Mag eigentlich irgendjemand die Markthalle? Seit bald 15 Jahren steht das Bauwerk auf dem Färberplatz, wurde mittlerweile preisgekrönt, aber so richtig zufrieden schien damit – abgesehen von der Fachpresse – keiner zu sein. Oder liegt es nicht am Gebäude selber, sondern an dessen Positionierung im Raum? «Die Markthalle verstehe ich städtebaulich überhaupt nicht», sagte kürzlich die in Aarau aufgewachsene Stadtentwicklerin Fabienne Hoelzel in einer Diskussionsrunde.

Wie dem auch sei: Die Markthalle beschäftigt nun auch – wieder einmal – den Stadtrat. Grund dafür ist eine Anfrage von Einwohnerrat Peter Roschi (CVP). Er findet, die Zeit sei gekommen, um «mal zu schauen, wie sich dieser Bau bewährt hat». Recht unverblümt ist die letzte Frage auf Roschis Liste: «Kann sich der Stadtrat vorstellen, die Markthalle abzubrechen – und wenn nein, warum nicht?»

Peter Roschi sagt gegenüber der az, er habe von einigen Einwohnerratskollegen zustimmende Worte zu seiner Anfrage mit der provokativen Frage Nummer 8 gehört – im Sinne von «Endlich sagt’s mal jemand». Auch hätten ihm gegenüber schon viele Aarauer ihren Ärger über die Markthalle ausgedrückt hätten, was ihn zur Anfrage an den Stadtrat bewogen habe.

Zelte in der Halle?

Roschi beteuert, ihm gehe es nicht etwa um die Optik der Halle – «Damit kann man leben» –, sondern vielmehr um deren Zweckmässigkeit. Denn: Wind- und wetterfest ist das im oberen Teil seitlich offene Bauwerk nicht. «Es regnet gerne mal hinein», sagt Roschi. «An Anlässen wie ‹Musig i de Altstadt›, dem MAG oder beim Kerzenziehen müssen jeweils Zelte in der Markthalle aufgestellt werden.» Dies mache die Halle überflüssig – da könnte man das Gebäude auch gleich ganz abreissen, den Platz als solchen sein lassen und bei Veranstaltungen Zelte unter freiem Himmel aufstellen, so der Einwohnerrat.

Ganz so drastisch muss die Lösung ja vielleicht nicht aussehen. Roschi fragt den Stadtrat auch, ob dieser Massnahmen zur Verbesserung der Situation plane und ob die Stadt über Elemente verfüge, mit denen sich das offene obere Drittel der Halle abdichten liesse. Von der Existenz solcher Abdeckungen hat der CVP-Einwohnerrat gehört, ob es sie wirklich gibt, soll der Stadtrat nun beantworten. Fakt ist: Die Verglasung des offenen Teils war im Einwohnerrat schon mal vorgeschlagen, die Idee aber verworfen worden.

Peter Roschi will zudem wissen, ob bei den Nutzern der Markthalle eine Zufriedenheitsumfrage gemacht wurde, an wie vielen Tagen die Halle genutzt wie viel durch die Miete eingenommen wird. Aber auch, was der Unterhalt der Halle kostet und wie hoch die jährlichen Abschreibungen ausfallen.

«Markthalle ist ein Fremdkörper»

Es ist nicht das erste Mal, dass der Abbruch der Markthalle zur Debatte gebracht wird. 2012 besagte eine von der Detaillistenvereinigung Zentrum Aarau in Auftrag gegebene Analyse, der Raum zwischen den Toren und somit auch die Markthalle seien ein Hindernis auf dem Weg in die Altstadt. Der Analyst, Stadtplaner Peter Kotz, hatte es so ausgedrückt: «Die Markthalle ist ein Fremdkörper, der jedem Passanten, der vom Graben her in die Altstadt gelangen will, im Weg steht.»