Gränichen
Am 31. Dezember geht er zum letzten Mal auf Tour

Briefträger war sein Traumberuf. Am 31. Dezember geht Hans-Rudolf Suter auf die letzte Tour, danach ist Schluss. Er hat 44 Jahre lang im Dorf Gränichen die Post ausgetragen - und dabei so manches mitbekommen.

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Immer freundlich und hilfsbereit, so erlebten die Gränicher ihren Briefträger Hans-Rudolf Suter seit dem Jahr 1966. zvg

Immer freundlich und hilfsbereit, so erlebten die Gränicher ihren Briefträger Hans-Rudolf Suter seit dem Jahr 1966. zvg

Am Freitag, 31. Dezember, wird in Gränichen Hans-Rudolf Suter seine letzte Tour als Zustellbote der Schweizerischen Post unter die Räder nehmen. Als 62-Jähriger geht er vorzeitig in Pension. Seit 1966 hat er seinen Dienst im Dorf zur vollsten Zufriedenheit der Postkundinnen und -kunden und seiner Vorgesetzten erfüllt.

Kontakt mit den Menschen

Briefträger war Hansruedi Suters Traumberuf. «Ich liebe den Kontakt zu den Menschen und die Arbeit im Freien», sagt er. Schon als Schüler hat er seinen Vater, der während fast 50 Jahren ein angesehener Briefträger in Gränichen war, auf seiner Tour begleitet und unter seiner Aufsicht Post verteilt. In diesen Beruf gedrängt hat ihn der Vater aber nicht. Nachdem der junge Mann die Aufnahmeprüfung bestanden hatte, begann er 1964 seine einjährige Briefträgerlehre in Wettingen. Dann absolvierte er ein Pflichtjahr im Paketversand in Basel.

«Mit Velo und Anhänger»

1966 wurde in Gränichen eine Stelle frei. Seine Bewerbung hatte Erfolg. In der Postbaracke unter der Führung von Postverwalter Hans Müller begann er seine Arbeit. «Ich musste alle Touren, ausser der Autotour, lernen und täglich zweimal die Zustellung besorgen – mit Velo und Anhänger», erinnert er sich. «Das konnte sehr nahrhaft sein, gibt es doch im Dorf einige steile Hänge.»

Nach der Pensionierung von Cäsar Stirnemann übernahm Hansruedi Suter dessen Tour mit dem Batteriewagen. So sah man ihn während einiger Jahre stramm von der Konditorei Wolleb an die Kantonsstrasse hinauf, durch die Kirchenbündte, den Schachen, das Murachergebiet und zurück durch das Leerber und den Winkel marschieren. Dann hiess es umsteigen auf den «Töff» mit Anhänger. Seine Tour wurde grösser und grösser. Das Oberfeld, das Kirchenfeld und ein Teil des Eifeldes kamen dazu. «Arbeitsbeginn ist auf der Post um 6 Uhr», erzählt er. «Das Vorsortieren und Einfächern dauert rund zweieinhalb Stunden. Etwa um halb neun gehts los auf die Tour, die so zwischen 12.30 und 12.45 Uhr beendet ist. Dazu gehört drei- bis viermal das Nachladen auf der Post.»

Geburtshilfe für eine Kuh

Hansruedi Suters Dienstbereitschaft, sein Pflichtbewusstsein und sein stets freundlicher Umgang mit den Postkunden brachten ihm Lob und Anerkennung ein. Auf einem Bauernhof half er sogar einmal erfolgreich mit, als eine Kuh gerade am Kalben war. Die Tour dauerte dann etwas länger. Dank seiner Naturverbundenheit und seiner Freude am Fischen auf dem Sempachersee wird es ihm auch im Ruhestand nicht langweilig sein. (az)