Aarau
Alt Stadtammann Markus Meyer verstorben – Seine Politik war mutig und wortgewaltig

Der frühere Aarauer Stadtammann Markus Meyer ist am Montagabend 81-jährig verstorben. Während 13 Jahren leitete er die Geschicke der Kantonshauptstadt.

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Der frühere Aarauer Stadtammann Markus Meyer ist im Alter von 81 Jahren am Montagabend verstorben.

Der frühere Aarauer Stadtammann Markus Meyer ist im Alter von 81 Jahren am Montagabend verstorben.

Chris Iseli

Kurz nach seinem 81. Geburtstag ist in Aarau der frühere Stadtammann Markus Meyer gestorben. Er war in den letzten Jahren körperlich in seiner Mobilität eingeschränkt, nahm aber mit wachem Geist bis zum Schluss regen Anteil an den Geschicken «seiner» Stadt. Der gebürtige Lenzburger kam als junger Rechtsanwalt in die Kantonshauptstadt und wurde in einer denkwürdigen internen Ausmarchung 1973 von der Freisinnigen Partei als Nachfolger von Willy Urech als hauptamtlicher Stadtammann nominiert und vom Volk ehrenvoll gewählt.

Die Amtszeit von Markus Meyer im Unteren Rathaus begann 1974 mit einem Paukenschlag, die Einwohnergemeinde war im Zuge der Konjunkturdämpfungsmassnahmen des Bundes plötzlich nicht mehr liquid. Erst ein Bittgang zur Nationalbank nach Bern brachte die Befreiung aus dem akuten Zahlungsnotstand.

Im gleichen Jahr hinterliess die Erdölkrise politische Spuren. Meyer setzte mit Vehemenz auf das Projekt «Fola», das die Abwärme des Kernkraftwerks Gösgen über ein städtisches Fernwärmenetz nutzen wollte. Der Souverän sagte zwar Ja zu diesem visionären Vorhaben, realisiert wurde es aber nie, es landete 1988, nach dem Rücktritt Meyers 1987, in der Schublade.

Erst im Ruhestand erleben durfte der Verstorbene ein weiteres Herzensanliegen, die Verbannung des Verkehrs aus der Altstadt. Das Werk gelang dank dem Bau des Sauerländertunnels und der zweiten Aarebrücke sowie dem Einbezug der Hinteren Bahnhofstrasse und der neuen Schachenstrasse.

Intelligent und entschlossen

Markus Meyer vertrat seine Politik, die stets Sachprobleme, nie aber Menschen im Visier hatte, mutig und wortgewaltig. Als einstiger Anwalt war er ein hervorragender Redner, der aus dem Stegreif druckfrisch formulieren konnte. «Ich war nie ein Diplomat», erklärte Meyer an seinem 80. Geburtstag. Eine klare Haltung, die ihm nicht nur Freunde, aber von allen Seiten Respekt verschaffte. Das galt auch für seine eigene Partei, die er von 1977 bis 1989 im Grossen Rat vertrat, der er aber im höheren Alter den Rücken kehrte.

Marcel Guignard, sein Nachfolger im Amt des Stadtammanns, schätzte den Verstorbenen sehr: «Ich erlebte ihn als sehr intelligenten, vifen und entschlossenen Politiker, der mit seinem Nachfolger sehr grosszügig umging.» Markus Meyer habe sich, einmal aus dem Amt, nicht eingemischt, auch «wenn wir nicht immer die gleiche Linie verfolgten». Seine Meinung orientierte sich selten am populären Mainstream, sie war oft unbequem, hatte aber über seine aktive politische Zeit hinaus Gewicht. So kritisierte Markus Meyer noch vor einem Jahr die «grosszügige und willfährige Konsumhaltung des Stadtrates», die sich «sehr rasch in teure Folgekosten niederschlagen wird». Das aktuelle Sparpaket unter dem Begriff «Stabilo 2» hat ihm recht gegeben.

Privat entpuppte sich der nach aussen gradlinige Politiker als humorvoll und charmant. Allerdings litt er unter dem frühen Tod seiner geliebten Gattin Roswitha Aebersold. Kameradschaften fand er in jungen Jahren im Schosse des Schweizerischen Alpen-Clubs (SAC) und später im Lions Club oder unter seinen Schachfreunden. Frohe Stunden schliesslich erlebte Markus Meyer in der Heinerich-Wirri-Zunft zue Arau der Stadt oder auf seiner Jacht, mit der er auf dem Mittelmeer segelte.

Die letzten Jahre verbrachte er gut aufgehoben im Alters- und Pflegeheim Senevita an der Hinteren Bahnhofstrasse in Aarau, wo er gerne Besucher empfing oder über die elektronischen Medien mit seinem weiten Freundes- und Bekanntenkreis kommunizierte. Nun hat sich ein Lebenskreis geschlossen, der stark vom Dienst an der Öffentlichkeit geprägt war. Die Trauerfeier findet am Donnerstag, 28. Mai, um 15 Uhr in der Stadtkirche statt. (hR)

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