Bereits die Einladung zur Generalversammlung verhiess nichts Gutes, stand doch am Briefkopf «Zehn Jahre sind genug!». Tatsächlich stimmten die gut zwanzig anwesenden Mitglieder ohne Diskussion dem Antrag auf Auflösung des Quartiervereins zu. «Die Kapazität des bisherigen Vorstandes ist erschöpft», erklärte Präsident Bruno Nüsperli, der den Karren zusammen mit Georges Mühlethaler über Jahre fast im Alleingang gezogen hat.

«Die Arbeitslast mit zahlreichen Vernehmlassungen und Sitzungen im Rahmen der verschiedenen Planverfahren, Reglementen und Verordnungen war enorm», so Nüsperli, die Zahl der Mitglieder im Quartierverein hingegen rückläufig. Eine Nachfolge an der Spitze des VAA war nicht vorhanden, das Lichterlöschen deshalb nur konsequent.

Der Lärm bleibt ein Thema

Der VAA wurde nicht zufällig vor zehn Jahren gegründet. Anno 2006 wurde die Aarauer Altstadt verkehrsfrei. Damit entwickelte sich das Zentrum zur Ausgehmeile, die sich mit der Neugestaltung der Gassen (2011) in rasantem Tempo ausdehnte. Es war deshalb das Ziel des Vereins, die «Lebens- und Wohnqualität in der Altstadt sicherzustellen, die Kontakte unter den Bewohnern zu fördern und das älteste Stadtquartier gegenüber Behörden und anderen Interessengruppen zu vertreten».

Bruno Nüsperli ortete im Rückblick in der Altstadt «eine rasante gesellschaftliche Verschiebung der Akzente vom Alter zur Jugend» und mit der Individualisierung eine «Entsolidarisierung». Eine Umfrage des VAA zeigte 2014, dass den Altstadtbewohnern an erster Stelle das zunehmende Littering und an zweiter Stelle der Lärm, vor allem an den Wochenenden, unter den Nägeln brennen. Der Präsident betonte, dass auch der VAA nie die Absicht hatte, «aus der Altstadt ein Museum zu machen», dass aber den Immissionen der Partymeile Grenzen zu setzen sind. Der Stadtrat allerdings zögere mit konkreten Entscheiden, trotz «Runden Tischen» zu diesem Problem.

Eindrückliche Fotos von nächtlichen «Überresten» des Partylebens bezeugten, dass die Folgen dieses Treibens auch künftig nicht ausbleiben werden. Der VAA habe, so Georges Mühlethaler, mindestens teilweise eine Ausdehnung der Ausgehmeile dank Einsprachen verhindern können. Ohne den Quartierverein werde diese Kraft fehlen.

Ganz hört er doch nicht auf

Allerdings erklärte sich Bruno Nüsperli bereit, auch künftig bei Bewohneranliegen als «Anlaufstelle» zu fungieren, denn «häufig könne man Probleme auch einfacher in der betroffenen Gasse lösen». Das Vereinsvermögen, rund 1500 Franken, soll nach dem Beschluss der Versammlung für die Finanzierung einer Publikation von Fotos aus historischer und jüngster Zeit verwendet werden.

Das schickliche Begräbnis des Vereins im zarten Alter von zehn Jahren endete im Haus zur Zinne nach dem Willen des Vorstandes mit einem Apéro riche, «nicht als Abdankungsfeier, sondern als fröhlich-besinnlicher Schlusspunkt».