Aarau
Altersleitbild: Senioren sind vom Stadtrat enttäuscht

Die Aarauer Senioren sind mit dem Stadtrat nicht zufrieden. Dieser hat auf ihre im Mai eingereichte Petition geantwortet. Mit wenigen Zeilen. Auf die eigentlichen Anliegen der Petitionäre geht er kaum ein.

Hubert Keller
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Senioren in einem Altersheim (Symbolbild)

Senioren in einem Altersheim (Symbolbild)

Keystone

Obwohl die Senioren nichts mehr und weniger fordern, als dass die im Altersleitbild festgeschriebenen prioritären Massnahmen endlich umgesetzt werden. Der Stadtrat vertröstet: Die seit dem Abgang von Beatrice Feusi verwaiste Informationsstelle werde wieder besetzt. Zudem werde diese in eine Regionale Informationsstelle Alter und eine Fachstelle Alter aufgeteilt – mit dem vage formulierten Zweck, «die Umsetzung der Massnahmen des Altersleitbildes zu stärken».

Forära ist nicht zufrieden

Das Forum der Älteren Region Aarau Forära macht seinem Frust in einem Schreiben an den Stadtrat Luft: «Wir sind enttäuscht über die Haltung (...) des Stadtrats und der Verwaltung.» Vereinspräsident Christian Fritschi: «Der Wille zu konkreten Schritten ist nicht spürbar.»

Bei der Auswahl und Formulierung der 15 Massnahmen erster Priorität im Altersleitbild sei seinerzeit auch der Stadtrat davon ausgegangen, dass deren Umsetzung bis Ende 2013 zu realisieren sei. Dass der Stadtrat das immer noch will, daran zweifel Christian Fritschi.

Der Stadtrat verwies verschiedentlich auf den zu erwartenden «Bericht zur Alterspolitik». Der Verein Forära vertritt die Meinung, dass der Stadtrat auch ohne diesen Bericht die entsprechenden Verwaltungsstellen mit der Entwicklung und Erarbeitung der Massnahmen hätte beauftragen können. Als Massnahmen nennt Forära die Unterstützung pflegender Angehöriger, die Integration der Generationengrundsätze im Politikplan oder die Anspruchsmeldung für AHV-Zusatzleistungen.

«Ressourcen sind ausgeschöpft»

Der für Altersfragen zuständige Stadtrat Michael Ganz hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die Abteilung Alter, so wie sie heute organisiert ist, ihre Ressourcen ausgeschöpft habe. Ganz verwies im Einwohnerrat auf neue Gesetzgebungen, welche zusätzliche Aufgaben gebracht hätten.

Fritschi akzeptiert solche Erklärungen nicht mehr: «Vielleicht besteht nicht nur ein Ressourcenproblem, sondern auch ein Führungsproblem.» Wie kann man, so fragt Fritschi, von einem Markus Fontana erwarten, dass er die Aufgaben als Chef der Abteilung Alter wahrnehme, gleichzeitig zwei Altersheime leite und auch noch Alterspolitik mache?

Das sind Indizien dafür, dass es nicht nur ein Ressourcen- und ein Führungsproblem gibt, sondern auch ein strukturelles Problem. «Der Einwohnerrat könnte Bewegung in die Angelegenheit bringen», glaubt Forära-Präsident Fritschi, er sei jedoch auf andere Themen fokussiert. Die von gegen 600 Leuten unterschriebene Petition sollte nicht zuletzt auch die Einwohnerräte wachrütteln. Dass die Informationsstelle Alter reorganisiert wird, findet auch der Verein Forära sinnvoll, befürchtet aber, dass bis dahin wieder wertvolle Zeit verstreicht, und fragt, «ob die Abteilung Alter personell dazu in der Lage ist».

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