Buchs

Ammann zum Wegzug der TNT Swiss Post: «Ich bin sehr enttäuscht»

Auf dem freien Feld unten im Bild hätte die TNT bauen sollen; derzeit ist sie auf der anderen Strassenseite ansässig.

Auf dem freien Feld unten im Bild hätte die TNT bauen sollen; derzeit ist sie auf der anderen Strassenseite ansässig.

Das Logistikunternehmen «TNT Swiss Post» verlagert seinen Hauptsitz mit über 300 Arbeitsplätzen von Buchs nach Oftringen. Der Gemeindeammann Urs Affolter hatte geahnt, dass bei der TNT Swiss Post etwas im Busch ist.

Der geplante Wegzug der TNT Swiss Post AG nach Oftringen trifft die Gemeinde Buchs hart. Sie hatte damit gerechnet, dass die TNT, heute auf einem Grundstück der Lagerhäuser Aarau AG eingemietet, innerhalb des Dorfes zügelt. Insgesamt gibt es in Buchs etwa 4500 Arbeitsplätze; die TNT stellt über 300 davon. Sie ist eine der grossen Arbeitgeberinnen in Buchs, zusammen mit den Migros-Industriebetrieben Chocolat Frey und Mibelle sowie der Swisslog.

Was konkret bedeutet es für die Gemeinde, dass die TNT ihren Sitz verlegt? Die «Schweiz am Wochenende» hat bei Ammann Urs Affolter nachgefragt.

Herr Affolter, eigentlich hat die Gemeinde Buchs der TNT den Weg bereitet, damit sie einen Neubau im Gebiet Neubuchs Ost realisieren kann. Seit wann wissen Sie, dass daraus nichts wird?

Urs Affolter: Sicher weiss ich es erst seit dem Mittwoch. Der CEO kam persönlich vorbei, um es mir mitzuteilen. Aufgrund der Anzeichen seit der Übernahme der TNT durch Fedex habe ich vermutet, dass Alternativen geprüft wurden. Auf mehrmaliges Nachhaken meinerseits bekam ich aber seitens der TNT keine konkreten Antworten. Sie hat jedoch den Planungsprozess nicht gestoppt und noch im Dezember fanden Gespräche zwischen dem Investor und der Gemeinde statt.

Was war Ihre erste Reaktion auf die Hiobsbotschaft?

Ich muss sagen, dass ich sehr enttäuscht bin. Alles andere wäre beschönigend. Die Gemeinde hat sich über Jahre für das Unternehmen engagiert und die Umzonung –trotz erheblichen Diskussionen – ermöglicht. Mit dem deutlichen Ja zur Teiländerung der Nutzungsordnung hat der Einwohnerrat ausserdem ein grosses Bekenntnis für die Firma und den Standort Buchs abgegeben. Weiter hat uns der Kanton Ende 2017 den positiven Vorprüfungsbericht für den Neubau der TNT übermittelt und die Auflage des Gestaltungsplans sollte in diesen Wochen erfolgen.

Das Grundstück Neubuchs Ost ist auf vier Seiten begrenzt – durch Wohnhäuser, Strasse, Bahnlinie und Suhre. Ist das der Grund, weshalb die TNT nun doch nicht dorthin ziehen will?

Gemäss Aussage des CEO der TNT ist das so. Die Logistikbranche wächst. Das Grundstück in Oftringen soll deutlich grösser sein und bietet der TNT offenbar mehr Entwicklungsmöglichkeiten, ausserdem befürchtete die TNT langwierige Einwendungsverfahren.

Hatte die Gemeinde finanzielle Auslagen in der Planungsphase?

Nur für den Verwaltungsaufwand, den wir der TNT natürlich in Rechnung stellen werden. Aber das ist für uns wirklich nicht der zentrale Punkt. Schlimmer ist – nicht nur für die Gemeinde – dass 300 Arbeitsplätze aus der Wirtschaftsregion Aarau abwandern.

Verloren gehen auch Aktiensteuergelder. Die TNT war ein guter Steuerzahler. Ist absehbar, wie sich das auf die Gemeindefinanzen auswirkt?

Jede Abwanderung eines guten Steuerzahlers ist bedauerlich. Wir werden alles daran setzten, mit neuen Firmenansiedlungen Arbeitsplätze und damit auch Steuersubstrat zu generieren.

Die Parzelle Neubuchs Ost, auf welcher die TNT ursprünglich ihren Neubau plante, gehört einem älteren Investor. Was passiert jetzt damit?

Die vom Einwohnerrat beschlossene bedingte Umzonung von einer Gewerbezone in eine Industriezone war an das Projekt der TNT geknüpft, sie wird also jetzt hinfällig. Bezüglich der weiteren Planung bin ich bereits im Gespräch mit dem Investor. Wie übrigens auch mit der Lagerhäuser Aarau AG. Der Gemeinderat wird die Situation aktiv angehen und das Mögliche unternehmen, damit das Gebiet nicht brachliegt und neue Firmen angesiedelt werden können.

Klingt, als würde sich der Gemeinderat nach dem ersten Schock wieder aufrappeln. Gibt es konkrete Pläne?

Es gibt erste Ideen, aber natürlich noch keine Projekte, über die man jetzt schon sprechen könnte. Wichtig ist: Wir schauen in die Zukunft.

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