Am 1. August gibt es im Stadtteil Rohr Bratwürste, wie immer

Der Stadtteil Rohr pflegt das dörfliche Leben auch nach der Fusion. Daran muss auch die eingeleiteten Revision der Bau- und Nutzungsordnung nichts ändern, wie Stadtrat Beat Blattner an der GV des Stadtteilvereins ausführte.

Hubert Keller
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Die Bratwürste haben im Stadtteil Rohr Tradition und sind am 1. August gratis.

Die Bratwürste haben im Stadtteil Rohr Tradition und sind am 1. August gratis.

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Die Aarauer Bundesfeier findet dieses Jahr im Stadtteil Rohr statt, unter den Linden und mit Bratwürsten, wie dies in Rohr Brauch ist. Auch am Weihnachtsbaumverkauf Mitte Dezember ist die Bratwurst Pflicht, nicht unbedingt der Weihnachtsbaum. Bratwürste und noch vieles mehr gibt es in Rohr am Jugendfest am 21./22. Juni, das allerdings nicht mit den Alt-Aarauern, sondern mit den Buchsern gefeiert wird. Dies, weil die Rohrer mit den Buchsern in der Kreisschule Buchs-Rohr verbandelt sind. Keine Bratwürste, sondern Zöpfe bekommen die über 80-jährigen Rohrerinnen und Rohrer, wenn der Stadtteilverein im Dezember auf Zopftour geht.

Es ist nichts Extravagantes, was die Rohrerinnen und Rohrer kittet, aber gediegen und bewährt, dörflich eben. Die Traditionen und Feste werden im Stadtteil Rohr gepflegt. Dafür sorgt der Stadtteilverein, dessen Präsident, Thomas Bürgisser, am Donnerstagabend rund 60 Mitglieder im Stäpflischulhaus begrüsste.

«Wir sind kein Quartier, sondern ein Dorf, das zu Aarau gehört», meinte er. Die Fusion mit Aarau und deren Notwendigkeit werden keineswegs infrage gestellt. «Der Verein», so Bürgisser, «soll das Zusammengehörigkeitsgefühl im neuen Stadtteil von Aarau stärken.»

Der Verein, von der Stadt finanziell unterstützt, zählt 270 Mitglieder. 300 sollen es bis Ende Jahr werden. Der Vorstand, dem Silvana Wagner, Franziska Graf, Raymond Christen, Hansueli Tischhauser und Urs Schetty angehören, wurde mit Hanspeter Liniger verstärkt.

Der Stadtteilverein hatte Stadtrat Beat Blattner, zuständig für Hochbau und Raumplanung, eingeladen, über die Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) der Stadt zu orientieren. Die BNO der ehemals selbstständigen Gemeinde Rohr hätte eine Revision noch nicht nötig, sofern es nicht durch das neue Raumplanungsgesetz erforderlich würde. Die Rohrer BNO ist relativ neu.

In die Jahre gekommen ist allerdings die BNO der Stadt Aarau. Diese trägt zwar den Jahrgang 2003, ihr Inhalt stammt aber aus dem Jahr 1981. Und so dient die Revision, so Blattner, auch der Harmonisierung der beiden Planungen.

Über eine Million koste die Revision, die sein Nachfolger in seiner ersten Legislatur nicht unter Dach und Fach bringe, sagte Blattner. 17 Prozent, also rund gut 170 000 Franken würde der Kanton normalerweise dazu beitragen. Fusionsgemeinden bekommen aber 50 Prozent. Das sei somit den Rohrerinnen und Rohrern zu verdanken, sagte Blattner – und Bürgisser rechnete vor, wie viele Bratwürste es für den durch die Rohrer erwirkten Bonus gäbe.

Eines der Ziele der BNO-Revision ist es, die charakteristischen Quartiere mit unterschiedlichen Bedürfnissen zu erhalten. Grosse Bedeutung kommt laut Blattner den Verkehrsbeziehungen zwischen den Quartieren zu, vor allem jenen für Fussgänger, Radfahrer und den öffentlichen Verkehr. Zwischen Aarau und Rohr bestand nicht nur eine politische Grenze, sondern auch eine durch die unterschiedlichen Entwicklungen entstandene «Abgrenzung». Sie besteht noch heute und soll überwunden werden.

Zum Schluss der Versammlung gab es übrigens nicht Bratwürste, sondern Zopf.

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