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Am Ende der «Güseltour» gehts wieder von vorne los

In einer Projektwoche arbeiten Schüler der Kantonalen Schule für Berufsbildung beim Werkhof mit. Dabei wird Abfall gesammelt und entsorgt, was das Zeug hält.

Heidi Hess
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«Das ist sicher kein Traumberuf», sagt Dominik Gyr, Schüler an der Kantonalen Schule für Berufsbildung in Aarau (KSB). «Kaum haben wir mittags den letzten Zigarettenstummel aufgelesen, den letzten Abfalleimer am Ende unserer Route geleert, beginnen wir die Tour mit Eimerleeren und Güselaufnehmen nachmittags von vorne.» Die 16 KSB-Schülerinnen und -Schüler unterstützen eine Woche lang die Leute vom Werkhof Aarau bei ihrer täglichen Arbeit.

Schüler tragen Verantwortung

Gestern gingen die Schüler alleine auf Tour, weil sich das Werkhofteam auf einen Betriebsausflug begab. «Zufall», sagt Werkmeister Urs Kern, des Lobes voll für die Arbeit der Schüler: «Denn der Betriebsausflug findet nur alle zwei Jahre statt.» Um 8 Uhr war, wie jeden Tag, Besammlung im Werkhof Telli. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Profis vom Werkhof, die erst danach zum Ausflug starteten, eine erste Güselrunde hinter sich.

Wegen Grippefällen fuhren im orangen Bus dann lediglich 12 statt 16 Schüler zur Markthalle im Stadtzentrum. Sie fassten gelbe Sicherheitswesten, Handwagen, Müllzangen und Güselsäcke, schwärmten anschliessend Richtung Bahnhof, Kasinopark, Altstadt oder Aareufer aus. Wie jeden Tag, seit Montag, wischten sie Zigarettenstummel auf, zogen halb volle Colaflaschen aus dem Gebüsch und entsorgten Säckchen mit Hundekot. Nein, «grusig» sei es nicht, meint Steven Guldimann und auch Michael Vögtli sagt: «Manchmal riecht es halt ein bisschen. Aber das ist nicht so schlimm. Daran gewöhnt man sich.»

30 Projekte für 800 Lernende

Als eine Schülerin vorgeschlagen habe, dem Werkhofpersonal bei der Stadtreinigung zu helfen, hätten alle diese Idee gut gefunden. Weil man draussen sein könne, lautete etwa ein Argument und, weil man erkenne, was der Werkhof täglich für die Allgemeinheit tue, zudem würden die Passanten auf ihre Arbeit reagieren und ihren Abfall pflichtbewusst und korrekt entsorgen. Oder, wie Michael sagt: «Die Stadt zu putzen, das tönt einfach gut. Es macht Sinn und es ist überall Thema.»

Ganz frei in ihren Entscheiden waren die Schüler dann aber doch nicht: Eine Ferienwoche sollte die Projektwoche der KSB nicht werden. Die Schüler sollten in irgendeiner Form Verantwortung übernehmen, der Gesellschaft etwas zurückgeben. Das Projekt «Clean up Aarau City» ist eines von insgesamt 30 Projekten für rund 800 Lernende der KSB, welche verschiedene Brückenangebote zwischen Schule und Lehre im Kanton Aargau anbietet.

Lerneffekt: Sisyphusarbeit

Gerade die ständige Wiederholung, die Sisyphusarbeit, die Dominik als undankbarsten Aspekt dieser Arbeit bezeichnet, ist für Klassenlehrer Hans-Peter Urech «einer der zentralen Lerneffekte der Projektwoche. Eine wichtige Erfahrung für das künftige Berufsleben». Es ist ihm bewusst, dass seine Klasse eines der «härteren Themen» gewählt habe. Die Jugendlichen erhielten jedoch viel Zuspruch in der Stadt und er selbst sorge dafür, dass der Tag mit Kino, Bowling oder Sport ausklinge.