Ein kühles Landschaftsidyll aus dem 16. Jahrhundert direkt neben einem poppigen, angedeuteten Aktbild in Rot und Gelb, eine schwungvolle Stadtansicht des scheinbar brennenden Aarau neben einem gezeichneten Bauernkopf von Albert Anker.

Auf den 200 Metern Wandfläche, die derzeit im Kulturzentrum Bärenmatte in Suhr aufgestellt sind, finden gut 1000 Bilder Platz. Und zwar solche aus allen Epochen und Stilrichtungen, denn Organisator Beat Bianchi, Kurator Bilder des Schlosses Wildenstein, hat keinerlei Grenzen festgelegt. 

Kunst zum Schnäppchenpreis in Suhr

Kunst zum Schnäppchenpreis in Suhr

Wichtig ist dem ehemaligen Aarauer Galeristen nur, dass Kunst ihren Besitzer wechseln kann. «Viele Leute haben mir immer wieder gesagt, sie würden sehr gerne Bilder kaufen, hätten aber den Keller noch voll davon.

Da kam mir die Idee zur ersten Aargauer Bilderbörse», erklärt er den Werdegang, der bis ins Jahr 1994 zurückreicht. Mit einigen Jahren Pause zwischendurch ist dies nun bereits die elfte Börse dieser Art. Und der Andrang habe in all den Jahren nicht abgenommen, freut sich Bianchi.

Schmuckbörse Suhr

Ein Original von Rudolf Mirer

Gestern ab 16 Uhr konnten Verkaufswillige ihre alten und neueren Schätze von den Kunst- und Schmuckkennern um Bianchi begutachten und bewerten lassen. Die Experten wurden beinahe überrannt.

«Es ist jedes Jahr spannend, zu sehen, welche Bilder die Leute mitbringen. Einige haben Werke geerbt und können nichts damit anfangen, anderen gefallen ihre Bilder einfach nicht mehr.»

Da er selber nicht jeden Maler kennen kann, hat er eine offizielle Online-Liste, in der die Künstler und ihre Werke aufgeführt sind. Schon nach wenigen Minuten fand Bianchi aber den ersten Schatz: «Ein Original von Rudolf Mirer wurde von uns auf 11 500 Franken geschätzt, das ist bisher das teuerste Stück an der Börse», sagte er erfreut.

Daneben sind auch eine Zeichnung von Albert Anker (3500 Fr.) und eine Lithografie von Joan Miró (1500 Fr.) zu erwerben. Wie jedes Jahr seien zudem viele vergessene Aargauer Künstler vertreten.

Für das kleinere Portemonnaie seien aber auch Bilder für unter 100 Franken erhältlich. «Aus Erfahrung wissen wir, dass jeweils rund ein Viertel aller Bilder verkauft werden kann.»

Schmuckbörse Suhr

Nur echter Schmuck 

Seit einigen Jahren wird neben den Bildern auch Schmuck in der Börse verkauft. Die beiden Juweliere Tuma Thomann und Thomas Widmer aus Aarau haben diesen gestern genau begutachtet und «den Leuten faire Preise dafür festgelegt», erklärte Thomann.

Mitorganisatorin Ruth Wettstein berichtete lächelnd: «Eine Frau kam vorbei, um ihren Ring zu verkaufen. Aber als sie hörte, dass er etwa 5000 Franken wert ist, steckte sie ihn sich an den Finger und ging damit strahlend wieder heim.»

Verkauft wird ausschliesslich echter, kein Modeschmuck. «Ein Collier wurde vor Jahren für 18 000 Franken verkauft, aber auch hier ist Schmuck für unter 100 Franken erhältlich», so Bianchi.

Elfte Aargauer Bilder- und Schmuckbörse, 23. bis 25. Oktober: Freitag (19 bis 22 Uhr), Samstag (10 bis 19 Uhr), Sonntag (11 bis 16 Uhr), Bärenmatte Suhr.