Der Bezirk Aarau, der zweitgrösste im Kanton, hat seit dem Frühling 2009 keinen Nationalrat mehr. Es stellt sich zudem die Frage der Nachfolge von Aaraus Stadtpräsidentin Jolanda Urech (SP). Sie erreicht nächstes Jahr das AHV-Alter. Und es müssen Kandidaten aufgebaut werden, die dereinst Urs Hofmann (SP) beerben. Denn in vier Jahren wird er wohl ersetzt werden müssen: Hofmann ist dann 64. 

Der Bezirk Lenzburg hat ebenfalls keinen eigenen Nationalrat. Und der Lenzburger Stadtammann Daniel Mosimann ist bereits 58. Mit seinem Rücktritt am Schluss der nächsten Legislatur, also 2021, ist zu rechnen. In den Bezirken Kulm und Zofingen werden wohl die Nationalräte Silvia Flückiger (64, SVP), Corina Eichenberger (61, FDP) und Ulrich Giezendanner (fast 63, SVP) in drei Jahren nicht wieder kandidieren. Aus regionalpolitischer Sicht wären vorzeitige Rücktritte der Schöftlerin Sylvia Flückiger und des Rothristers Giezendanner nicht erwünscht: Sie würden durch
einen Ostaargauer ersetzt. Für die
Köllikerin Corina Eichenberger könnte der Aarauer Chefarzt Ulrich Bürgi ins eidgenössische Parlament nachrutschen. Doch er ist auch schon 59. Die Zofinger diskutieren, ob ihr Stadtammann, der heute 63-jährige Hans-Ruedi Hottiger, 2017 wieder antreten wird. Bei den Grossratswahlen will er es jedenfalls nochmals wissen (auf der Liste der CVP).

Wer könnte es – abgesehen von Ulrich Bürgi – aus dem Bezirk Aarau nach Bern schaffen? Bei den Nationalratswahlen 2015 hat auf der Liste der Freisinnigen die Suhrerin Maja Riniker (38) überraschend gut abgeschnitten. Es fehlten ihr nur 3000 Stimmen für eine Wahl. Die dreifache Mutter ist 2014 in den Grossen Rat nachgerutscht. Bei der SP ist der Leitende Arzt Jürg Knuchel (58, Aarau) zweiter Ersatz auf der Nationalratsliste. Wegen der Gesamtkonstellation kann er sich aber kaum Hoffnungen auf einen Sprung nach Bern machen. Schaffen könnte es bei den Wahlen 2019 Clemens Hochreuter (36, Aarau). Er erreichte 2015 den guten vierten Ersatzplatz auf der SVP-Nationalratsliste.

Das führt zur Frage, wer Aarauer Stadtpräsident wird. Jolanda Urech hat sich noch nicht dazu geäussert, ob sie 2017 wieder kandidieren wird. Beobachter halten das für wahrscheinlich – allenfalls mit dem heimlichen Plan, später vorzeitig zu gehen. Denn der SP fehlt eine Alternative zu Jolanda Urech. Stadt- und Grossrätin Franziska Graf-Bruppacher (45) vermochte sich nicht so richtig zu profilieren. Bedrängt wird sie vor allem von der ehrgeizigen Stadtpartei-Präsidentin Gabriela Suter (44). Diese müsste jetzt den Sprung in den Grossen Rat schaffen, um dereinst eine potenzielle Stadtammann-Kandidatin zu sein. Ganz genau analysieren wird das Ergebnis vom 23. Oktober auch Lukas Pfisterer (43). Für ihn ist es der erste Formtest seit der verlorenen Stadtammann-Wahl 2013: Soll er es später nochmals versuchen, in Aarau ganz nach oben zu kommen? Oder soll er bei den Nationalratswahlen 2019 auf die Nachfolge von Corina Eichenberger spekulieren? Die SVP hat bei Stadtratswahlen viele Niederlagen erlitten. Sie will 2017 angreifen: Kandidiert Clemens Hochreuter für den Stadtrat? Hat er dabei Ammann-Ambitionen im Hinterkopf?

Im Bezirk Zofingen werden die Nationalrats-Söhne Christian Glur (41, SVP, Murgenthal) und Benjamin Giezendanner (34, SVP, Rothrist) mit Garantie wieder in den Grossen Rat gewählt. Doch wer schneidet besser ab? Und was für ein Resultat macht die Senkrechtstarterin Martina Bircher (32, SVP, Aarburg)? Der aktuelle Formstand dieser drei wird mitentscheidend sein, wenn es 2019 um die Nachfolge von Vater Giezendanner geht. Im Bezirk Kulm könnte sich Karin Bertschi (26) mit einem Top-Resultat in eine gute Position im Kampf um das Flückiger-Erbe manövrieren. Im Bezirk Lenzburg werden Maya Bally (55, BDP) 2019
Nationalrats-Chancen zugetraut– falls ihre Partei bis dann nicht marginalisiert ist oder sie nicht anderswo Unterschlupf findet.

Und wer könnte Regierungsrat Hofmann ersetzen? Die Auswahl dürfte klein sein, wenn der Westaargau weiterhin in der Regierung vertreten sein soll. Es werden wohl nur SP-Leute infrage kommen. Wird der aktuelle Grossratspräsident Marco Hardmeier (40) dann so weit sein? Oder schafft Gabriela Suter eine Traumkarriere?

Es geht um viel am nächsten Wochenende. Wählen lohnt sich.