Buchs

Anton Kleiber erklärt, warum sich eine Kreisschule für seine Gemeinde lohnen würde

Anton Kleiber, Gemeinderat Buchs. Daneben: Das Schulhaus Suhrenmatte.

Anton Kleiber, Gemeinderat Buchs. Daneben: Das Schulhaus Suhrenmatte.

Der Gemeinderat von Buchs, zuständig fürs Ressort Bildung, steht Red und Antwort zu dem heiss diskutierten Thema: «Die Kreisschule Aarau-Buchs gibt uns diese Sicherheit, dass wir auch künftig eine Oberstufe haben.»

Heute tagt der Kreisschulrat Buchs-Rohr. Unter Traktandum 3 wird er voraussichtlich seine eigene Auflösung beschliessen. In Kraft tritt der Beschluss erst, wenn die Zusammenlegung der Schule Aarau und der Kreisschule Buchs-Rohr beschlossene Sache ist. Im Januar entscheiden die Einwohnerräte beider Gemeinden, danach kommt das Geschäft vors Volk.

Ein emotionales Thema. So emotional, dass es die Behörden nicht gerne seien, wenn von «Schulfusion» die Rede ist, obwohl aus zwei Schulen eine werden soll. Sie nennen die Sache in der Kreisschulrats-Botschaft lieber «Neuorganisation Schulwesen Aarau und Buchs». Anton Kleiber, Ressortvorsteher Schule im Buchser Gemeinderat, erklärt, was die neue Kreisschule seiner Gemeinde bringt.

Herr Kleiber, worüber stimmen die Einwohnerräte von Buchs und Aarau im Januar eigentlich ab?

Anton Kleiber: Über die Auflösung der Kreisschule Buchs-Rohr, die Satzungen des Gemeindeverbandes Kreisschule Aarau-Buchs, die Teilrevisionen der Gemeindeordnungen der beiden Einwohnergemeinden und den Verpflichtungskredit zur Umsetzungsphase des Projekts Kreisschule Aarau-Buchs.

Die Buchser haben im Gegensatz zu den Aarauern schon Erfahrungen mit einer Kreisschule gemacht.

Ja, und zwar gute. Eine Kreisschule kann viel selbstständiger und selbstbestimmter agieren als eine Gemeindeschule. Das Budget wird beispielsweise vom Kreisschulrat definitiv bestimmt, nicht vom Einwohnerrat. Im Kreisschulrat haben in der Regel Personen Einsitz, die sich sehr genau mit der Situation der Schule befassen und der Schule wohlwollend gesinnt sind.

Warum braucht Buchs diese neue Kreisschule?

Erstens müssen wir eine Nachfolgeorganisation für die Kreisschule Buchs-Rohr haben. Zweitens ist es für Buchs wichtig, dass wir die Oberstufe als Standortvorteil halten können. Die Kreisschule Aarau-Buchs gibt uns diese Sicherheit, dass wir auch künftig eine Oberstufe haben. Und drittens ist für Buchs die Variante «grosse Kreisschule» finanziell am günstigsten, wenn wir die Kosten pro Schüler berechnen.

In einem Bericht der Firma Metron hiess es aber, Buchs habe genug Schüler, um die Oberstufe auch alleine halten zu können.

So sicher ist das eben nicht. Die aktuellsten Zahlen zeigen, dass der Oberstufenstandort gefährdet ist. Dazu kommt noch, dass der Kanton die Klassengrössen und die Abteilungszahlen festlegt. Angesichts der aktuellen Sparbemühungen beim Kanton wäre es nicht verwunderlich, wenn er die Vorgaben nach oben korrigiert – und dann hat Buchs sicher zu wenig Schüler für eine eigene Oberstufe. Wir sind heute zahlenmässig im untersten Bereich.

Unter den Aarauer Lehrpersonen wurde 2014 eine Umfrage gemacht. Keine einzige war für eine Schulfusion. Und auch bei den Buchser Lehrpersonen heisst es, man sehe weder den pädagogischen noch den finanziellen Mehrwert.

