Leben In Aarau

Alt werden in Aarau muss eine schöne Aussicht bleiben

Martina Suter ist der Meinung, dass für «Altern in Würde» noch wesentlich mehr getan werden kann und getan werden muss.

Martina Suter ist der Meinung, dass für «Altern in Würde» noch wesentlich mehr getan werden kann und getan werden muss.

Die Gesellschaft wird älter, auch in Aarau. Bald wird jeder vierte Stadtbewohner über 65 Jahre alt sein. Alterspolitik gewinnt denn auch zunehmend an Bedeutung. Kürzlich hat der Stadtrat informiert, dass in rund zehn Jahren alle
städtischen Pflegeheime und die Alterssiedlung baulich wieder à jour sein werden.

Die Stadt setzt sich für bedürfnisgerechte Wohn- und Betreuungsformen für Seniorinnen und Senioren ein. Die öffentliche Hand wird die künftigen Herausforderungen zum Thema Wohnen im Alter nicht allein lösen können. Private Initiativen sind notwendig und gefragt. Und tatsächlich gibt es bereits diverse innovative Projekte, die in diesem Bereich ansetzen. Überzeugt hat mich unter anderen die Idee «Wohnen für Hilfe», die etwas andere Wohngemeinschaft. Ältere Menschen wohnen mit Studierenden unter demselben Dach. Es gibt viele Betagte, die in ihrem Heim über unbenutzten Wohnraum verfügen und möglichst lange zu Hause bleiben möchten. Gleichzeitig ist es für junge Menschen in Ausbildung nicht immer einfach, eine preisgünstige Unterkunft zu finden. Eine Vereinbarung definiert im Rahmen dieses Projekts einerseits kostenloses Wohnen für die jüngere Person und andererseits die Ansprüche auf Dienstleistungen im und ums Haus für die ältere Person. Das gegenseitige Geben und Nehmen bewährt sich bereits in verschiedenen Grossstädten.

Für ein Altern in Würde braucht es aber noch viel mehr. In Aarau und Region besteht denn auch schon heute eine breite und vielseitige Angebotspalette. Aber wie werden die, welche die Informationen am nötigsten haben, am besten erreicht? Eine betagte Bekannte hat mir erzählt, dass Sie über mögliche Freizeitangebote äusserst freundlich und motivierend Auskunft bekommen habe– bei der Anlauf- und Beratungsstelle von Pro Senectute an der Bachstrasse. Leider sei sie im Umgang mit dem PC nicht so versiert wie ihre Nachbarin. Diese habe über die Internetseite der Stadt die gewünschten Informationen zu möglichen Mittagstischen und Mahlzeitendienst-Anbietern selber gefunden. Die aktualisierte Broschüre «Unterwegs im Alter» habe sie gleich auf ihren Computer runtergeladen und sie deshalb bei Bedarf schnell zur Hand. Die Fachstelle Alter des Kantons biete auf dem eigenen Webportal ergänzende Inhalte. Manchmal surfe sie auf diesen Seiten stundenlang herum und finde immer wieder viel Interessantes heraus. Es freut mich, dass die vielen staatlichen und privaten Angebote ihr Zielpublikum offenbar erreichen.

Wie wird die wachsende Versorgung im Alter in Zukunft finanziert? Was fällt in den Aufgabenbereich der Sozialversicherungen, der Gemeinden oder der Zivilgesellschaft? Der Staat wird nicht für alle Kosten aufkommen können. Jeder hat einen Beitrag nach seinen Möglichkeiten zu leisten. Genau wie beim Wohnen sind auch hier neue, oft genossenschaftliche Modelle gefragt, welche die verschiedenen Bedürfnisse und Möglichkeiten zusammenbringen. Ich kann mir beispielsweise gut vorstellen, mich einmal in Projekten mit dem Prinzip der Zeitvorsorge zu engagieren. Als rüstige Rentnerin möchte ich gebrechliche Betagte betreuen und mit den erworbenen «Gutschriften» für meine eigene Betreuung in Zukunft sorgen. Diese Art der Freiwilligenarbeit nimmt stetig zu. In der Schweiz gibt es bereits rund ein Dutzend solcher «Kiss» Genossenschaften oder stadtbezogene Stiftungen. Die meisten arbeiten eng mit anderen Organisationen zusammen.

Ganz wichtig aber sind effiziente und fachkompetente Spitex- Organisationen, die den Menschen im Alter die gewünschte Autonomie ermöglichen. Aarau bezahlt jährlich über eine Million Franken an den lokalen Spitex-Verein. Gut investiertes Geld – solange die Bedürfnisse der zu Betreuenden, eine schlanke Organisation und die Belastung der Steuerzahlenden im Auge behalten und stetig dem Wandel der Zeit angepasst werden.

Martina Suter (54) ist Unternehmerin, FDP-Einwohnerrätin und -Fraktionspräsidentin sowie Vizepräsidentin des Kreisschulrats Aarau-Buchs.

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