Seit dem Vierfachmord von Rupperswil am 21. Dezember 2015 sind mehr als anderthalb Jahre vergangen - nun hat die Staatsanwaltschaft gegen Thomas N. Anklage erhoben. "Wir haben die Verfahrensakten im Umfang von 88 Bundesordnern heute dem zuständigen Bezirksgericht Lenzburg übergeben“, sagt Fiona Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. 

Speditiv gearbeitet

Auch wenn dies in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen werde, sei eine Anklageerhebung 16 Monate nach der Verhaftung aus Sicht der Staatsanwaltschaft speditiv, betont Strebel. "Schon alleine die Abwicklung der psychiatrischen Begutachtung und der Parteirechte dauert jeweils rund 12 Monate, und das liegt nicht an den Strafverfolgungsbehörden, sondern an unserer Strafprozessordnung."

Diese schreibe unter anderem zahlreiche aufwendige Formalitäten vor und räume den Parteien auch umfangreiche Beschwerdemöglichkeiten gegen Verfügungen der Staatsanwaltschaft ein.

Ein Opfer sexueller Übergriffe

Fragen werfen primär zwei Anklagepunkte auf: die mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind sowie die Pornografie. Hat sich Thomas N. allenfalls nicht nur am 13-jährigen Davin vergangen, sondern auch an weiteren Kindern? Strebel verneint: „Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten mehrfache sexuelle Handlungen mit demselben Kind vor, nicht sexuelle Handlungen mit mehreren Kindern.“

Die umfangreichen Ermittlungen hätten gezeigt, dass der Beschuldigte vor der Tat nicht straffällig geworden sei. "Es wurden auch Abklärungen getroffen, ob er allenfalls in seinen Ferien im Ausland strafbare Handlungen begangen haben könnte, darauf ergaben sich aber keine Hinweise“, hält Strebel fest.

Schon bei der Medienkonferenz nach der Verhaftung des Vierfachmörders im Mai 2016 hatte die AZ gefragt, ob bei Thomas N. eine pädophile Neigung festzustellen sei oder ob er kinderpornografische Videos und Bilder besitze. Damals äusserten sich die Strafverfolgungsbehörden nicht zu dieser Frage.

«Indem er den jüngeren Sohn bedrohte, zwang er Frau Schauer, den älteren Sohn und dessen Freundin zu fesseln und zu knebeln»

«Indem er den jüngeren Sohn bedrohte, zwang er Frau Schauer, den älteren Sohn und dessen Freundin zu fesseln und zu knebeln»

Markus Gisin, Chef der Kriminalpolizei Aargau, schildert an der Medienkonferenz am 13. Mai 2016, wie der Täter im Vierfachmord von Rupperswil vorgegangen ist.

Kinderpornografie

Inzwischen ist klar: bei Thomas N. wurde kinderpornografisches Material gefunden, das er aus dem Internet heruntergeladen hatte. Ob es sich dabei ausschliesslich um Videos und Bilder mit Jungen handelt, ober ob auch Material mit Mädchen gefunden wurde, beantwortet die Staatsanwaltschaft nicht.

Hingegen hält Fiona Strebel erstmals klar fest, dass die Gerüchte, der Vierfachmörder habe sein Geständnis widerrufen, nicht stimmen. „Das ist falsch, der Beschuldigte ist geständig und ist im vorzeitigen Strafvollzug“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.