Im Jahr 2014 lag der Bericht der Projektsteuerung noch nicht vor, daher ist es verständlich, dass bei den Lehrpersonen eine Verunsicherung spürbar war. Als Gemeinderat habe ich von meinem Gremium den Auftrag erhalten, eine Nachfolgeorganisation für die Kreisschule Buchs-Rohr im Rahmen einer neuen Kreisschule mit Aarau zusammen auszuloten. Dabei war die Pä-
dagogik nicht das Hauptthema. Die zukünftige Schulleitung wird zusammen mit den Lehrpersonen für die Qualitätsentwicklung verantwortlich sein. Das sind die Fachleute für pädagogische Fragen. Ich bin überzeugt, dass die Unterrichtsqualität auch mit dem neuen Schulkonstrukt hoch sein wird. Wenn zwei gute Schulen zusammen kommen, haben sie die Chance, von den Qualitäten der anderen profitieren zu können. Ich bin der Meinung, da wird ein pädagogischer Mehrwert möglich sein. Bei der Information der externen Schulevaluation habe ich den Buchser Lehrern gesagt: «Ihr seid eine starke Schule. Nehmt diese Stärke selbstbewusst mit in die neue, grosse Kreisschule und seid gleichzeitig offen für neue Inputs aus Aarau.»

Und was ist mit dem finanziellen Mehrwert?

Die Kosten pro Schüler sind für Buchs am tiefsten, wenn die neue Kreisschule kommt. Alle anderen Varianten sind teurer im Betrieb. Wenn man die notwendigen Investitionen noch dazu nimmt, gibt es doch respektable Einsparungsmöglichkeiten, von denen beide Gemeinden profitieren können. Grundsätzlich ist Veränderung immer etwas, was verunsichert. Daher kann ich die Ängste in der Lehrerschaft nachvollziehen. Sie waren auch da, als sich Buchs und Rohr zu einer Kreisschule zusammengeschlossen haben. Diejenigen, die damals schon hier gearbeitet haben, sind mittlerweile begeistert von der Kreisschule Buchs-Rohr.

Die Aarauer Stadträtin Franziska Graf sagte, die Lehrpersonen hätten mit der neuen Kreisschule grössere Stellensicherheit.

Ja, weil die neue Kreisschule mehr Schüler hat und sich Jahrgangsschwankungen so besser ausgleichen lassen. Die Klassenzahl wird konstanter. Heute kann es vorkommen, dass durch Wegzüge eine Klasse nicht die geforderte Minimalzahl an Schülern hat und die Klasse deswegen aufgehoben werden muss. Die Lehrperson verliert dann ihren Job.

Jahrgangsschwankungen ausgleichen – das heisst, dass Schüler hin und her geschoben werden.

Nein. Die Kindergärten und Primarschulhäuser sind heute schon dezentral, sodass die Schulwege möglichst kurz sind. Bei den Oberstufenschülern kann man erwarten, dass sie auch einen etwas längeren Schulweg auf sich nehmen können. Wenn sie aber einmal einem Klassenzug zugewiesen sind, bleiben sie in aller Regel da. Die Schulpflege wird – wie heute auch schon – für die Einteilung zuständig sein und wird niemanden einfach so aus einer Klasse herausreissen oder unnötig lange Schulwege in Kauf nehmen.

In der neuen Kreisschule zahlen die Gemeinden ihre Schulbauten selber. Angedacht ist, die Suhrenmatte zu erweitern. Auf Buchs kommen also mit der Schulfusion riesige Investitionskosten zu.

Das kommen sie sowieso. Die anstehenden Sanierungs- und Baumassnahmen bringen die Gemeinde finanziell an die Grenze. Im Risiacher regnets rein, da musste ein Dach angemietet werden. Auch die Gysimatte ist sanierungsbedürftig. Diese Sanierungsmassnahmen wird die Gemeinde Buchs alleine übernehmen müssen, ebenso wird sie für eine allfällige Erweiterung der Suhrenmatte aufkommen. Da wir die Gebäude aber dann der Kreisschule vermieten können, trägt Aarau auch seinen Teil zur Finanzierung der Investitionen bei. Ohne Kreisschule gäbe es keine Erweiterung der Suhrenmatte, aber wir müssten die Sanierungen alleine stemmen.

Was passiert mit Buchs, wenn der Zusammenschluss abgelehnt wird?

Dann wird der Gemeinderat eine Auslegeordnung machen. Sicher ist, dass die Kreisschule Buchs-Rohr dann noch bis Mitte 2020 weiter bestehen muss, damit sich zwei neue Gemeindeschulen bilden können.

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