Aarau

Altersheime als Aktiengesellschaft: Für den VPOD eine Zwängerei

Die Eigenwirtschaftsbetriebe Golatti (Bild) und Herosé sollen in eine AG überführt werden.

Die Eigenwirtschaftsbetriebe Golatti (Bild) und Herosé sollen in eine AG überführt werden.

Der Stadtrat fühlt sich durch die Vernehmlassung ermutigt, die Verselbstständigung der städtischen Altersheime weiterzuverfolgen. «Bizarr», heisst es dazu von gewerkschaftlicher Seite.

Die städtischen Pflegeheime Herosé und Golatti sollen verselbstständigt werden. Dieses Vorhaben hat der Stadtrat dieses Frühjahr in die Vernehmlassung gegeben – und aufgrund der Ergebnisse entschieden, daran festzuhalten.

Das Interesse an der Vorlage war bescheiden, nur 16 Rückmeldungen gab es von Parteien, Interessengruppen und Privaten. «Tendenziell ist eine Zustimmung in Richtung einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft festzustellen, die zu 100 Prozent im Besitz der Stadt Aarau wäre», teilt der Stadtrat mit.

Ganz anders sieht das die Gewerkschaft VPOD, die sich ebenfalls hat vernehmen lassen und eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für die Heimangestellten befürchtet. «Der Stadtrat interpretiert die Ergebnisse nach eigenem Gusto», schrieb Regionalleiterin – und SP-Einwohnerrätin – Silvia Dell’Aquila in einer Medienmitteilung. «Die Mehrheit der Vernehmlassungsteilnehmenden stellen sich gegen eine Verselbstständigung. Bizarr mutet die Schlussfolgerung des Stadtrates an, der aus den Ergebnissen eine tendenzielle Zustimmung für eine gemeinnützige Aktiengesellschaft herausliest.»

Tatsächlich: In der Vernehmlassung votierten nur 5 Teilnehmende in dieser Frage mit «stimme zu», 7 mit «stimme nicht zu» und einer mit «stimme eher nicht zu». Dell’Aquila: «Auch wenn die 5 ‹neutralen› Stimmen als Zustimmung interpretiert werden, wie es der Stadtrat macht, kommt es zu einer Pattsituation, die keineswegs zu einer Weiterverfolgung der Verselbstständigung legitimiert.» Aus Sicht des VPOD gehe die Rechnung des Stadtrates nicht auf, die beschlossene Weiterverfolgung werte der VPOD als Zwängerei. «Positiv hingegen ist die Einsicht, dass die zukünftigen Anstellungsverhältnisse des Personals und die politische Einflussnahme noch einmal neu angeschaut werden müssen.» Der VPOD will sich weiterhin für einen Gesamtarbeitsvertrag für das Personal einsetzen, sollten die städtischen Altersheime verselbstständigt werden.

Die Teilnehmenden der Vernehmlassung bewerteten es als positiv, dass Entscheidungswege durch eine Verselbstständigung wesentlich kürzer würden. Allerdings gehe das mit dem Verlust der Mitbestimmung durch Stadt und Volk einher, was wiederum negativ bewertet werden müsse.

Die Ergebnisse der Vernehmlassung sind auf www.alter-aarau.ch abrufbar.

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