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Altstadtinferno in Aarau: Die Häuser «Schlüssel» und «Schwert» sind historische Zeugen

Die beiden Häuser dienten ursprünglich beide als Tavernen. Im "Schwert" nächtigten einst eidgenössische Soldaten und tanzten die Aarauer im grossen Saal. Auch Bier wurde hier gebraut.

Katja Schlegel
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Der Blick in die Rathausgasse vor knapp 100 Jahren (Postkarte mit Stempel von 1921).

Der Blick in die Rathausgasse vor knapp 100 Jahren (Postkarte mit Stempel von 1921).

ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchi

Die beiden Häuser «zum Schlüssel» (Rathausgasse 6) und «zum Schwert» (Rathausgasse 8) bilden zusammen mit dem Eckhaus «zum Erker» ein zusammenhängendes Ensemble. Ihren baulichen Ursprung haben die Häuser in der ersten Epoche des 16. Jahrhunderts. So taucht das «Schwert» 1529 und 1531 als Unterkunft für eidgenössische Truppen während der Kappelerkriege auf. Um 1580 wird in den Annalen eine Tavernenwirtschaft «zum Schlüssel» aufgeführt. Während der «Schlüssel» als Taverne relativ rasch wieder verschwindet, hält sich das «Schwert» bis weit ins 19. Jahrhundert. Im Saal im ersten Stock finden Tanzvergnügungen statt, nebst kleineren Konzerten und Theateraufführungen. Im «Schwert» wird auch Bier gebraut. 1875 gibt der letzte Wirt den Betrieb auf, 1893 erlischt das Tavernenrecht.

Seit 1945 sind die beiden Häuser im Innern verbunden

Im Laufe der Zeit erlebten die beiden Häuser verschiedene Um- und Ausbauten, wobei man in historischer Zeit nicht immer zimperlich mit der Bausubstanz umging. Das «Schwert» hat seine auffallend breite Fassade im 18. Jahrhundert beispielsweise bei der Zusammenlegung von zwei schmalen Bauten erhalten. An beiden Gebäuden die Jahrhunderte überdauert haben die Giebel. Im Inventar der Kunstdenkmäler des Kantons Aargau werden am «Haus zum Schlüssel» besonders «die spätgotisch profilierten Doppelfenster mit ausgebrochenem Mittelstützen» hervorgehoben.

Ab 1945 wurden die beiden Häuser von der Strebel AG als Einrichtungshaus genutzt. Zu diesem Zweck wurden die Häuser im Innern miteinander verbunden. Haus Nummer 6 wurde vollständig entkernt und mit einer tragenden Betonstruktur neu aufgebaut, wie dem Baugesuch im Februar 2018 zu entnehmen war. Haus 8 hingegen wies vor dem aktuellen Umbau im Innern ältere Substanz mit Holzbalkendecken auf. 2017 gab Strebel das Geschäft auf. Im Februar 2018 legte die Eigentümerin, die Grundmann Immobilien AG, das Baugesuch für den Umbau der beiden Häuser auf. Die Umbaupläne sahen vor, das Parterre und das erste Obergeschoss weiterhin als Gewerbeflächen zu nutzen, vom 2. bis 5. Stock sollen zehn Wohnungen entstehen. (ksc)

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