaufmännischen Verbands und des Angestelltenverbandes Schweiz.

Die Gewerkschaften wollen den Stellenabbau bei General Electric verhindern. Vor dem Standort in Oberentfelden formiert sich eine Protestaktion.

Die Gewerkschaften wollen den Stellenabbau bei General Electric verhindern. Vor dem Standort in Oberentfelden formiert sich eine Protestaktion.

Die Verunsicherung und die Ratlosigkeit in den Gesichtern der GE-Angestellten – es ist ein Bild, das man im Aargau nicht zum ersten Mal sieht. Tatsächlich wäre dies bereits die vierte Massenentlassung, seit der amerikanische Grosskonzern 2016 das Gasturbinengeschäft von der französischen Alstom übernommen hat. In drei Wellen wurden seither bereits 3000 Stellen abgebaut. Dass das Versprechen vom Juli nicht eingelöst werden kann, begründete der Konzern mit düsteren Zukunftsaussichten. Für 2021 werde ein grosser Auftragsrückgang erwartet, ein Minus von zirka 30 Prozent.

Die GE hätte dieses Jahr mit Covid-19 eine neue Ausrede gehabt, sagt Bauer: «Klar macht es das Geschäft schwierig. Aber andere Firmen überlegen auch, wie sie die Ressourcen, die sie frei bekommen, für neue Investitionen nutzen können.»

Es besteht noch Hoffnung für die Angestellten

Der Präsident der Personalvertretung ist optimistisch, der Entscheid ist noch nicht definitiv: Ein Konsultationsverfahren läuft sowohl auf lokaler Ebene in der Schweiz als auch im Europäischen Betriebsrat. In diesem Rahmen will die Arbeitnehmerseite Vorschläge einreichen, wie der Stellenabbau vermieden werden kann. Konkreter kann Thomas Bauer noch nicht werden. Nur so viel: Das Management wolle den Standort Oberentfelden schliessen und die Arbeit nach China, Frankreich und Indien verlagern.

Können ihre Arbeitsplätze gerettet werden? Die Angestellten von General Electric beim friedlichen Protest in Oberentfelden.

Können ihre Arbeitsplätze gerettet werden? Die Angestellten von General Electric beim friedlichen Protest in Oberentfelden.

«Diese Verlagerung funktioniert aber nicht. In einem Alternativplan zeigen wir auf, dass man zwei Werke haben kann. Eines in Frankreich und eines in der Schweiz.» Man werde bis zum Ende des Konsultationsverfahrens einen harten Kampf vor sich haben. «Aber wir werden am Ende Arbeitsplätze erhalten», gibt sich Bauer optimistisch.

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