Aarau–Menziken
An pünktlichen Busbetrieb zwischen Aarau und Menziken glaubt keiner

Der Bund will nicht rentierenden Bahnlinien durch Busse ersetzen. Betroffen wäre auch die WSB-Strecke Aarau-Menziken. Was macht Bus statt Bahn für Sinn? Wir haben Passagiere befragt.

Peter Siegrist und Aline Wüst
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Die WSB transportiert auf ihrem Netz jährlich 5,7 Mio. Passagiere. Viele von ihnen steigen in Aarau aus oder um.

Die WSB transportiert auf ihrem Netz jährlich 5,7 Mio. Passagiere. Viele von ihnen steigen in Aarau aus oder um.

Peter Siegrist

Zwei Redaktionsmitglieder fahren über Mittag mit der WSB von Aarau nach Reinach. Der Zug ins Oberwynental ist gut besetzt, viele Schüler fahren mit der Bahn nach Hause zurück. Die beiden Journalisten sprechen jüngere und ältere Passagiere auf eine mögliche Stilllegung der WSB-Strecke Aarau–Menziken an.

Die erste Erkenntnis: Alle befragten Personen wissen über diese Idee aus der Bundesverwaltung Bescheid. Die zweite Erkenntnis: Niemand findet Gefallen an einer möglichen Einstellung des Zugbetriebs und so richtig glauben will auch niemand daran.

Auf einer Liste von unrentablen Regionallinien ist auch die WSB-Strecke Aarau–Menziken aufgeführt. In den zwölf Gemeinden des Wynentals wohnen 30000 Menschen. Viele Oberwynentaler pendeln täglich talabwärts zur Arbeit oder zur Schule.

Benjamin Sachland (36) «Daumen runter für die Aufhebung der Zuglinie. Vor allem wenns Schnee hat, würde sich die Reisezeit verlängern. Ich fahre jeden Tag nach Zürich und arbeite jeweils im Zug.»
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Ida Peterhans (71) «Ich besuche jemanden in Rickenbach und fahre das erste Mal mit der WSB. Ich bin viel mit dem Zug unterwegs. Es wäre mir egal, wenn hier ein Bus fahren würde, aber nur wenn er nicht länger hat.»
Felix Piringer (17) «In der WSB sind die Türen oft defekt und die Züge haben Verspätung, darum hätte ich lieber eine Liste mit mangelhaften Zügen, die ersetzt werden sollen. Ich fahre trotzdem täglich damit.»
Tamara Miloradovic (21) «Ich studiere in Olten und fahre über 5 Stunden mit der WSB pro Woche. Bus kann ich nicht fahren, da wird mir übel. Um zu sparen, könnte man doch auch im Halbstundentakt fahren.»
Blerim Gashi (19) «Ich komme gerade aus der Berufsschule und fahre zum Arbeiten in die Romay. Das ist meine Mittagspause, ich esse und höre Musik. Ob im Bus oder im Zug spielt mir eigentlich keine Rolle.»
Sereina Gautschi «Es sind mega viele, die täglich aus dem Wynental nach Aarau reisen müssen. Ob das funktionieren würde mit Bussen? Ich finds auf jeden Fall gemütlich mit dem Zug, obwohl es langweilig ist.»
Elena Schmid (40) «Ich fahre mit der WSB, weil mein Auto in der Garage ist. Gibt es einen Bus, braucht er eine Extraspur. Überflüssig finde ich übrigens den Viertelstundentakt und zu teuer ist die WSB auch.»
Nadja Eugster (28) «Der Zug ist toll. Hier habe ich so viel Platz. In meiner Heimat Kuba gibt es weder Bus noch Zug, sondern hauptsächlich Pferdekutschen. Der Zug ist darum wirklich toll.»
Cäcilia Zürcher (49) «Wenn irgendwann ein Bus und kein Zug mehr fährt, steige ich aufs Auto um. Aber es wäre sowieso ein Blödsinn, wenn man die Zuglinie einstellen würde. Wo man doch so viel investiert hat.»
Fabian Tschopp (17) «Der Viertelstundentakt ist super, wenn man verschläft. Der Platz ist jedoch immer ein Problem. Die erste Klasse darum überflüssig. Mit Bussen wäre es noch schlimmer und vor allem langsamer.»

Benjamin Sachland (36) «Daumen runter für die Aufhebung der Zuglinie. Vor allem wenns Schnee hat, würde sich die Reisezeit verlängern. Ich fahre jeden Tag nach Zürich und arbeite jeweils im Zug.»

Peter Siegrist

Die WSB-Strecke ist eine klassische Zubringerlinie, die es den Oberwynentalern ermöglicht, via Aarau die grossen Zentren mit dem öffentlichen Verkehr zu erreichen. Besonders betont werden von den Passagieren die Pünktlichkeit der Züge und die Möglichkeit im Zug zu lesen oder zu lernen. Das wäre im Bus nie möglich, sagt die Studentin Tamara Miloradovic, dort sei es enger, die Fahrt unruhiger. «Überhaupt, im Bus wird mir übel.»

Als der Zug Suhr passiert, sagt eine Passagierin, sie denke nicht, dass Autobusse zu den Stosszeiten eine Chance hätten, den Fahrplan einzuhalten, sondern im Stau stecken blieben, währenddessen die Bahn flott vorankomme. Recht hat wohl AAR bus+bahn Direktor Matthias Grünenfelder, der sich in der Aargauer Zeitung zitieren liess, die Busse müssten wohl auf eigenen Trassees fahren, um die gleiche Leistung zu erbringen.