Aarau
Alte Kanti: «Wann gibt es endlich wieder eine Dividende?»

Schüler der Alten Kantonsschule Aarau schlüpften während der Wirtschaftswoche in die Rolle von Kaderleuten – mit allem Drum und Dran. Auch mit fordernden Aktionären.

Katja Schlegel
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In Sachen Kleidung stehen die Schülerinnen und Schüler der Alten Kanti den Wirtschaftsleuten in nichts nach.

In Sachen Kleidung stehen die Schülerinnen und Schüler der Alten Kanti den Wirtschaftsleuten in nichts nach.

Katja Schlegel

Marketingchef, Personalchefin, Finanzchef und CEO, alle sind sie da. Dazu weisse Hemden, streng gezogene Scheitel, roter Lippenstift, Namensschilder und Power-Point-Präsentationen mit allerlei Tabellen. Alles, was es für eine Generalversammlung eines Unternehmens braucht. Bloss sind die Kaderleute blutjung, die Produktenamen unbekannt und mitten in der Generalversammlung gongt die Pausenglocke.

Wirtschaftsluft geschnuppert

Über 40-jähriges Projekt

Während der Wirtschaftswoche setzen sich Schülerinnen und Schüler in praxis-, handlungs- und erlebnisorientierter Weise intensiv mit dem Thema Betriebswirtschaft auseinander. Konzipiert wurde das Projekt von der Ernst Schmidheiny Stiftung. Im Aargau wird die Wirtschaftswoche von der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK) seit über 40 Jahren organisiert. Die Wirtschaftswoche findet dieses Jahr auch an den Kantonsschulen in Wohlen, Baden und Zofingen statt.

Unterstützt wurden sie dabei ehrenamtlich von drei Fachlehrern, allesamt aktive oder ehemalige Kaderleute aus der Privatwirtschaft: Hanspeter Bolli, ehemaliges UBS-Kader-Mitglied, Bernd Krentscher, Geschäftsleiter bei LB Industrial Solutions AG, sowie Sandro Florin, Senior-Projektmanager bei der Excellence GmbH.

Drei fiktive Unternehmen gegründet

Um Gelerntes gleich in der Praxis anwenden zu können, haben die Schüler drei fiktive Unternehmen gegründet: Die einen stellen das Mineralwasser «Voda» her, das laut Werbeslogan Qualität, Erfrischung und Klasse in einer Flasche vereint. Die zweite Gruppe produziert den Energydrink «Velvet»; günstig und in verschiedenen Geschmackvariationen. Und die dritte Gruppe treibt mit dem Erfrischungsgetränk «Sportify» Sportler zu Höchstleistungen an.

Die ganze Woche über mussten die Gruppen wichtige Entscheidungen treffen und bis zu 37 Fragen beantworten: Wie teuer soll das Produkt sein? Wie viele Mitarbeiter und Maschinen braucht es zur Herstellung? Werden Dividenden ausbezahlt und wenn ja, wie hoch fallen diese aus?

Fallende Börsenkurse

Mit diesen Daten wurde während vier Tagen ein Simulationsprogramm gefüttert; jeder Tag stellte ein Geschäftsjahr dar. Wer falsche Entscheidungen traf, sah sich beispielsweise plötzlich mit fallenden Börsenkursen konfrontiert. Diese Zahlen und Entwicklungen der vier Geschäftsjahre haben die Schüler nun am Freitagnachmittag ihren «Aktionären» präsentiert.

Dabei mussten sie sich – wie in echt – auch unangenehme Fragen stellen lassen: Was sie gegen den veralteten Maschinenpark tun wollen? Wie sie das Personal besser auslasten könnten? Und wann wird endlich wieder eine Dividende ausgeschüttet?

Nicht so einfach, wie gedacht

Den Schülern hat die Woche gefallen. Wissen von Fachleuten aus der Betriebswirtschaft vermittelt zu bekommen, das sei extrem lehrreich und spannend gewesen, sagt beispielsweise Saro Tauber aus Lenzburg. «Ich habe in dieser Woche gemerkt, dass das Führen einer Unternehmung nicht so einfach ist, wie man sich das vorstellt.»

Damit habe man das Ziel erreicht, sagt David Sassan Müller von der Aargauischen Industrie- und Handelskammer, die die Wirtschaftswoche organisiert hat. «Unser Ziel ist es, das Verständnis für die Wirtschaft in einem Alter zu fördern, in dem die Weichen für die Zukunft gestellt werden.»

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