Das neue Suhrer Primarschulhaus an der Tramstrasse braucht Platz – Platz machen muss ihm Haus Nummer 20 mit Baujahr 1927. Die Abbrucharbeiten locken Schaulustige an und jeder hat etwas zum Haus zu erzählen. Da steht zum Beispiel eine ehemalige Mieterin und zeigt in den obersten Stock: «Die Türrahmen habe ich schwarz angemalt, mit Klavierlack.»

Toberei im Obstgarten

Auch Artur Fäs bleibt vor den Gittern stehen. Er sei hier aufgewachsen, sagt er. Als er knapp zwei Jahre alt war, um 1940, sei seine Familie hier eingezogen. «Hinter dem Haus gab es einen Saustall und einen Hühnerhof, grosse Kirsch- und Apfelbäume», erzählt er. Von den Schulhäusern war noch keine Spur, nur der Fussweg zur Badi führte über das Land. Da hätten er und die Nachbarsbuben sich austoben können, sagt Fäs und lacht. Eine schön wilde Bande seien sie gewesen, da habe es ab und zu ein Pflaster gebraucht.

Ab zirka 1941 gehörte die Liegenschaft Walter Schmid, der darin ein Hafner- und Plattengeschäft betrieb. Die Scheune wurde ebenfalls im Jahr 1941 zu Wohnungen umgebaut. Im Jahr 1951 baute Schmid ein Ladenlokal ein, das bis Ende 2014 verschieden genutzt wurde.

Fernseher im Schaufenster

Fäs erinnert sich auch an die Zeit, als sich die Suhrer am Schaufenster des Radiogeschäfts die Nasen platt drückten, weil hier die allerersten Fernsehgeräte standen. Später richteten sich im Ladenlokal ein Reformhaus und dann Coiffeur-Schweizer-Meister Ferdy Ploschak ein. Ein Coiffeurgeschäft blieb es bis zum Schluss.

1981 war die Liegenschaft an die Einwohnergemeinde verkauft worden, welche das Grundstück in die öffentlichen Zone integrierte und so Platzreserve für spätere Schulgebäude schaffte. Nun ist es so weit. Stimmt ihn der Abriss traurig? Fäs schüttelt den Kopf: «Das ist der Lauf der Dinge.»