Aarau
Am Aarauer Fellmarkt wollen Jäger und Pelz-Händler von Tierquälerei nichts wissen

Am jährlichen Fellmarkt im Aarauer «Schützen» sind Jäger und Händler Feuer und Flamme für Pelz. Von Tierquälerei wollen sie aber nichts wissen. Die Felle könne man nicht mit denen aus Tierfabriken vergleichen.

Marina Bertoldi
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Die getrockneten Füchse liegen gestapelt bereit
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Die getrockneten Füchse liegen gestapelt bereit
Rolf Suter, Vizepräsident Aargauer Jagdaufseher und Präsident Max Schmid zeigen dem Leiter Abteilung Wald des Aargaus Alain Morier die Felle
Pelz kommt wieder in Mode. Bei Jungen sind vor allem Pompons beliebt
Auch einige Kaninchen hänhen am Ständer - kein Anblick für Zartbesaitete!
Einkäufer Sämi Zimmermann freut sich über die Felle von Jäger Sigi Noser
Fellmarkt in Aarau

Die getrockneten Füchse liegen gestapelt bereit

Marina Bertoldi

«Das sind meine», sagt Max Walde stolz und zeigt in eine Ecke im Saal des Gasthof Schützen. Von Weitem sieht man bloss einen grossen Haufen roten Fells. Erst aus der Nähe erkennt man die einzelnen Füchse. Der Anblick ist nichts für Zartbesaitete. Bäuchlings und mit weit aufgerissenen Mäulern scheinen die Tiere aufeinanderzuliegen, daneben hängen die Füchse von einem anderen Jäger kopfüber an einem Holzständer. Die Fuchsfelle sind eines der Hauptprodukte, die am jährlichen Pelz- und Fellmarkt der Aargauischen Jagdaufseher angeboten werden. Und die Pelze erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Gekauft werden sie beispielsweise von Näherinnen wie Hedy Graf. Auch sie ist mit Kollegin Beatrice Wernli am Pelzmarkt und präsentiert ihre Muffs, Fellpompons, Hüte und Kissen. Sie merke stark, dass echter Pelz wieder im Trend liege. Bei Jungen seien beispielsweise Pompons für Handtaschen oder Mützen und Schlüsselanhänger beliebt.

«Das kann man nicht vergleichen»

Auch Rolf Suter, Vize-Präsident der Vereinigung Aargauischer Jagdaufseher, ist aufgefallen, dass wieder mehr Leute Echtpelz tragen. Doch eins will er festhalten: «Pelz ist nicht gleich Pelz.» Hedy Graf schliesst sich dieser Meinung an. Sie könne nachvollziehen, dass viele Menschen durch Schreckensbilder von Pelzfarmen vom Fellkauf abgehalten werden. «Ich bin ein Gegner davon, wie Tiere im Ausland in Käfigen gehalten und bestialisch geschlachtet werden», sagt sie. Oftmals würden aber alle Pelze in einen Topf geworfen.

Rolf Suter sagt: «Die Felle hier kann man mit denjenigen aus Tierfabriken nicht vergleichen. Diese Füchse haben ein schönes Leben, springen im Wald herum und irgendwann machts Peng.» Geschossen müssten die Tiere ohnehin werden, um das Ökosystem in Gleichgewicht und Krankheiten im Zaum zu halten. «Wir verarbeiten sie zu Pelz, damit sie nicht in der Kadaversammelstelle landen.»

Ganz trocken sind sie noch nicht

Um die Felle verkaufen zu können, müssen sie zuerst abgebalgt werden. Vorsichtig werden die Tiere an der Unterseite aufgeschlitzt und Haut mitsamt Fell abgezogen. Ein erfahrener Jäger braucht dazu eine halbe Stunde. Danach werden die Felle getrocknet und zur Weiterverarbeitung verkauft. Diese lösen aber nicht nur bei Pelzhändlern und Näherinnen Interesse aus. Am Pelzmarkt sind auch einige neugierige Privatpersonen anwesend. Die meisten von ihnen halten sich ei den bereits verarbeiteten Fellen, Jacken, Hüten und Dekorationsartikeln auf. Nur wenige zieht es zu den Füchsen und wenn, dann nicht zu nah. Denn ganz trocken sind die meisten noch nicht, was sich durch einen modrig-fleischigen Geruch bemerkbar macht.

Jägern geht es nicht ums Geld

Den Jägern fällt das nicht mehr auf. Schliesslich sind einige von ihnen schon seit fast 50 Jahren im Geschäft. Damals hat man noch rund 80 Franken für einen Balg verlangen können. Heute kosten sie einen Zehntel. Sind die Pelze gelidert, also haltbar gemacht, sind sie am Fellmarkt schon ab 30 Franken zu haben. Finanziell lohnt sich das Geschäft für die Jäger nicht mehr. Trotzdem findet der Fell- und Pelzmarkt noch jedes Jahr statt.

«Wir könnten auch sagen, wir machen es nicht mehr», sagt Rolf Suter. Doch die Jagdaufseher halten an der Tradition fest. Auch des Anlasses wegen. Die Jäger freuen sich, einander zu sehen. Einige sind sogar im traditionellen Jägeroutfit an den Pelzmarkt gekommen. Und Max Walde ist nicht der einzige, bei dem unter dem Schnurrbart ein breites Grinsen auszumachen ist, wenn er die Füchse, Marder und Dachse präsentiert, die er geschossen hat.

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