Aarau

Altstadt-Läden tun sich zusammen: «Uns geht es allen ums Gleiche»

Zusammen arbeiten, das ist die Zukunft: Barbara Jordak, Romina Strebel, Karin Hostettler und Ursi Huber (v.l.).Chris Iseli

Zusammen arbeiten, das ist die Zukunft: Barbara Jordak, Romina Strebel, Karin Hostettler und Ursi Huber (v.l.).Chris Iseli

Heute tun sich vier Aarauer Altstadtläden in der Metzgergasse für einen gemeinsamen Aktionstag zusammen. Sie krempeln lieber die Ärmel hoch, als zu jammern.

Die Aarauer Altstadt ist attraktiv. Hier lässt sich gut käfele, schnöigge, schwatzen, flanieren. Doch viele Ladenbesitzer ächzen. Die hohen Ladenmieten, die Konkurrenz und die Frequenz machen ihnen das Leben schwer, dazu der starke Franken, das nahe Ausland, der Online-Handel. Wer in der Altstadt überleben will, braucht Biss, Durchhaltewillen. Und Ideen. So, wie die vier Läden aus der Metzgergasse, die sich heute für einen Aktionstag zusammentun. Das Motto: Fern trifft nah.

Die Altstadt sei ein wunderbarer Ort, charmant, lebendig. Teil davon sein zu können, sei toll; darüber sind sich die Organisatorinnen einig. Es fehle auch nicht an Passanten. «Bloss ist der Schritt über die Ladenschwelle ein grosser», sagt Romina Strebel von der Modeboutique Alice Roco. «Viele blinzeln ins Schaufenster, kommen aber nicht in den Laden.» Ein Phänomen, das auch das Kaufhaus zum Glück, der claro Weltladen und die Buchhandlung Kronengasse kennen. Zwar sei die Stammkundschaft treu und gut, aber die allein reiche nicht aus. «Wir müssen neue Leute auf uns aufmerksam machen», sagt Ursi Huber von der Buchhandlung Kronengasse.

Wie ernst ist es wirklich?

Hand aufs Herz – geht es den Altstadtläden schlecht? Die Frauen schütteln ihre Köpfe. «Aber wir müssen hart arbeiten», sagt Barbara Jordak vom claro Weltladen. Seit dem Umzug aus dem Höfli an die Metzgergasse habe zwar die Kundschaft zugenommen, dafür bezahle man heute deutlich mehr Miete und habe längere Öffnungszeiten. Das kostet. «Die Situation ist nicht besorgniserregend, aber der Umsatz stimmt noch nicht», sagt Barbara Jordak. So geht es auch den anderen. Man sei zufrieden, aber komfortabel sei die Situation nicht.

Jammern wollen die Frauen aber nicht, das nütze keinem. Sie krempeln lieber die Ärmel hoch. «Wir arrangieren uns mit dem, was wir haben, und machen das Beste daraus», sagt Barbara Jordak. Und das gemeinsam: Platz für Konkurrenzdenken und Einzelkämpfer gebe es in Aarau nicht, gute Nachbarschaft beflügle. «Uns geht es ja allen um das Gleiche: um das Miteinander, um das gemeinsame Gestalten der Altstadt, um das Lebendighalten», sagt Karin Hostettler vom Kaufhaus zum Glück. Nur so würden sich Geschäftstüchtige weiterhin trauen, in der Altstadt einen Laden zu eröffnen – und nur so könne verhindert werden, dass jede leerstehende Fläche an eine grosse Handelskette oder ein Fastfood-Restaurant gehe.

Spezielle Aktion am Samstag

Um heute die Passanten über die Schwelle zu locken, stellt jeder der vier Läden besondere Produkte vor; eines, das aus der Ferne kommt, und eines aus der Nähe. Dazu gibt es einen Wettbewerb, den man nur lösen kann, wenn man in allen vier Läden vorbeigeht. «Man kann nach Feierabend kaum beziffern, was uns dieser Aktionstag nützt», sagt Barbara Jordak. Aber darum gehe es ja auch nicht. «Wer einmal bei uns war, kommt hoffentlich auch ein zweites Mal.» Karin Hostettler formuliert es so: «Ein erster Besuch ist ein Anfang.» Gleiches gelte auch für den Aktionstag. «Wir müssen das weiterführen, vielleicht haben dann auch andere Lust mitzumachen.» Und Romina Strebel meint: «Wenn wir Kleinen die Herausforderung gemeinsam anpacken, profitieren wir alle davon.»

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