«Es braucht einen Perspektivenwechsel», erklärte Margrit Stamm. «Wir müssen den Blick zum Potenzial der Älteren hinwenden.» Die emeritierte Professorin für Pädagogische Psychologie und Erziehungswissenschaft referierte an der Expovita über Begabungsreserven und Talente der Senioren. Ein Gang durch die Ausstellung zeigte, dass sich die ältere Generation tatsächlich für mehr als Rollstühle und Pflegedienste interessiert.

Neue Sprachen und Rockmusik

Da waren beispielsweise das Kursangebot der Migros-Klubschule oder das Reisebüro, das Sprachreisen für Senioren organisiert. Dies ganz im Sinne von Margrit Stamm, die meinte: «Auch das Lernen einer neuen Sprache ist möglich.» Dass modische Kleidung keine Frage des Alters ist, bewies ein Bekleidungsgeschäft, das unter dem Motto «Altern mit Stil» eine Modeschau zeigte. Die Grossmütterband «Crème brûlée» unterhielt ihr Publikum nicht etwa mit Ländler oder Schlagermusik, sondern rockte den «Tiger Rag».

Die Ausstellung wie auch das Rahmenprogramm mit Vorträgen und einer Podiumsdiskussion stiessen auf grosses Interesse. «Wir wollten eine niederschwellige Plattform anbieten, an welcher sich die Menschen umfassend informieren können», erklärte Erkan Cokicli vom Schweizerischen Roten Kreuz Aargau, welche die Expovita organisierte. «Wir haben bemerkt, dass viele Leute nicht wissen, welche Möglichkeiten und Angebote es in der Region gibt.» Mit dem Publikumsaufmarsch war er sehr zufrieden. «Auch die Aussteller haben sich positiv geäussert», meinte Cokicli. Möglicherweise wird die Messe zukünftig im Zweijahresrhythmus durchgeführt.

Hilfe beim Flaschenöffnen

Die Aussteller deckten einen weiten Bereich des Gebietes ab, das für Senioren interessant und wichtig ist. Das Schweizerische Rote Kreuz stellte Fahrdienst und Tagesstätten vor, Kliniken und Betreuungsdienste warben für ihre Angebote, wer noch allein wohnen kann, interessierte sich eher für eine Alterssiedlung. Auf grosses Interesse stiessen die kleinen Hilfsmittel, welche Senioren den Alltag erleichtern, sei es ein Rollator, der mit wenigen Handgriffen zum Rollstuhl wird, oder ein Aufsatz, der beim Öffnen eines Flaschenverschlusses hilft.

Auch Blutdruck und Zucker konnten sich die Besucher vor Ort messen lassen, ebenso beliebt waren Augen- und Hörtests und der TCS bot einen Simulator an, an welchem man seine Fahrtüchtigkeit überprüfen konnte. Viele Besucher sammelten Informationsmaterial und Flyer: Für einen möglicherweise später eintreffenden Eigenbedarf oder, wie eine freiwillige Rotkreuzfahrerin erwähnte, um sie den Kunden weiterzugeben.