Erstaunt dürften die Buchser diese Woche gewesen sein, als sie das Flugblatt aus dem Briefkasten zogen. «So geht es nicht weiter in Buchs», steht in fetten roten Lettern darüber geschrieben. Unten, etwas kleiner, der Zusatz «mit Gemeindeammann Affolter».

Das Flugblatt landete in allen Buchser Haushaltungen. In vier Punkten wird dem seit 2014 amtierenden FDP-Gemeindepräsidenten Urs Affolter allerhand vorgeworfen. Doch von wem? Das steht nicht drauf. Dem Vernehmen nach soll es sich nicht um eine Gruppierung, sondern um eine Einzelmaske handeln. Ein typischer Wutbürger – und erst noch einer, der wenig Ahnung von den politischen Abläufen in einer Gemeinde hat.

Da wird dem Ammann höchstpersönlich zum Beispiel vorgeworfen, an der Gysistrasse zu teure «Verschmälerungen» anzubringen. Bloss: Der Kredit für die Strassensanierung inklusive Massnahmen zur Verkehrsberuhigung wurde vom Einwohnerrat bereits 2013 gesprochen. Einstimmig.

Auch die Unterstellung, der Gemeindeammann sei schuld, dass das Bauamt Strassen und Plätze selber sauber halten müsse und die Arbeit nicht wie früher «Asylanten» machen würden, ist nicht nachvollziehbar. Ein solches Projekt mit Flüchtlingen gab es in Buchs nämlich gar nie. Angeregt, wenn auch eher halbherzig, wurde der Einsatz von Asylbewerbern anstelle der Anschaffung eines Laubbläsers aber an der letztjährigen Budgetdebatte.

Dann soll Affolter auch selber entschieden haben, dass das Dorfblatt «Buchser Bote» nicht mehr in der Dorfdruckerei Mäder gedruckt werde, sondern in Suhr. «Wegen 5000 Franken Preisunterschied», echauffiert sich der Flugblattschreiber. Dabei «sagte man noch bis vor kurzem, die Gemeinde berücksichtige in erster Linie das steuerzahlende eigene Gewerbe».

Dem Flugblattschreiber ist entgangen, dass der Ammann erstens nicht das Ressort Finanzen betreut und zweitens solche Sparentscheide – in Buchs muss jeder Rappen mindestens fünfmal gedreht werden – aufgrund von Offerten vom Gesamtgemeinderat als Kollegialbehörde gefällt werden. Gegenüber Tele M1 stellte sich gestern ausserdem der Gewerbeverein hinter Affolter: Der Gemeinderat berücksichtige das lokale Gewerbe durchaus.

Der Gemeinderat sah sich gestern zu einer Medienmitteilung gezwungen. Darin lässt er ausrichten, er lehne «dieses diffamierende Vorgehen unmissverständlich und dezidiert ab» und weise die Vorwürfe gegen den Gemeindeammann entschieden zurück. Und die Buchser? Die zeigten sich gegenüber Tele M1 empört. Nicht über den Ammann. Sondern über den anonymen Urheber des Flugblatts.