Densbüren

Ammann nach Nein zum Zukunftsraum: «Wir brechen mitten im Rennen ab, das ist schade»

Der Densbürer Ammann Roger Meyer.

Der Densbürer Ammann Roger Meyer.

Bravorufe und Bedauern: Wie Politiker beiderseits der Staffelegg auf Densbürens Ausstieg aus dem Fusionsprojekt Zukunftsraum Aarau reagieren.

«Der Gemeinderat ist überzeugt: Diese Fusion ist gut aufgegleist und eine stimmige Geschichte. Es ist extrem schade, dass die Mehrheit das nicht erkannt hat.» – Das sagt der Densbürer Ammann Roger Meyer am Tag nach der Gemeindeversammlung. Die Densbürer haben sich am Mittwochabend mit 61 Ja zu 81 Nein bei 13 Enthaltungen aus dem Fusionsprojekt «Zukunftsraum Aarau» verabschiedet.

Für den Ammann hielt sich die Überraschung über das Resultat in Grenzen: «In den letzten zwei Wochen haben wir gemerkt, dass sich die Gegnerschaft recht stark formiert. Und als ich an der Gemeindeversammlung die Zusammensetzung der anwesenden Stimmberechtigten sah, war mir klar, dass es knapp werden könnte. Die Gegner haben stark mobilisiert. An dieser Gemeindeversammlung waren viele Stimmbürger, die ich noch nie zuvor an einer Gmeind gesehen habe – und wohl auch nicht so schnell wieder sehen werde.»

Das ist der Stand in Sachen Zukunftsraum Aarau am 17. September 2020.

Das ist der Stand in Sachen Zukunftsraum Aarau am 17. September 2020.

Emotionen hätten zum Nein geführt

Worauf führt er die Ablehnung zurück? Es scheinen vor allem emotionale Gründe eine Rolle gespielt zu haben, deutet der Ammann an. «Ich denke, die Angst vor Veränderung und die Angst vor Identitätsverlust als Teil eines grösseren Gebildes waren zu gross – wie bei anderen Fusionen.» Es sei auch schwierig gewesen, mit Argumenten überhaupt anzukommen, weil sich nicht jeder auf die Diskussion habe einlassen wollen – «dann hätte man ja vielleicht seine Meinung ändern müssen».

Generell habe man feststellen können, dass diejenigen, die den Prozess über die letzten Jahre begleitet haben, die Vorteile einer Fusion viel eher gesehen hätten.

Meyer hatte an der Gemeindeversammlung betont, dass es im nächsten Sommer ohnehin noch einmal eine Fusionsabstimmung – dann an der Urne – gäbe. An der Gmeind vom Mittwochabend lag die Stimmbeteiligung bei knapp 28 Prozent. Zum Vergleich: Als vor einem Jahr die möglichen Fusionsabklärungen mit Herznach und Ueken an die Urne kamen, gaben 64 Prozent ihre Stimme ab.

 «Ich bin mir nicht sicher, ob ein Referendum gut wäre»

Ein Referendum wäre möglich. Der Ammann rechnet aber eher nicht damit, dass es jemand ergreift. «Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ein Referendum überhaupt gut für Densbüren wäre. Das könnte das Dorf entzweien.» Der Entscheid wird am 24. September publiziert. Ab dann und bis zum 26. Oktober können 139 Densbürer Stimmberechtigte mittels Unterschrift einen Urnengang erzwingen. Der Gemeinderat müsse dessen Datum noch festsetzen, aus zeitlichen Gründen wäre eine Abstimmung am 29. November – dem nächsten regulären Abstimmungstermin – nicht möglich.

Der Gemeinderat muss es nehmen, wie es kommt. «Uns wäre es wichtig gewesen, den Weg bis zum Ende zu gehen und dann zu entscheiden. Jetzt brechen wir das Rennen mitten im Rennen ab, das ist schade», sagt Meyer jetzt. Er und die anderen Mitglieder des Gemeinderates, die sich allesamt für die Fusion stark gemacht hatten, seien zwar enttäuscht, können das Resultat aber akzeptieren, sagt der langjährige Ammann. Froh sei er darum, dass er seinen Rücktritt per Ende Jahr bereits vor einiger Zeit kommuniziert habe – sonst hätte jemand auf die Idee kommen können, er gehe aus Groll.

Reaktionen auch aus Aarau

Auf der anderen Seite der Staffelegg hat der Entscheid natürlich ebenfalls für Aufsehen gesorgt. «Bravo Densbüren, ein richtiger Entscheid», schrieb zum Beispiel der Aarauer SVP-Einwohnerrat und Mitglied des Zukunftsraum-Referendumskomitees, Max Suter. Anders klingt es beim Stadtpräsidenten Hanspeter Hilfiker: «Es ist schade, dass sich die Gemeindeversammlung Densbüren gegen den Zukunftsraum entschieden hat. Ich bin nun gespannt, ob es zu einem Referendum kommt.»

Was die geplanten Strukturen und Prozesse des Zukunftsraums betreffe, bedeute der Ausstieg von Densbüren keine grundlegende Veränderung. «Die Verwaltungsstandorte und die Wahlkreise bleiben bestehen. Natürlich wird geprüft, ob es im Wahlkreis Nord allenfalls zu einer Sitzverschiebung kommt.»

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