Biberstein
Amphibien-Taxi rettet Frösche und Kröten vor dem Strassentod

Der zunehmende Verkehr auf der Kantonsstrasse hatte zur Folge, dass immer mehr Frösche und Erdkröten von Autos überfahren wurden. Vor drei Jahren nun wurde eine Lösung gegen diese Mortalität gefunden.

Seraina Ummel (Text und Fotos)
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Mit dem «Taxi» gelangt die Erdkröte sicher zu ihrem Laichplatz.

Mit dem «Taxi» gelangt die Erdkröte sicher zu ihrem Laichplatz.

Ein stetiges Rauschen des Baches ist zu hören, die feuchte Luft riecht nach Bärlauch. Heute Freitagnacht sollen sie kommen, angelockt von den milden Februartemperaturen und dem Nieseln: die Amphibien, welche sich nachts zwischen Februar und April auf Wanderschaft zu ihren Laichgewässer machen.

Die Frösche, Molche und Kröten jedoch begeben sich für ihren Nachwuchs in Lebensgefahr. Die Kantonshauptstrasse in Biberstein Ihegi, zwar nur wenige Meter breit, schlängelt sich wie eine dicke Schlange den Hügel hinauf und schneidet den Tieren den Weg ab. Jahrelang wurden die Frösche von Autos überfahren, bis vor drei Jahren eine Lösung gefunden wurde: Ein Amphibien-Zaun wurde erbaut, welcher die Amphibien von der Strasse abtrennt.

Der 130 Meter lange Zaun besteht aus hartem, braunem Kunststoff und wurde von der ANL AG Natur und Landschaft, erbaut. Damit werden die Tiere vom gefährlichen Weg zu ihrem Laichgewässer abgehalten, und auf der Suche nach einem Durchgang fallen sie in diverse Kübel, die im Boden eingebaut sind. Doch was geschieht mit den gefangenen Tieren?

Der Naturschutzverein Biberstein nahm sich dieser Frage an und stellt momentan sechs Freiwillige zur Verfügung, welche abends und frühmorgens die Tiere sicher über die Strasse tragen. Eine von ihnen ist Martina Keller. Als Biologin ist sie sich der Wichtigkeit der Amphibien bewusst: «Obwohl der Mensch keinen direkten Nutzen von diesen Tieren hat, muss die Biodiversität erhalten bleiben. Sie stellen einen wichtigen Bestandteil des Ökosystems dar, indem sie beispielsweise Insekten vertilgen», betont sie.

391 Individuen wurden letztes Jahr sicher über die Strasse getragen. Die Wanderung setzt oft plötzlich ein, sodass verteilt über einige wenige Tage die meisten Tiere gezählt werden. In diesen Nächten können bis zu 100 Tiere auf einmal kommen, dazwischen wieder nur Vereinzelte. Anzutreffen sind vor allem Grasfrösche und Bergmolche, aber auch Erdkröten und Feuersalamander.

Aufgrund des Klimawandels wird es immer schwieriger, herauszufinden, wann genau die Wanderung der Tiere beginnt. Dieses Jahr seien sie früh dran, sagt Martina Keller. «Die Amphibienwanderung hängt vor allem von der Temperatur ab. Ist es über 5 Grad Celsius und hat es viel geregnet, so erwachen die Amphibien.»

Während des Winters verkriechen sich die Tiere im Boden in der Erde oder unter Laub. Noch immer unbekannt ist der genaue Standpunkt der Laichgewässer. «Die Tiere laichen nicht in Fliessgewässern wie in einem Wildbach, da er zu viel Strömung hat. Ihnen ist es in seichtem Gewässer wie in Tümpeln an der Aare oder in einem Teich lieber», sagt Keller. Auch sollten die Gewässer fischfrei sein, denn diese würden die Eier der Frösche auffressen.

Zwar werden noch immer tote Tiere gefunden, welche den Zaun überspringen oder umgehen und deshalb überfahren werden. Der Zaun wird aber jedes Jahr verlängert, sodass die Mortalität jährlich abnimmt. Die Ausbeute von Freitagnacht ist erfreulich: Eine Erdkröte, drei Grasfrösche und ein Bergmolch konnten sicher über die Strasse getragen werden. Mit viel Idealismus und bei Wind und Wetter legen die freiwilligen Helfer den Grundstein für die Amphibien-Nachkommen.