Aarau
Altersheim wird teurer als erwartet – Bewohner werden zur Kasse gebeten

Die Sanierung des Altersheims Golatti wird 8,4 Millionen Franken kosten. Der Stadtrat braucht bereits für die Projektierung mehr Geld. Eine Volksabstimmungen steht am 28. September an.

Hubert Keller
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Die Senioren verlassen die Station Milchgasse des «Golatti». Diese hat nach 40 Jahren eine Sanierung nötig. Kus

Die Senioren verlassen die Station Milchgasse des «Golatti». Diese hat nach 40 Jahren eine Sanierung nötig. Kus

Der Stadtrat verlangt vom Einwohnerrat mehr Geld. Die Projektierung der Sanierung des Altersheims Golatti kostet 575 000 statt der mit den Budgets 2011 und 2012 bereits bewilligten insgesamt 400 000 Franken.

Das hat auch damit zu tun, dass der Umfang der notwendigen baulichen Massnahmen frühere Annahmen um einiges übertrifft: Statt punktueller Massnahmen, deren Kosten 2010 noch auf 4,5 geschätzt wurden, rechnet der Stadtrat nun mit einem Investitionsvolumen von 8,4 Mio. inklusive der erwähnten Projektierungskosten. Das Projekt betrifft notabene nur den Hausteil Milchgasse des Golatti.

Dass der Steuerzahler diese Investitionen nicht buckeln muss, kann die Bewohnerinnen und Bewohner des Golatti nicht trösten. Denn zur Kasse gebeten werden sie: Die Kosten werden über den Investitionsfonds des Golatti getragen, der über die Hotellerie-Taxe gespeist wird. Ein kleinerer Teil geht zulasten der Pflege.

Die Hotellerie-Taxe beträgt dieses Jahr 125 Franken. Darin eingerechnet ist eine Rückstellung für Investitionen von 35,5 Franken. Der Stadtrat rechnet vor, dass die Erneuerung des Golatti die Hotellerie-Taxe um rund 15 auf 140 Franken pro Bett und Tag erhöhen werden.

Der Stadtrat vergleicht mit anderen Alters- und Pflegeheimen in der Region, die ebenfalls umbauen und sanieren mussten, mit Heimen wie Lenzburg oder Buchs. In diesen Gemeinden bewegen sich die Taxen ebenfalls in einer Bandbreite von 140 bis 160 Franken.

Das Alters- und Pflegeheim Golatti ist denkmalgeschützt und Teil des Altstadtensembles. Das Heim mit 57 Bewohnerinnen und Bewohnern ist in zwei Stationen aufgeteilt, die Station Golatti und die Station Milchgasse. Die Station Golatti wurde Anfang der 1990er-Jahre umfassend saniert.

Nach über 40 Jahren hat aber die aus drei Häusern bestehende Station an der Milchgasse eine Sanierung dringend nötig. War es früher eher ein Alterswohnheim, muss es heute den Ansprüchen eines Pflegeheimes genügen. Die älteren Menschen wohnen länger in den eigenen vier Wänden.

Sie beanspruchen vermehrt den mobilen Pflegedienst der Spitex. «Die kantonale Strategie ‹ambulant vor stationär› beginnt zu greifen», stellt der Stadtrat fest. Dies stelle auch die Stadt Aarau vor grosse Herausforderungen.

Gebaut wird in anderthalb Jahren

Über den Zusatzkredit für die Projektierung entscheidet der Einwohnerrat am 24. Februar. Im zweiten Quartal 2014 wird er über den Baukredit befinden müssen. Da dieser die Kompetenzlimite des Einwohnerrats von 6 Mio. Franken übersteigt, wird der Stimmbürger das letzte Wort haben.

Die Volksabstimmung ist am 28. September vorgesehen. Der Stadtrat geht davon aus, dass im dritten Quartal 2015 mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen ihre neuen Zimmer im Sommer 2016 beziehen können.

Vorgesehen ist, für die Bauphase Raumprovisorien auf der Wiese zwischen Golatti und Asylstrasse zu erstellen.