Aarau

Am Ostersonntag wird die Bevölkerung der Stadt Aarau an die ruhmreiche Zeit der Republik erinnert

Vereinsvorstand mit der Fahne: Stephan Müller, Peter Roschi. Daneben Ivica Petrusic, Lena Friedli und Stadtarchivar Raoul Richner.

Vereinsvorstand mit der Fahne: Stephan Müller, Peter Roschi. Daneben Ivica Petrusic, Lena Friedli und Stadtarchivar Raoul Richner.

Am 25. Januar 1798 wurden – erstmals seit der Reformation und auch gleich zum letzten Mal – die Bündnisse der Alten Eidgenossenschaft beschworen. Dies im Rahmen der rund einen Monat dauernden letzten Tagsatzung, die in der bernischen Untertanenstadt Aarau stattfand. Doch der Schwur erwies sich als nutzlos: Nach dem militärischen Debakel im Grauholz kapitulierte das von den Eidgenossen weitgehend verlassene Bern am 5. März 1798 vor den Franzosen.

Damit wendete sich das Blatt zu Gunsten der liberalen «Patrioten»: Am 20. März dankte das berntreue Aarauer Stadtregiment endgültig ab und am 22.  März gab sich die Stadt eine provisorische Kommunalverfassung. Am 4. April wurde Aarau zur provisorischen Hauptstadt der neuen Republik mit den Farben Grün, Rot und Gold. Am 12.  April 1798 verkündete Senatspräsident und Verfassungsautor Peter Ochs von einem Fenster des Aarauer Rathauses aus die «eine und untheilbare Helvetische Republik».

Die Gründung des ersten indirekt-demokratischen schweizerischen Staatsgebildes, das freilich in seiner zentralistischen Form nur bis 1803 Bestand hatte, ist das bedeutendste Ereignis in der Geschichte Aaraus und soll künftig jeweils am 12. April gefeiert werden. Eine entsprechende Bürgermotion von Stephan Müller und Ivica Petrusic hat der Einwohnerrat am 23.  September 2019 erheblich erklärt.

Der im November gegründete Verein 12. April kümmert sich nun um die Organisation des diesjährigen Feiertags, der zufällig auf einen Sonntag – den Ostersonntag – fällt. Das Programm haben die drei Vorstandsmitglieder, die beiden Motionäre und CVP-Einwohnerrat Peter Roschi, gestern vor den Medien erläutert – und zwar im Haus zum Schlossgarten, wo sich 1798 für ein halbes Jahr das Direktorium, die Exekutive der Republik, installierte.

«Freiheit» und «Mitwirkung» als Thema

«Wir sind ein privater Verein», erklärte Peter Roschi. «Wir sind aber froh, wenn uns die Stadt unterstützt.» Und ein erstes Gespräch mit Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker sei zur vollen Zufriedenheit des Vereins verlaufen. Klar ist, dass Räume in öffentlichen Gebäuden genutzt werden dürfen: im Rathaus und im Haus zum Schlossgarten. Zudem hat dem Vernehmen nach das Stadtmuseum die Bereitschaft signalisiert, das Foyer für eine Veranstaltung am Nachmittag des 12. April 2020 zur Verfügung zu stellen.

In diesem Zusammenhang ist der Verein nach Ivica Petrusics Worten im Gespräch mit dem Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA). Kontakte bestehen auch zur Kreisschule Aarau-Buchs. Die Idee: Schulkinder thematisieren im Vorfeld auf freiwilliger Basis das Thema Freiheit, indem sie Freiheitsbäume gestalten, die dann im oder vor dem Haus zum Schlossgarten aufgestellt werden. Stadtarchivar Raoul Richner wird zwei «Revolutionsführungen» beitragen.

Schön ist, so Richner, dass in Aarau die Originalschauplätze noch sichtbar sind. Und faszinierend seien die Radikalität und das Tempo der damaligen Veränderungen. Geplant ist laut Ivica Petrusic gegen Abend «eine theatralische Komponente»: Ein Zug vom Schlossplatz zum Rathaus – vom Sitz der Exekutive zu jenem der beiden Parlamentskammern in den Anfängen der Helvetischen Republik.

Fest am Abend vor dem Rathaus

Auf dem Platz vor dem Rathaus, gegen das Adelbändli zu, soll ab 18 Uhr das abendliche Fest über die Bühne gehen – im Angesicht der mit helvetischen Fahnen beflaggten Rathausgasse. Es wird Verpflegungsstände geben – mit regionalen Produkten wie dem Aarauer Nachwächterbier.

Und zwar, wie Peter Roschi versprach, ausnahmslos in Mehrwegbehältnissen. Um 19.30 Uhr lässt der Carillon-Spieler vom Obertorturm Melodien aus der Revolutionszeit erklingen. Aus dem Rathaus ertönen kurz vor 20 Uhr Fanfarenstösse der Turmbläser.

Wer wird die Republik ausrufen?

Offen ist noch, wer quasi in die Haut von Peter Ochs schlüpft und aus dem Rathaus heraus zur Menge spricht. Zwischen 21 und 23 Uhr spielen drei, vier Aarauer Bands auf einer kleinen Bühne auf. Gemeinsam sollen sie zuvor, passend zum Anlass, «ça ira», das wohl bekannteste Lied der Französischen Revolution, intonieren.

Ansonsten gibt es Musik zwischen Ländler und Rock. «Es ist uns ein Anliegen», sagte dazu Peter Roschi, «dass das Ganze kein einseitiges Fest wird, das nur für einen Teil der Bevölkerung da ist.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1